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GEO Magazin Nr. 01/06 Seite 1 von 4


Tunnelbau: 57 Kilometer durch den Fels

Der St.-Gotthard-Tunnel in der Schweiz wird nach seiner Fertigstellung im Jahr 2015 der längste Tunnel der Welt sein. Das Unternehmen ist eine aberwitzige Herausforderung an die Ingenieurskunst

Text von Philipp Maußhardt

Der Bahnhof hat keinen Namen, aber jemand hat eine Zahl auf die Betonwand gesprüht: 9703. So viele Meter trennen diesen Ort vom Tageslicht, vom südlichen Tunneleingang in der Gemeinde Bodio. Eine halbe Stunde braucht die Schmalspurbahn, um die Arbeiter und Material in das Innere des Berges zu bringen. Die Männer haben während der Fahrt noch ein wenig gedöst. Jetzt stapfen sie die letzten Meter zu Fuß über Eisenstege, klettern Treppen hinauf und wieder hinunter bis in den Bauch einer Maschine. Sie ist ein Monster aus Stahl, ein Steine fledderndes Ungetüm: die Tunnelbohrmaschine, kurz TBM. Arbeiter haben sie "Heidi" getauft.


Die zehn Elektromotoren erbringen zusammen eine Leistung von 5000 PS (Foto von: Thomas Ernsting)
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Die zehn Elektromotoren erbringen zusammen eine Leistung von 5000 PS

Infernalischer Lärm

Gerade steht Heidi still, weil zwei Monteure einen undichten Hydraulikschlauch auswechseln. Dann reckt einer den Daumen zum Führungsstand der Bohrmaschine hinüber, "pronto!" - fertig. Es ist für lange Zeit das letzte Wort, das man hören wird. Wer jetzt nicht schnell genug die Gummistöpsel in die Ohren drückt und breitbeinig auf der Eisenplattform Halt sucht, den werden Lärm und Erschütterung in Panik versetzen. Der Berg wird angegriffen. 58 Rollenmeißel drücken mit der Wucht von jeweils 26 Tonnen gegen den Fels und zermalmen, was über 300 Millionen Jahre gehalten hat: den harten Gneis der Zentralalpen.




Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2015 wird der Gotthard-Basistunnel der längste Tunnel der Welt sein (Foto von: Rainer Droste)
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Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2015 wird der Gotthard-Basistunnel der längste Tunnel der Welt sein

Der längste Eisenbahntunnel der Welt

Der Tunnelbau hat Tradition in der Schweiz, Verkehrsröhren löchern das Land. Zählt man allein die zurzeit betriebenen, kommt man auf fast 900. Seit 2002 aber graben die Eidgenossen nicht irgendein weiteres Loch, sondern den längsten Eisenbahntunnel der Welt, voraussichtlich 4,6 Milliarden Euro teuer: Über eine Distanz von 57 Kilometern soll der Gott-hard-Basistunnel das im Tessin gelegene Bodio mit Erstfeld im Kanton Uri verbinden und die Reisedauer von Zürich nach Mailand auf zwei Stunden und 40 Minuten, das heißt um rund eine Stunde, verkürzen. Der Bau ist ein kühnes Unternehmen; seine Notwendigkeit von jeder Straßenkarte Europas abzulesen. Nördlich und südlich der Alpen entspinnt sich ein dichtes Netz von Verkehrsadern. Doch bislang verbindet die Zentren Basel-Zürich-Luzern mit Oberitalien nur ein großer Weg für den Autoverkehr: der 1980 eröffnete Gotthard-Straßentunnel. Täglich zwängen sich etwa 3500 Lastwagen durch diese Engstelle.


"Zwischenangriff" in Amsteg: In einem Hohlraum von der Größe einer Turnhalle montieren Mechaniker die Tunnelbohrmaschine (Foto von: Thomas Ernsting)
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"Zwischenangriff" in Amsteg: In einem Hohlraum von der Größe einer Turnhalle montieren Mechaniker die Tunnelbohrmaschine

Oben sorgt der Tunnel für Ruhe und saubere Luft

Die "Neue Eisenbahn-Alpentransversale" (NEAT) soll ab 2015 den Warentransport von der Straße auf die Schiene bringen und für mehr Ruhe und bessere Luft in den Tälern von Reuss und Leventina sorgen. Zwar durchquert auch ein Eisenbahntunnel den Gotthard. Unmöglich aber, die Verkehrsströme des 21. Jahrhunderts auf die alte, Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete Röhre ausweichen zu lassen. Ihre Portale liegen auf 1200 Meter Höhe. Eine zusätzliche Lokomotive muss die Züge, die sich aus der Mailänder Tiefebene oder dem Zürcher Unterland hier hinauf- quälen, von hinten schieben. Im Winter durch Lawinen bedroht, wird die Strecke zudem immer wieder gesperrt.


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