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Sri Lanka: Die Republik der Mönche
Sie sitzen in den Machtzentralen ihres Landes oder in der Stille der Wälder. Sie greifen energisch in die Politik ein oder widmen sich einzig dem langen Warten auf die Erleuchtung. Nirgends sind mönchische Lebensweisen so unterschiedlich wie in Sri Lanka, jenem Inselstaat, in dem die 30000 Mitglieder eines buddhistischen Ordens den Alltag von 20 Millionen Menschen prägen
Von heute an sind die acht jungen Männer keine Menschen mehr aus Fleisch und Blut. Natürlich werden sie, allesamt recht schmächtige und nicht besonders hochgewachsene Burschen, die sehr viel jünger aussehen, als sie sind, nämlich um die 20 Jahre alt, weiter atmen. Sie werden essen, schlafen, sich womöglich gelegentlich mit Zahnschmerzen quälen und hin und wieder ausschütten vor Lachen über irgendeinen Scherz.
Dennoch wird am Ende dieses feierlichen Vormittags, nach einer langen Zeremonie, zu der viel festlich gekleidetes Volk in den berühmten Malwatta-Tempel der alten Königsstadt Kandy im Hochland von Sri Lanka gekommen ist, alles anders sein: Nie wieder werden die Leute die acht jungen Männer als ihresgleichen betrachten.
Die Vorbereitung auf das Mönchtum
Vom normalen Leben und vom weltlichen Alltag verabschiedet haben die Burschen sich bereits als Neun- oder Zehnjährige. Damals haben ihre Eltern sie ins Kloster gebracht. Dort hat man ihnen die Haare abrasiert, sie in gelbe, orangefarbene, ochsenblut- oder rostrote Tücher gehüllt, ihnen eingeschärft, nicht mehr zu lärmen und umherzurennen. Sie wurden Novizen und mussten, obwohl noch nicht einmal in der Pubertät, eine gewisse religiöse Würde behaupten.
Doch der Weg aus dem Elternhaus ins Kloster war ja nur der erste Schritt - hinaus aus dem Alltag, hinein in die Welt des Geistes. Der zweite, der entscheidende, der endgültige folgt heute: An diesem Vormittag werden die Novizen zu Mönchen geweiht.
Drei Wege
Vom heutigen Tag an können die jungen Männer die unterschiedlichsten Rollen im gesellschaftlichen Gefüge des Landes ausfüllen. Sie können Karriere in der Stadt machen und als "politische Mönche" großen Einfluss auf die Entwicklung der Republik nehmen. Sie können sich für immer zurückziehen in den Dschungel, um als "Waldmönche" meditierend die Erlösung zu erwarten.
Oder sie können sich als "Dorfmönche" in einem kleinen Tempel auf dem Lande niederlassen und dort für das spirituelle und soziale Wohl ihrer Nächsten sorgen. So werden sich die Mönche einfügen in das Leben der Insel. Immer jedoch werden sie sich grundsätzlich unterscheiden von den Menschen aus Fleisch und Blut. Denn Mönche sind Symbole. Ideale Erscheinungen. Philosophische Metaphern.
Alles an den Mönchen ist bedeutsam
Der nackte Schädel, der Gleichmut und Bescheidenheit zeigt. Das Gelb, das Orange, das Rot ihrer Roben: die trügerisch leuchtenden, schnell vergänglichen Farben des Herbstes, der Blätter kurz vor dem Absterben. Die rechte Schulter, die von der Robe unverhüllt bleibt, als eine bescheidene Andeutung des Dramas ursprünglicher menschlicher Blöße und Schutzlosigkeit.
Natürlich haben die Mönche unterschiedliche Gestalten - da sind junge, alte, dicke, dünne, aufrechte, gebeugte, die ganze Skala der menschlichen Physiognomien und Gesichter. Aber es sind immer wieder die gleichen Tücher, die gleichen Schädel, die gleichen Schultern: dasselbe Bild in massenhafter Wiederholung. Und damit das Idealbild des Verzichts auf Individualität, der weltlichen Menschen ganzer Stolz und heiligstes Gut.
Und manche Mönche proben sogar den Abschied vom eigenen Gesicht, entfernen nach Bart- und Kopfhaaren auch die Brauen, sodass die Augen wie in den konturlosen Höhlen eines Totenkopfes sitzen und die Mönche noch weniger nach sich selbst aussehen. Denn wer sollte das schon sein: sie selbst? Nichts als eine Illusion.
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