GEOlino.de - Mitten im Regenwald Seite 1 von 3

Mitten im Regenwald

Im Regenwald gibt es noch viele Naturvölker, die kaum einen Weißen gesehen haben. Der GEO-Reporter Rolf Bökemeier hat diese Naturvölker von Brasilien bis Borneo besucht und unter ihnen gelebt. Für GEOlino.de erzählt er von seinen abenteuerlichen Begegnungen


GEOlino.de: Naturvölker leben über die ganze Erde verteilt in vielen verschiedenen Gebieten. Die Ureinwohner leben weit voneinander entfernt und kennen sich gegenseitig gar nicht. Gibt es trotzdem Gemeinsamkeiten in ihrer Lebensweise?

Rolf Bökemeier: Bei den Völkern, die im Regenwald leben, gibt es viele Gemeinsamkeiten. Denn die grüne Wildnis bestimmt, wie die Menschen darin leben müssen. Wenn sie sich nicht strikt an die Regeln des Überlebens im Regenwald halten, können sie dort nicht zurechtkommen. Im Laufe der Jahrtausende haben die Regenwaldbewohner gelernt, was sie tun und was sie lassen müssen. Dieses Wissen wird von den Schamanen gesammelt und an nachfolgende Generationen weitergegeben. Ein Schamane ist zugleich Arzt, Priester und Ordnungshüter. Dass seine Regeln von den Stammesangehörigen befolgt werden, dafür sorgen der Häuptling und der Rat der Ältesten. Die wirksamste Methode, das Überleben eines Naturvolks im Regenwald zu sichern, ist das Tabu - also ein Verbot.


Siberut, Indonesien: Im Volk der Mentawai ist jeder erwachsene Mann ein gelernter Schamane, erkennbar an seiner Kopfhaube. GEO-Reporter Rolf Bökemeier wurde zum Schamanen ehrenhalber ernannt, sonst hätte er die Rituale der Regenwaldbewohner nicht miterleben dürfen (Foto von: Rolf Bökemeier)
© Rolf Bökemeier
Foto vergrößern
Siberut, Indonesien: Im Volk der Mentawai ist jeder erwachsene Mann ein gelernter Schamane, erkennbar an seiner Kopfhaube. GEO-Reporter Rolf Bökemeier wurde zum Schamanen ehrenhalber ernannt, sonst hätte er die Rituale der Regenwaldbewohner nicht miterleben dürfen

Die Ureinwohner scheinen ja sehr viele Regeln zu haben. Sind die Naturvölker nicht eher frei und zwanglos?

Die Ureinwohner können frei leben, das ist richtig. Aber sie legen sich selbst Zwänge auf. Kleinkinder bis zum 5. oder 6. Lebensjahr dürfen noch nahezu alles und werden nie bestraft. Sobald sie aber Aufgaben wie Holzsammeln oder Wasserholen übernehmen können, wachsen die Pflichten der Jungen und Mädchen Schritt für Schritt. Etwa mit 14 Jahren werden die Jugendlichen durch ein Einführungsritual, ausgeführt durch den Schamanen, in die Welt der Erwachsenen aufgenommen. Dann erhalten sie auch einen neuen Namen, der ihren ganz persönlichen Eigenschaften entspricht, zum Beispiel "Schneller Affe" für einen besonders klettergeübten Jungen oder "Liebliche Blume" für ein schönes Mädchen.



Seite 1 von 3
 
1 - 2 - 3



Druckansicht Artikel versenden Deine Meinung Kontakt Sitemap