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Nigeria: Der Stolz des kleinen Volkes
Die Sprache der Okuro ist eine von mehr als 400, die in Nigeria gesprochen werden - von nur 20.000 Menschen. Eine Schrift haben Sie nie gehabt. Ein afrikanischer Linguist und ein Lehrersohn veruschen nun, der Gemeinschaft das Lesen und Schreiben in ihrer Sprache beizubringen - um deren Kultur zu retten. Mit Videos
Sie hat den sanftesten Blick und die reinste Stimme, sie hat beim Tanzen die größte Anmut gezeigt, und doch bahnt sich Streit an, ob der 19-jährigen Tibile Fadipe der Titel der schönsten Jungfrau der Stadt gebührt. Tibile trägt das falsche Kleid. Die Jury, die sich auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums von Ogori berät, besteht aus zwei einheimischen Frauen und einem auswärtigen Mann - Joseph Atoyebi. Er fühlt sich überfordert und ist ratlos: Von der Kleidervorschrift hört er in diesen Minuten zum ersten Mal. Atoyebi fragt sich: Worauf kommt es hier eigentlich an? Warum ist das Kleid so wichtig?
Das Festival der Jungfrauen
Schon der Ruf in die Jury beim Ovia-Osese-Festival hat ihn überrascht. Gewöhnlich nimmt er nur die Rolle des Beobachters ein, des Zuhörers. Er sammelt Dialoge, Lieder, Geschichten, um sie dann in Sätze zu zerlegen, die Sätze in Wörter zu gliedern und die Wörter in Morpheme und Phoneme. Eine abstrakte sprachwissenschaftliche Arbeit. Ovia Osese, das jährliche Festival der Jungfrauen, ist für Atoyebi vor allem eine Gelegenheit, seinen Datenbestand aufzustocken für seine Doktorarbeit über die Sprache der Okuro in Nigeria. Eine der noch unerforschten Sprachen der Welt. Dafür hat man ihn trainiert, in Deutschland, am mehr als 4500 Kilometer entfernten Max-Planck-Institutfür evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
Jede Kultur und Sprache ist einzigartig
Linguisten nähern sich einer unbeschriebenen Sprache nach einem standardisierten Verfahren. Mit Listen von Wörtern etwa, die wahrscheinlich in allen Sprachen der Welt vorkommen - Vater, Mutter, Kind. Doch auf einen speziellen Moment wie diesen beim Ovia-Osese-Festival in einem abgelegenen Ort namens Ogori in Nigeria hat Joseph Atoyebi niemand vorbereitet: Wenn die Zeit des Beobachtens vorbei ist. Wenn ein Linguist beginnt, ein Mitspieler in der Geschichte einer fremden Kultur zu werden, für die es keinen standardisierten Fragebogen gibt - weil jede Kultur und Sprache einzigartig ist.
Ogori ist ein Flecken von überschaubarer Größe, ein viertelstündiger Fußmarsch trennt das Gemeindezentrum von Atoyebis Unterkunft, dem "Meka Guest House", einem einstöckigen Bau in einer Seitenstraße. Das Festival hat am Morgen um zehn Uhr mit dem Singen der nigerianischen Nationalhymne begonnen, anschließend heben die Zuschauer zur Hymne ihrer Gemeinde an. "Wohin es mich im Leben auch verschlägt", heißt es darin auf Oko, "ich werde niemals meine Heimat vergessen: Ogori."
Auf Anhieb ist schwer zu sagen, was Ogori für seine rund 20.000 Bürger so unvergesslich machen könnte. Gewiss nicht sein Gemeindezentrum. Ein Rohbau. Seit Jahren ruhen die Arbeiten. Die Eisenfenster haben bereits Rost angesetzt, das Dach fehlt. Der Rest der Kleinstadt sieht kaum besser aus. Bauruinen, Müllhaufen, dazwischen hungrige Ziegen. Folgt man der staubigen Straße, die aus Ogori hinausführt, stößt man nach wenigen Kilometern auf das nächste Dorf, die nächsten halb fertigen Hütten, mehr Müll und mehr Ziegen. Nur Oko wird man dort nicht hören, und keine zweite Region in Nigeria finden, in der man Ovia Osese feiert.
Die Zahl der Grußworte entscheidet über die Bedeutung eines Ereignisses
Wie jedes Jahr haben sich Tausende von Zuschauern auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums versammelt. Vorn, in den ersten Reihen, sitzen die Oberen des Dorfes in zerschlissenen Sesseln und Sofas und trinken Palmwein aus Kokosnussschalen - der Tag wird heiß werden. Und lang. Für die fünf, sechs Stunden vor dem Auftritt der Jungfrauen sieht das Festprogramm neben Tänzen und Aufmärschen zahlreicher Traditionsgruppen vor allem eines vor: Reden. Der Schirmherr, der lokale Kulturbeauftragte, der Gouverneur des Bundesstaates Kogi, ein muslimischer Geistlicher, ein christlicher, verschiedene Ehrengäste: An der Zahl der Grußworte misst sich in Afrika die Bedeutung eines Ereignisses.







Kommentare zu "Nigeria: Der Stolz des kleinen Volkes"
Um mal etwas zu den ersten beiden Kommentaren zu sagen: Oko ist eine SPRACHE und kein Dialekt. Viele Nigerianer können sich nur über die Amtssprache Englisch verständigen!!! Mensch, das es einfach immernoch zuviele Kulturbanausen auf dieser Erde gibt, die das nicht raffen. Ich verstehe komischerweise SEHR GUT was Du geschrieben hast, ohne Übersetzung, ein Freund von mir ist "Pälzer", auch wenn das nicht in Hessen liegt, hören sich doch die Süddeutschländischen Dialekte ähnlich an, wenn man denen vertraut ist. Und wenn Du meinst man sollte den Butzbacher Dialekt übersetzen, dann studiere Linguistik und tu was anstatt hier GEO mit extrem unlustigen Kommentaren zu füllen. Liebste Grüße, Nigeria-Fan Este
Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von den Äußerungen meiner Schwester Anneliese. Sie spricht nicht im Namen unserer Familie, sondern ausschließlich für sich selbst. Nach ein paar Äppelwoi schreibt sie öfters mal derartigen Mumpitz an irgendwelche Websites. Mann sollte das nicht allzu ernst nehmen. MfG Ronald Demon, Hoch-Weisel
Na Herr Yak Wal, haste inzwischen fertig gelesen? Und dann vielleicht auch eingesehen, dass es zwischen Hessen und Nigeria doch noch ein paar mehr Unterschiede gibt als die Hautfarbe und die Ölvorräte? Und sollte GEO uns dann nicht mal schleunigst einen Linguisten schicken, um unseren wunderschönen Wärreraher Dialekt zu erforschen, zu dokumentieren und vor dem Aussterben zu bewahren? Hier mal ein Beispiel unserer autochthonen Lyrik: Säjsdde net die Säu im Gadde, säjsdde wäj se woile, wäj se däjve Löcher grawe in de gähle Roiwe? Spitz komm erahs un bahß se in de Bah Däj Mistgeburde robbe mer de Roiwe Kurz un klah! Siehst du nicht die Säue im Garten, Siehst du, wie sie wühlen, Wie sie tiefe Löcher graben In den gelben Rüben? Spitz komm heraus und beiß sie in die Beine, Die Mißgeburten rupfen mir die Rüben Kurz und kleine. Ich finde, wenn Oko der Nachwelt überliefert werden soll, dann steht UNS DAS auch zu.
„Jede Kultur und Sprache ist einzigartig, und die Zahl der Grußworte entscheidet über die Bedeutung eines Ereignisses.“ Um DAS rauszufinden, hätte man nicht nach Afrika reisen müssen, denn das ist in meiner Heimatstadt Butzbach / Hessen nicht anders. Die Sprachen von Hoch-Weisel (4 km entfernt) oder Münster (7 km entfernt) versteht dort auch kein Mensch. Und das bedeutendste Ereignis der letzten Jahre war die gludernde Loht der Rede von Herrn Stoiber auf unserem historischen Marktplatz während des letzten Bundestagswahlkampfs, der eine nahezu endlose Reihe von Grußworten vorausging. (PS: Er sagte u.a., die 68er hätten „alles kaputtgemacht“, und dann brüllte in meiner unmittelbaren Nachbarschaft jemand: „HIER SIND AUCH WELCHE!“ Der hat m.E. die ganze Stimmung kaputt gemacht. Vielleicht erfahre ich ja auf den folgenden 3 Seiten, die ich noch nicht gelesen habe, noch, ob es in Ogori auch solche Provinz-68er gibt, oder zumindest was Ähnliches.)