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Karneval: Wo geht's ab in den tollen Tagen?
Was treibt selbst die größten Langschläfer in der Schweiz morgens um vier aus den Betten? Und warum laufen Kölner Männer mit abgeschnittenen Krawatten durch die Stadt? Was solch merkwürdiges Verhalten zu bedeuten hat - wir erklären es euch
Bunte Kostüme, schrille Musik, Masken und Konfetti so weit das Auge reicht - das kann nur eines bedeuten: Der Straßenkarneval ist eingeläutet. Am Donnerstag, dem 23.Februar 2006, geht's wieder los. Und zumindest in den Karnevals-Hochburgen führt kein Weg an dem närrischen Treiben vorbei. So vielfältig wie die Kostüme sind auch die Bräuche zur Karnevalszeit: In der Schweiz ertönen um vier Uhr morgens aus allen Gassen Flöten- und Pfeifgeräusche, im Rheinland lösen Narren die Stadtverwaltung ab und im südwestdeutschen Raum zündet man riesige Scheiterhaufen an.
"Helau und Alaaf" - Karneval im Rheinland
Entlang des Rheins befindet sich die lange Reihe der Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf, Aachen und Mainz. Wie fast überall beginnt der Straßenkarneval hier am Donnerstag, den die Rheinländer "Weiberfastnacht" nennen. An diesem Tag ist es Brauch, dass die Frauen die Krawatten der Männer abschneiden. Diese Tradition stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert: Damals feierten nur die Männer Karneval. Im Jahre 1824 reichte es den Frauen dann: In Kostümen stürmten sie das Bonner Rathaus und entmachteten die Männer. Das Abscheiden der Krawatte soll an dieses Ereignis erinnern. Und die Männer lassen sich das Ritual durchaus gerne gefallen: Denn als Entschädigung bekommen sie einen Kuss, der im Rheinland übrigen "Bützchen" heißt.
Von Weiberfastnacht um 11 Uhr 11 bis Aschermittwoch feiern die Rheinländer dann pausenlos - in Kneipen, auf der Straße und bei Umzügen. Der größte Umzug ist der Kölner Rosenmontagszug. Der lockt jährlich eine Million Zuschauer an, die darauf hoffen, möglichst viele der Süßigkeiten zu ergattern. Die Chancen stehen gut: 120 Tonnen Süßes werfen die Narren am Rosenmontagszug von ihren Wagen.
Tags darauf neigt sich dann der Karneval auch schon wieder seinem Ende zu. Viele haben sich in den letzten Tagen auch so sehr verausgabt, dass für sie der Karneval mit dem Rosenmontagszug zu Ende ist. Hartgesottene halten aber durch bis zum Schluss. Am Dienstag Abend sind in den Straßen der Städte brennende Strohpuppen zu sehen. "Nubbel" nennen sie die Kölner, "Hoppeditz" die Düsseldorfer. Doch egal, wie die Puppe heißt: Sie ist eine Art Sündenbock, stellvertretend für all die Sünden, die die Narren in den "tollen Tagen" begangen haben. Wenn sie verbrannt wird, fühlen sich auch die wahren Sünder von ihrer Schuld befreit.
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