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Südtirol: Fünf zum Vorzeigen
Ein Käse-Verrückter, eine Bäuerin und ein Weltvermesser – Südtirol ist reich an ungewöhnlichen Menschen. Wir stellen Ihnen fünf vor
Er ist, neben dem Ötzi, der berühmteste Südtiroler. Eine Legende und eine eigenwillige
Erscheinung: das ungebändigte Haar, der buschige Bart, das Gesicht zerklüftet wie eine Gebirgslandschaft. In den Medien erscheint er oft als seltsames Unikum, halb Hinterwäldler,
halb Übermensch. Seine Bücher wirken differenzierter, zeigen ihn als engagierten Zeitgenossen mit philosophischen Neigungen und politischen Ambitionen, kundig, klar und prononciert. Als einen, der weiß, wo er steht.
Messner, der gelernte Geometer, hat wahrhaftig die Welt vermessen. Hat ihre "drei Pole" abgesteckt, den nördlichsten, den südlichsten und den höchsten Punkt, den Mount Everest, der selbst den Namen eines Landvermessers trägt. Stets zu Fuß und aus eigener Kraft, hat Messner Eis- und Sandwüsten durchquert, Gipfel gestürmt und Wände erstiegen. Nur folgerichtig, dass so einer sich auch die Heimat zu Fuß aneignet.
Gemeinsam mit Hans Kammerlander umrundete er im Herbst 1991 ganz Südtirol. Als echte Grenzgänger folgten sie dabei exakt den Provinzgrenzen, über Grate, Klüfte und Felswände hinweg. Wieder eine Vermessungsarbeit, eine unkonventionelle Standortbestimmung. Kurioserweise passierten sie dabei auch die Fundstelle von Ötzis Mumie am
Similaun, nur zwei Tage nach deren Entdeckung.
Für Messner ein Kronzeuge aus einer fernen Vergangenheit, ein Bote aus einer Zeit, als alle Welt zu Fuß ging, als die Alpen noch staatenlos waren und nur die Natur den Menschen Grenzen setzte. Unterwegs trafen sie mit zahlreichen Landsleuten
zusammen, diskutierten, räsonierten. Diese Aktion dauerte 41 Tage, war zugleich epischer
Marsch und magischer Zirkel. Messner und Kammerlander wollten damit auch gegen vorherrschende Mentalitäten und Klischees angehen.
Gegen Volkstümelei und weinerliche Nabelschau, gegen trügerische Idyllen wie gegen geistlosen Kommerz. Sie wollten den Blick auf die Substanz Südtirols lenken. "Der Begriff ,Heimat‘", erläutert Messner beim Gespräch im Museumscafé von Schloss Sigmundskron, "wird
bei uns leicht überstrapaziert.
Oft führen ihn die falschen Leute im Mund, aus den falschen Gründen." Erbittert wettert er gegen die herrschenden Polit- und Medienmonopole und das eingefleischte
Lagerdenken. "Wir dürfen uns nicht selbst genügen", mahnt er und
beschwört Europa als Gegengewicht zur regionalen Egozentrik.
Seine Reisen haben Messner Südtirol nicht entfremdet, sondern sein Heimatbewusstsein geschärft. Und sie haben den Boden bereitet für sein bislang letztes, langwierigstes und verwegenstes Unterfangen: die Gründung des Messner Mountain Museums. Allen voran das
Flaggschiff auf Schloss Sigmundskron, dazu die Trabanten am Ortler, auf dem Monte Rite und auf Schloss Juval sowie sein fünftes Museum in Bruneck über die Kulturen der Bergvölker.
"Der antike Begriff Museum‘ umschreibt einen Ort der Begegnung", erklärt Messner. In diesem Geist hat er seine Ausstellungswelten angelegt, als multimediale und multikulturelle
Begegnungsstätten von Mensch und Natur. Sie widmen sich dem Lebensraum der Berge, der Ästhetik des Erhabenen und der Entwicklung des Alpinismus.
Getragen vom leidenschaftlichen Engagement ihres Begründers, enthalten sie die Essenz seines Lebensweges: Horizonterweiterung. "Gegen die zur Phrase erhobene Heimatbeschwörung hilft nur eins: dableiben und da zwischenrufen."
Museen, die Reinhold Messner gegründet hat:
Infos unter www.messner-mountain-museum.it Das zentrale Bergmuseum Firmian befindet sich in Schloss Sigmundskron bei Bozen, Sigmundskronerstr. 53, Tel. 0471-63 12 64.
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