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Pyrenäen: Gipfel-Hopping in Spanien

Rund zwei Autostunden von Barcelona entfernt tun sich Canyons auf, stechen Gipfel ins Blau, kreisen Bartgeier: Die Bergwelt in Spaniens Nordosten macht Wanderer demütig

Text von Olaf Tarmas

Das Ordesa Tal wurde bereits 1918 als Nationalpark deklariert und ist so das älteste Naturschutzgebiet in den Pyrenäen (Foto von: mauritius images/age)
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Das Ordesa Tal wurde bereits 1918 als Nationalpark deklariert und ist so das älteste Naturschutzgebiet in den Pyrenäen

Bohlenwege, die an Steilwänden entlangführen, Wanderpfade mit Blick auf Seen und Schneefelder: In den spanischen Pyrenäen zeigt die Bergwelt ihren ursprünglichen Charakter – und ihre Größe. Das Grenzgebiet der autonomen Provinzen Katalonien und Aragon im Nordosten Spaniens ist eine lohnende Entdeckung.

In der Schlucht
Halbwegs schwindelfrei sollte man schon sein bei einer Wanderung durch die Mont-Rebei-Schlucht, die Katalonien von Aragon trennt. Und man sollte keine Angst haben vor schmalen, in die Steilwand gesprengten Pfaden oder über Abgründen schwingenden Hängebrücken. Vor allem aber sollten Wanderer gewappnet sein für die Pasarelas de Montfalcó, zwei schmale Holztreppen, die im Zickzack an der senkrechten Felswand emporführen. Jeder Schritt bietet neue, abenteuerliche Perspektiven zwischen Himmel und Abgrund in einer Schlucht, die nicht nur wegen ihrer Tiefe den Gleichgewichtssinn verstört: Schräg verlaufen die Gesteinsschichten, und die Wände wachsen über dem Kopf zusammen, je tiefer man in den Canyon vordringt. Der Nervenkitzel lohnt sich, denn die Mont-Rebei-Klamm ist einer der schönsten Abgründe, in die man sich in Europa vorwagen kann: Oben leuchten orangefarbene Kalksteinwände, unten das milchig-türkisblaue Wasser. Und über allem ziehen Bartgeier ihre Kreise. Es ist eine herbe Landschaft mit überraschend lieblichen Einsprengseln: In Wäldchen aus Steineichen, Oleander und Erdbeerbäumen berauschen sich Singvögel am Widerhall ihrer Stimmen, und mit etwas Glück sieht man bis zu einem halben Meter große, leuchtend grüne Perleidechsen über die Steine huschen.

Hinkommen und Schlafen:
In die Mont-Rebei-Schlucht kommt man von zwei Seiten aus: Von einem Parkplatz an der Nordseite (erreichbar über die Carretera Nacional N 230, bei der Pont de Muntanyana auf die Carretera C 1311 einbiegen. Unbedingt eine gute Karte mitnehmen!). Oder vom Örtchen Montfalcó an der Südseite, in dem es auch eine kleine, einfache Herberge gibt (Albergue de Montfalcó, www.alberguemontfalco.com, DZ ab 20 €). Die Durchquerung der Schlucht nimmt zwei bis drei Stunden in Anspruch und noch einmal die gleiche Zeit für den Rückweg (Infos zur Anfahrt und verschiedenen Routen: www.lleidatur.com).

Am Wasser
Die Mont-Rebei-Schlucht gehört eigentlich noch zu den Vorpyrenäen. Richtig hoch werden die Berge erst weiter nördlich, zum Beispiel im Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici (http://parcsnaturals.gencat.cat) in Katalonien. Am Eingang wachen die über 2700 Meter hohen runden Doppelgipfel der Encantats über eine eigenwillige Gebirgslandschaft. "Gewundene Wasser" bedeutet der erste Teil des Namens, und der Park macht ihm Ehre: Ungezählte Wasserläufe mäandern auf den Plateaus durch torfige Wiesengründe. Gesäumt von Schwarzkiefern, Felsbrocken und Schneeflecken, muten sie an wie sorgsam arrangierte Gärten.

Hinkommen, Schlafen und Genießen:
Der beste Ausgangspunkt für Wanderungen im Nationalpark ist das Bergdorf Espot. Von dort gelangt man zu Fuß oder per Geländetaxi (www.taxisespot.com) zum idyllischen See Estany de Maurici, wo der schönste Teil der Bergtour beginnt: der rund zweistündige Aufstieg zur Hütte Refugi d'Amitges auf 2380 Meter Höhe (www.amitges.com, Schlafplatz ab 17 €). Wer noch weiter will: Von der "Refugi d’Amitges" startet eine fünf- bis siebentägige Rundtour über neun Hütten, der Carros de Foc (www.carrosdefoc.com). Wer lieber zurück möchte: In dem kleinen Hotel Roya in Espot kommen Wanderer bestens unter. Dort kocht die Wirtin Joanna Taradot köstliche traditionelle Gerichte, etwa trinxat, Kohl mit Kartoffelstampf, oder girella, eine Schafsfleisch-Reis-Wurst. Taradots Familie führt das Hotel seit 100 Jahren (www.hotelroya.net, DZ/F ab 60 €).

Im Canyon
Die Pyrenäen-Kette ist auch eine Kette von Nationalparks. Westlich von Aigüestortes, noch in Aragon, liegt der Ordesa y Monte Perdido mit seinen Schluchten, wo im Talgrund das Wasser von allen Seiten strömt, stürzt, rieselt. Die Kalksteinklippen, die sich entlang des Camino de Soaso auftürmen, lassen viele vom "Grand Canyon der Pyrenäen" schwärmen. Nur dass dieser nicht in Rostrot, sondern ganz in Felsgrau gehalten ist und unser durch Nutzforste geprägtes Waldbild ins Wanken bringt: So knorrig, wild und verschlungen können Buchen und Fichten wachsen!

Hinkommen und Schlafen:
In der Hochsaison von Juli bis September ist der Nationalpark nur mit einem Shuttle-Bus von Torla aus zu erreichen (www.aragonactive.com/ordesa-national-park). In dem mittelalterlichen Bergstädtchen am Eingang des Parks liegt das familiärcharmante Hotel Bujaruelo (www.hotelbujarueloordesa. com, DZ ab 50 €).

Auf dem Gipfel
Um den höchsten Berg der Pyrenäen, den 3404 Meter hohen Pico de Aneto im Naturpark Posets-Maladeta, zu erklimmen, braucht man gute Kondition, Erfahrung und Steigeisen (die man zur Not vor Ort leihen kann). Aber auch die Wanderwege unterhalb des Gipfels bieten großartige Einblicke in die wilde Bergwelt der Hoch-Pyrenäen von Aragon.

Hinkommen und Schlafen:
Ein sehr guter Ausgangspunkt ist die ehemalige, zum Hotel umgebaute Bergstation Hospital de Benasque im gleichnamigen Ort (www.llanosdelhospital.com, DZ/F ab 71 €).

Über die Gipfel
Bergtouren für ambitionierte Wanderer bietet der Deutsche Alpenverein, darunter auch die Transpirenaica, die komplette Pyrenäendurchquerung vom Mittelmeer bis zum Atlantik, sowie Hochtouren, zum Beispiel auf den Pico de Aneto (www.dav-summit-club.de).

Anreise:
Flug nach Barcelona oder Girona. Von dort aus geht es mit einem Mietwagen oder Bus (www.alsa.es) z. B. nach La Guingueta d'Aneu oder Cellers.




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