GEO Magazin Nr. 1/07 - Das Paradies Seite 1 von 1
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Physik: Münchhausens Automobil

Der Raumfahrtingenieur Roger Shawyer hat ein Antriebssystem entwickelt, das aus einem Märchen stammen könnte


Füllt man einen Behälter mit Gas und verschließt ihn, wirkt der Druck nach allen Seiten gleich stark - der Körper verbleibt am selben Ort. Nun aber hat ein Ingenieur eine Röhre gebaut, die ihren Platz verändert, wenn sich in ihrem Innern Mikrowellen ausbreiten. Die Erfindung beruht darauf, dass elektromagnetische Wellen sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, die Einstein zufolge stets gleich bleibt - unabhängig davon, ob sie von einem ruhenden oder einem nicht ruhenden Objekt aus gemessen wird.

Das Licht und andere elektromagnetische Strahlung bildet damit, wie Physiker sagen, ein eigenes Referenzsystem. Speist man unter dieser Voraussetzung Mikrowellen in eine sich verjüngende Röhre ein, üben die elektromagnetischen Teilchen am weiten Ende der Röhre einen höheren Druck aus. Denn durch die Form des Behälters ist die "Gruppengeschwindigkeit" der Wellen am engen Ende geringer - und damit auch der Kraft, die auf die kleinere Wandfläche einwirkt. Einen Prototypen hat Roger Shawyer, ehemals Ingenieur bei der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) bereits erfolgreich getestet.

Er entwickelt zwar nur 0,3 Newton - ungefähr die Kraft, die nötig ist, einen Brief anzuheben. Doch die Pläne des Unternehmers sind viel ambitionierter: Mittels einer "Resonanzverstärkung" soll die Kraft der Mikrowellen, die in die Röhre eingespeist werden, so gesteigert werden, dass sie ein Auto antreiben kann. Probleme wie etwa die Kühlung der Röhre auf wenige Grad Kelvin - gegen störende Effekte durch Wärmebildung - hofft Shawyer bald ausräumen zu können. Sollte das Experiment gelingen, wird das Auto der Zukunft wohl keine Räder mehr benötigen: Mithilfe des elektromagnetischen Antriebs („emdrive“) könnte man das Mobil auch schweben lassen. Kritiker allerdings halten Shawyers hochfliegende Pläne für ebenso verwegen wie die Idee des Lügenbarons Münchhausen, sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen.





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