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Sizilien: Mafia, nein danke

"Addiopizzo" heißt "Tschüss, Schutzgeld"– genau das strebt die sizilianische Initiative dieses Namens an. Ihre Waffe im friedlichen Kampf gegen die Mafia ist der Tourismus. Ein Interview

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Absolut sehenswert: die Kathedrale Maria Santissima Assunta in Palermo (Foto von: Ingolf Pompe/LOOK)
© Ingolf Pompe/LOOK
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Absolut sehenswert: die Kathedrale Maria Santissima Assunta in Palermo

GEO Saison: Wer in Palermo ein Hotel bucht, bereichert die Mafia?
Dario Riccobono: Wenn das Hotel Schutzgeld zahlt, ja. Da setzt Addiopizzo an: In unserem kostenlosen Stadtplan sind Läden, Restaurants und Unterkünfte eingezeichnet, deren Besitzer kein Schutzgeld zahlen, also die Mafia nicht finanzieren.

Führen Sie Rote Listen?
Nein, aber Urlauber, die schutzgeldfreie Betriebe auf Sizilien suchen, können sich an uns wenden.

Wie viele Hotels sind bei Addiopizzo registriert?
Fünf in Palermo, dazu viele Bed and Breakfasts, außerhalb der Stadt einige Agriturismi. Unser Verzeichnis wächst jeden Tag. Die Polizei hilft uns sehr, die Besitzer zu schützen, aber es sind auch die Touristen selbst, die durch ihre Auswahl die Betreiber stärken.

Sind viele Touristen am Thema Mafia interessiert?
Ja, Addiopizzo lebt von der Wertschätzung im Ausland. Eine Mehrzahl der Besucher der Region hält es für sehr wichtig, nicht zum Reichtum der Mafia beizutragen, und will genau informiert werden.

Ist es nicht eine Art Katastrophen- Tourismus, in eine Mafia-Hochburg zu reisen?
Ganz im Gegenteil! Nur wenn die Bevölkerung im Kampf unterstützt wird, können wir unser Land und unsere Würde zurückgewinnen. Außer dem ist die Mafia kein regionales, sondern ein globales Problem. Touristen, die Verantwortung übernehmen und auf Sizilien in schutzgeldfreien Hotels übernachten, helfen, den Einfluss der Mafia weltweit zu bekämpfen.

Welche andere Regionen der Welt könnten ein eigenes Addiopizzo gebrauchen?
Ähnliche Projekte in Italien und weltweit gibt es bereits. In Süditalien, wo es die meisten Erpressungen gibt, müssten sich die Aktivitäten noch weiter ausdehnen.

Ist es gefährlich für Hoteliers und Restaurantbesitzer, sich zu wehren?
Unternehmer, Konsumenten und Polizei sind gut vernetzt. Das Risiko, sein Geschäft zu verlieren, ist relativ klein.

Wie laufen Ihre schutzgeldfreien Reisen ab?
Addiopizzo Travel zeigt Landschaft und Kultur des westlichen Teils Siziliens auf eine sehr persönliche Weise. Man begegnet Menschen, führt Gespräche und lernt ein Land kennen, das sich nicht der Mafia unterwirft.

Wird Addiopizzo von der Mafia bedroht?
Nein. Wer öffentlich unterstützt wird, bei dem verlieren Einschüchterungen ihre Wirkung. www.addiopizzotravel.it


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Kommentare zu "Mafia, nein danke"

Britta Bohn | 19.04.2011 21:52

Urlauber, die schutzgeldfreie Betriebe auf Sizilien suchen, können sich jetzt auch auf dieser Webseite informieren:

http://www.ferien-sizilien.de/addiopizzo/addiopizzo.htm

Hier werden 14 Geschäfte, Restaurants und Bars beschrieben. Detaillierte Wegbeschreibungen erleichtern ihnen, sie zu finden.

Einer dieser Geschäfte ist die Sportartikel-Kette "Triathlet". Ihr Eigentümer, Giuseppe Todaro, wurde lange von der Mafia erpresst und entschied sich 2008, seine Erpresser anzuzeigen. Der Artikel

http://knol.google.com/k/britta-bohn/giuseppe-todaro-unternehmer-gegen-die/1i8xo4uhy6990/9#

beschreibt die Geschichte des mutigen Unternehmers. Beitrag melden!


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