Hauptspalte:
Nobelpreis: Nobelpreis für Ellen Johnson-Sirleaf
Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Präsidentin Liberias. Vor zwei Jahren traf GEO-Redakteurin Gabriele Riedle die mutige Politikerin in der Hauptstadt Monrovia. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrer Reportage "Alles wieder auf Anfang" aus dem GEO Magazin Nr. 12/2009
Irgendwann hat fast jeder gegen jeden
gekämpft in diesem Land: Warlords
gegen Warlords, Rebellen gegen Rebellen,
Kindersoldaten gegen Kindersoldaten.
Bis zu 250 000 Menschen sind
gestorben in diesem Land mit nur knapp
3,5 Millionen Einwohnern, mehr als eine
Million versteckten sich im Regenwald
oder fanden Zuflucht in Lagern in anderen
Ländern der Region.
Seit 2003 jedoch sind UN-Friedenstruppen
im Land. Ein internationales
Kontingent von zunächst 16 000 Blauhelmen,
einer der größten Einsätze in der
Geschichte der Vereinten Nationen, auf
einem vergleichsweise kleinen Staatsgebiet,
in dem fast nichts ist außer Buschwerk
und tropischem Regenwald.
Inzwischen steht auch Charles Taylor,
der ehemalige Präsident und gleichzeitig
der mächtigste der Warlords, in Den
Haag vor einem internationalen Strafgericht,
wegen Kriegsverbrechen und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Und es hat einen politischen Neuanfang
gegeben. Im Jahr 2006, als die Präsidentin
Ellen Johnson-Sirleaf ihr Amt
antrat, die erste gewählte Frau an der
Spitze eines afrikanischen Staates.
Ellen Johnson-Sirleaf,
die Inkarnation der neuen Zeit und letztlich
auch der alten. Sie ist die
Chefin hier. Sie ist die Macht. Sie ist die
Autorität.
Afrika liebt seine Autoritäten von alters
her, ja, sagt die Präsidentin, das ist
ein Teil unserer Geschichte. Einst die
Stammesführer, danach die Despoten.

Kartenansicht wird
geladen ...
Ein Big Man löste den anderen ab, und
sie übertrafen einander in ihrer Grausamkeit
und ihrer Gier, und immer war
die Macht in einer einzigen Person konzentriert.
Das, sagt die Präsidentin, werde
sich nun ändern. Hoffentlich, schickt
sie hinterher.
Vorerst jedoch wird sie diese Rolle der
Starken spielen. Ma Ellen, wie die Leute
sie nennen, eine Art Big Man in Frauengestalt.
Sie soll sagen, wo es langgeht.
Ihr Konterfei prangt auf den Hüfttüchern
der Frauen, und Massen von
Menschen umringen sie, wenn sie auf
ihren vielen Touren durchs Land immer
wieder aus ihrem Geländewagen mit
dem Staatswappen steigt, über einen
kleinen, mit rotem Samt bezogenen Trittschemel.
Dann verteilt sie hart gekochte
Eier und Kekse, vor allem an die Kinder,
und zudem sagt sie mahnende Worte
darüber, wie wichtig das Lernen sei und
wie wichtig die Disziplin, während sie
den Erwachsenen einschärft, dass es Zeit sei, sich anzustrengen, jeden Tag und bei
allem, was sie begännen.
So erleben wir sie auch im Fußballstadion
von Monrovia, wo sie vor 2437 Studenten
spricht, die ihr Examen feierlich
begehen. Mit dem Halleluja von Händel
aus der Nordkurve und in schwarzen Talaren
in der schlimmsten Mittagshitze,
die größte Studienabschlusszeremonie,
die es je gegeben hat in Liberia.
Es ist die erste seit 1990, und alle sind
da, die durchgehalten haben in Krieg,
Armut und Leiden. So wendet sich die
Präsidentin an jene, die womöglich ein
ganzes Jahrzehnt benötigten, um eine
einzige Prüfung abzulegen, und auch an
die, die einst Kombattanten waren und
nun wieder produktive Mitglieder der
Gesellschaft seien und auf die nun alle
stolz sein sollten.


Kommentare zu "Nobelpreis für Ellen Johnson-Sirleaf"
Hallo, ich finde, der Friedensnobelpreis fuer die erste weibliche Praesidentin Afrikas haette besseres verdient als eine 2 Jahre alte Reportage. Wie waere es mit einem aktuellen Bericht ueber Liberia heute und vor 4 Jahren als Frau Johnson- Sirleaf das Praesidentenamt uebenommen hat? Ein Bericht ueber die gerade friedlich stattgefundenen Wahlen waere auch interessant!
eine große Frau mit großem Hut!