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Toskana in drei Tagen

Von den Hängen des majestätischen Monte Amiata durch Wälder, weite Hügellandschaften und alte Tuffsteindörfer - unsere Lieblingsrundfahrt ist 210 Kilometer lang. Empfohlene Dauer: zwei bis drei Tage

Text von Klaus Simon

Spätsommer und Herbst sind die schönste Reisezeit für den tiefen Süden der Toskana: Die Wälder am Monte Amiata färben sich bunt, die Esskastanien sind reif, und in den Restaurants gibt es die ersten Trüffelgerichte. Außerhalb von Seggiano (1), dem Startpunkt der Tour, hat der Schweizer Künstler Daniel Spoerri an der Straße nach Pescina (2) einen 16 Hektar großen Skulpturenpark angelegt. Bevor es mit dem Auto losgeht: Warum nicht zwischen den mehr als hundert im Giardino di Daniel Spoerri verstreuten Installationen und Plastiken des Künstlers und seiner Freunde schlendern? Der waldreiche Monte Amiata (3) ist mit 1738 Metern der höchste Berg der südlichen Toskana. Südöstlich von Pescina schraubt sich die Straße durch einen dichten Buchenwald zum Gipfel empor. Bizarr geformte Felsen tauchen im Halbdunkel der Baumkronen auf - willkommen in einer Hänsel-und-Gretel-Welt, die mit den bekannten Toskana-Ansichten zypressengesäumter Sträßchen und sanfter Hügel nichts zu tun hat. Am Monte Amiata fällt im Winter Schnee, es gibt Skistationen, und die schwarzgelb geringelten Latten am Straßenrand helfen Autofahrern, bei Schneegestöber die Spur zu halten. Die Waldstraße umrundet den Gipfel auf seiner östlichen Seite und führt nach Abbadia San Salvatore (4) hinab, einem recht trostlosen Ort mit belanglosen Hotels, aber einer grandiosen frühromanischen Abteikirche.


Kastanienbäume säumen die Straße nach Piancastagnaio (5), wo ein paar prächtige Exemplare mitten im Dorf einen Hain bilden. Im Süden schließt sich das Naturschutzgebiet Pigelleto an: Bis Castell’Azzara gleicht die Route einem Tunnel durch dichten Wald. Der Ort liegt am Fuße des Monte Civitella, mit schönem Blick über den Lago di Bolsena. Castell’Azzara (6) ist Feinschmeckern wohlbekannt: Die "Città del Tartufo" bietet in den umliegenden Wäldern reiche Trüffelgründe. Weiter geht es über eine sanft gewellte Ebene zum nahe gelegenen Ort Sorano (7), um den herum Tuffstein abgebaut wird. Kurz vor der Ankunft schiebt sich der von einem Uhrturm gekrönte Masso Leopoldino vor den Blick ins verträumte Tal der Lente. Unterhalb dieser Festung auf dem Tuffsteinfelsen erstreckt sich das Städtchen mit seiner mächtigen mittelalterlichen Fortezza Orsini, unter deren Mauern sich zahlreiche unterirdische Gänge hinziehen. Sorano liegt an der Strada del Vino e dei Sapori Colli di Maremma.

Pitigliano (8) gehört zu Recht zu den offiziell "schönsten Dörfern Italiens", was nicht zuletzt seiner privilegierten Lage auf einem Tuffsporn zu verdanken ist. Wieder gibt es eine Burg des einst mächtigen römischen Orsini-Clans, zudem eine Kathedrale und eine bühnenreife Stadtsilhouette. In den Gassen: Krämerläden, altmodische Barbiersalons und winzige Trattorien. Manchmal rollt sogar ein verbeulter Fiat Cinquecento über das Pflaster.


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 (Foto von: Martin Kirchner/laif)
© Martin Kirchner/laif
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Wie mit einem Käsemesser aus dem Tuff geschnitten wirkt die Straße nach Sovana (9) und erinnert damit an die antiken etruskischen Hohlwege in der südlichen Maremma. Einige der spektakulärsten, bis zu 20 Meter tiefen antiken vie cave verlaufen zwischen Pitigliano und Sovana, darunter die Via Cava di San Giuseppe, auf die unterhalb von Pitigliano ein Schild an der Straße hinweist. Bei Sovana sind auch aus dem Tuff geschlagene Grablegen wie die berühmte Tomba Ildebranda zu bewundern, ein Tempelgrab mit ursprünglich zwölf Säulen, das Etrusker im 3. vorchristlichen Jahrhundert errichtet haben. In Sovana ist für Besucher, die Rast machen wollen, die Piazza del Pretorio der wichtigste Platz: einladende Restaurant-Terrassen und schöner Blick auf die mittelalterlichen Häuserfassaden und Palazzi. Bis zum Bäderort Saturnia (10) windet sich die Route durch eine fast menschenleere Hügellandschaft. Ab und zu sieht man einen Schäfer seine Herde über die Weiden treiben. In Saturnia selbst, das ebenfalls eine etruskische Vergangenheit hat, wird es dann trubelig: Die nahe Therme mit ihrem über Felsen herabrauschenden, 37 Grad Celsius warmen Schwefelquellwasser lockt viele Badegäste an.

Mit der mittelalterlichen Festungsstadt Manciano (11) und dem kleineren, um so heimeligeren, von Mauern eingezwängten Montemerano (12) ist das Gebiet des Morellino di Scansano erreicht. Hauptstadt des aus Sangiovese-Trauben gekelterten Rotweins ist das sympathisch unaufgeräumte, auf einer Anhöhe thronende Städtchen Scansano (13). Idyllische Gassen und viel unverfälschter provinzieller Charme lohnen den Besuch. Bis Roccalbegna zieht sich die Route fast 30 Kilometer weit über ein weltabgewandtes Hochplateau. Auf Höhe des Weilers Murci (14) blickt man über die bis zum Horizont reichenden colline della Maremma. Die Häuser von Roccalbegna (15) sind um zwei Felsenkegel gruppiert, auf deren Gipfel die Ruinen eines Kastells und einer mittelalterlichen Wachbastion stehen. Bei der Fahrt durch die schmalen Gassen des Dorfes taucht wie aus dem Nichts das Portal der romanischen Kirche Santi Pietro e Paolo auf. Auch innen ist sie mehr als einen flüchtigen Blick wert. Von nun an führt die Straße bergauf, zu dem Burgstädtchen Arcidosso (16) und seinem Nachbarort Castel del Piano (17), wo wie in Siena jedes Jahr ein Palio, ein Pferderennen, veranstaltet wird. Bald darauf haben wir den Monte Amiata wieder erreicht.


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Kommentare zu "Toskana in drei Tagen"

Armando | 29.08.2012 23:03

Ich habe die meisten der erwähnten Orte diesen Frühling besucht, alles mit Motorrad. Super Erlebnis. Leider nicht erwähnt ist Roccalbegna, ein Städtchen wie im Mittelalter, nicht weit von Manciano weg. Ebenfalls sehens- bzw. besuchswert sind die heissen Schwefelquellen in der Gegend, von denen es gleich mehrere gibt. Beitrag melden!


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