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Grönland: Mordic Walking
Vergessen Sie das Ironman-Rennen! Die härtesten Burschen der Welt messen sich jedes Jahr beim "Adventure Racing". Und zwar auf Grönland, weil sie dort wirklich Kopf und Kragen riskieren. Unser Autor ist ihnen nachgelaufen und hat Tagebuch geführt. Mit Video
Samstag, 21. Juli. 8 Uhr; Start der "Extreme Arctic Challenge"
Das Tal erbebt von Kanonendonner, die Zeit läuft. Alle 15 Vierer-Teams sprinten zum Ufer, lassen ihre Kajaks ins schwarze Fjordwasser gleiten, paddeln ins Weite. Jenseits der Startlinie gibt es hunderte Kilometer weit nur noch glitzernde Eisberge, schroffe Gebirgsketten, Gletscher, Wale, Eisbären. So majestätisch wirkt die Natur nur, wo sie für den Menschen tatsächlich noch bedrohlich ist. Der wilde Norden fängt gleich hinterm Hafen an. Dem Hafen von Tasiilaq, der einzigen größeren Ortschaft an der wilden Ostküste der wildesten Insel dieser Welt.
Obwohl "Adventure Racing" am anderen Ende der Welt erfunden wurde, in Neuseeland, scheint es doch genau hier her zu gehören. Sich der ungezähmten Natur auszusetzen, das beseelte den Neuseeländer Robin Judkins, als er das Outdoor-Spektakel Anfang der 1980er Jahre mit dem "Coast-to-Coast"-Rennen aus der Taufe hob. Seine Idee: ein harter Wettkampf mit technisch anspruchsvollen Disziplinen, immer in Tuchfühlung mit den Naturgewalten. Doch nach kurzer Aufbruchstimmung obsiegte das Sicherheitsdenken. Schwere Unfälle hatten die Kritik am Sport anschwellen lassen. "Plötzlich hingen überall Absperrbänder", erinnert sich Neil Radford vom Team Explorer, "aber dann gab es dieses Rennen hier in Grönland und meine Liebe zum Racen entflammte neu".

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Samstag, 21. Juli., 1. Tag, 10:45 Uhr
Ein Kajak ist gekentert, die Insassen haben eine der größten Bedrohungen schon mal zu spüren bekommen: 1 Grad Celsius kaltes Wasser. Hinterher schimpfte keiner mehr über die unbequemen Neoprenanzüge. Denn die erste Aufgabe lautet: Den Fjord überqueren, das Nebel verhangene Polhem-Massiv erklimmen, und nach Tasiilaq zurück paddeln, wo die Zeitmessung vorerst stoppt. Nach Adventure Racing-Tradition wird das Programm immer erst kurz vor dem Start bekannt gegeben.
Die Teilnehmer müssen auf alles gefasst sein: Ein-Tages-Etappen wie heute, aber auch offene Expeditionstouren über mehrere Tage und Nächte bei laufender Uhr. Man weiß nie, was als Nächstes kommt, nur dass es bestimmt wehtun wird. Schon bahnt sich eine Sensation an: Henrik Möller, dem Direktor der privaten dänischen Sportuniversität ISI, und seinem Studenten-Kader, unterläuft ein Patzer. Statt sich auf den eigenen Navigationsexperten zu verlassen, glaubt Möller eine Route von früher wieder zu erkennen. Doch plötzlich tauchen die übrigen Teams linkerhand am Berg auf statt rechts. Fluchend treten die vier Dänen – eben noch wegen ihrer technischen Präzision als haushohe Favoriten gehandelt - einen anderthalbstündigen Umweg durch die Steinwüste an. Ein ärgerlicher Fehler für die Dänen – aber für vier Grönländer öffnet er ein Schicksalsfenster: Das Team "Maniitsoq", unter der Leitung von Aqqualu Skifte, erreicht mit großem Vorsprung das erste Etappenziel. Alle vier Wettkämpfer sind Angehörige der Urbevölkerung, der Inuit, und in Grönland Local Heroes, allein schon weil sie hier teilnehmen. Jetzt haben vier "Eingeborene" mit ihrem Jagdinstinkt die angeblich so überlegenen "Kolonialherren" geschlagen und die erste Etappe nach Hause gefahren!
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