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Tamil Nadu: Wo die Götter wohnen

Wie ein spiritueller Magnet wirkt der südlichste Bundesstaat Indiens, Tamil Nadu, auf Inder und Sinnsucher aus aller Welt - mit Gottheiten wie dem elefantenköpfigen Ganesha

Text von Bernd Schwer

Vom Ufer sieht es aus, als badete im Fluss ein Gott. Ein grauer Rüssel schwenkt hin und her, Wasser spritzt in die Hohe und nach allen Seiten. Wenn man naher herangeht, erkennt man auf einer mächtigen Elefantenstirn rote und grüne Bluten und weise Linien . und mit nur ein klein wenig Fantasie konnte man das Wesen, das da morgens am Vaigai-Fluss in Madurai nass glänzend im Wasser steht, für den leibhaftigen Ganesha halten, den Gott mit dem Elefantenkopf.


Täglich besuchen tausende Gläubige den Götterclan im Sri-Minakshi-Tempel von Madurai. Das Nordtor ist zur Renovierung eingerüstet (Foto von: Hauke Dressler)
© Hauke Dressler
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Täglich besuchen tausende Gläubige den Götterclan im Sri-Minakshi-Tempel von Madurai. Das Nordtor ist zur Renovierung eingerüstet

Ganesha: eine allgegenwärtige Gottheit

Es passiert leicht, dass man einen Elefanten mit Ganesha verwechselt. Denn der pummelige Gott mit dem Russel ist allgegenwärtig, und wäre er kein Gott, man konnte ihn einen Teufelskerl nennen, aber das klingt, obwohl bewundernd gemeint, doch etwas unpassend. Ganesha selbst ist jede Art von Kompliment, und sei es noch so ungeschickt vorgebracht, langst gewohnt, denn er rangiert auf der Beliebtheitsskala der Götter ganz weit oben. Der kleine Kerl mit dem geschwungenen Russel ist für Wohlstand, Glück und das Gelingen wichtiger Unternehmungen zuständig, zum Beispiel der Ehe. Zudem ist er weise, stark und nascht gern - wie man sieht. Mal ehrlich: Wer wollte sich mit diesem einflussreichen Charakterkopf nicht gut stellen? In Madurai schafft es Ganesha, an vielen Orten gleichzeitig zu existieren. Nehmen wir die zwei markantesten. In der großen Tempelstadt thront er in einem Seitenaltar.


Nach einer Zeremonie brechen Bauern zu einer dreimonatigen Pilgerwanderung auf (Foto von: Hauke Dressler)
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Nach einer Zeremonie brechen Bauern zu einer dreimonatigen Pilgerwanderung auf

Die Hauptheiligtümer belegen zwar Minakshi und ihr Gatte Shiva, zwei Top-Götter im hinduistischen Pantheon. Doch Ganesha hat sich ebenfalls einen Platz gesichert, und nicht den schlechtesten. Wer von Minakshi zu Shiva will oder umgekehrt, kommt unweigerlich bei Ganesha vorbei. Da sitzt er als schwarze, glattpolierte Statue, von roten Lichterketten umrahmt und beleuchtet wie ein Dönerladen zur Weihnachtszeit. Blumenketten ranken sich um den mächtigen Elefantenhals, ein weiser Wickelrock mit Goldbordüre, wie die Brahmanen ihn tragen, umhüllt seinen Bauch. An ihm kommt in dieser labyrinthischen Tempelstadt praktisch keiner vorbei - und das will auch niemand.



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Gottheit im Handydisplay

Seinen zweiten markanten Auftritt erleben wir außerhalb des Tempels, einige Straßen vom heiligen Bezirk entfernt. Wir haben vor, eine für die Reise ausgeliehene indische Handykarte aufladen zu lassen - was in der Straße der Handyladen ungefähr so schwierig ist, wie in Wolfsburg ein Auto zu kaufen. Ein Verschlag reiht sich an den anderen, über jedem prangen die roten und blauen Logos von Providern und Netzbetreibern, und der freundliche junge Mann, auf den wir zusteuern, hat unter einer Glasauslage seine schönsten nagelneuen Telefonmodelle ausgelegt.
Sie sind eingeschaltet, die Kunden sollen die Prachtstücke der Technik in Aktion bewundern können. Und auf allen Displays zappelt und lächelt und blinkt: Ganesha. Als Comicfigur für die Teenies, im Neondesign für die Business- und Computertypen oder als Kurzvideo aus dem Tempel samt Schellen und Trommelklängen für die traditioneller orientierten Käufer.


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