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GEO Magazin Nr. 12/09 Seite 1 von 2


GEO Magazin Nr. 12/09 - Geschenkt! Warum es klug ist, großzügig zu sein - Heft vergriffen - › Abonnieren

Nobelpreis: Nobelpreis für Ellen Johnson-Sirleaf

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Präsidentin Liberias. Vor zwei Jahren traf GEO-Redakteurin Gabriele Riedle die mutige Politikerin in der Hauptstadt Monrovia. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrer Reportage "Alles wieder auf Anfang" aus dem GEO Magazin Nr. 12/2009

Text von Gabriele Riedle

Irgendwann hat fast jeder gegen jeden gekämpft in diesem Land: Warlords gegen Warlords, Rebellen gegen Rebellen, Kindersoldaten gegen Kindersoldaten. Bis zu 250 000 Menschen sind gestorben in diesem Land mit nur knapp 3,5 Millionen Einwohnern, mehr als eine Million versteckten sich im Regenwald oder fanden Zuflucht in Lagern in anderen Ländern der Region.

Seit 2003 jedoch sind UN-Friedenstruppen im Land. Ein internationales Kontingent von zunächst 16 000 Blauhelmen, einer der größten Einsätze in der Geschichte der Vereinten Nationen, auf einem vergleichsweise kleinen Staatsgebiet, in dem fast nichts ist außer Buschwerk und tropischem Regenwald.


Starke Frau: Ellen Johnson-Sirleaf, erste Präsidentin eines afrikanischen Staates (Foto von: Riccardo De Luca / dpa-Report)
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Starke Frau: Ellen Johnson-Sirleaf, erste Präsidentin eines afrikanischen Staates

Inzwischen steht auch Charles Taylor, der ehemalige Präsident und gleichzeitig der mächtigste der Warlords, in Den Haag vor einem internationalen Strafgericht, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und es hat einen politischen Neuanfang gegeben. Im Jahr 2006, als die Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf ihr Amt antrat, die erste gewählte Frau an der Spitze eines afrikanischen Staates.

Ellen Johnson-Sirleaf, die Inkarnation der neuen Zeit und letztlich auch der alten. Sie ist die Chefin hier. Sie ist die Macht. Sie ist die Autorität. Afrika liebt seine Autoritäten von alters her, ja, sagt die Präsidentin, das ist ein Teil unserer Geschichte. Einst die Stammesführer, danach die Despoten.



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Ein Big Man löste den anderen ab, und sie übertrafen einander in ihrer Grausamkeit und ihrer Gier, und immer war die Macht in einer einzigen Person konzentriert. Das, sagt die Präsidentin, werde sich nun ändern. Hoffentlich, schickt sie hinterher.

Vorerst jedoch wird sie diese Rolle der Starken spielen. Ma Ellen, wie die Leute sie nennen, eine Art Big Man in Frauengestalt. Sie soll sagen, wo es langgeht. Ihr Konterfei prangt auf den Hüfttüchern der Frauen, und Massen von Menschen umringen sie, wenn sie auf ihren vielen Touren durchs Land immer wieder aus ihrem Geländewagen mit dem Staatswappen steigt, über einen kleinen, mit rotem Samt bezogenen Trittschemel.

Dann verteilt sie hart gekochte Eier und Kekse, vor allem an die Kinder, und zudem sagt sie mahnende Worte darüber, wie wichtig das Lernen sei und wie wichtig die Disziplin, während sie den Erwachsenen einschärft, dass es Zeit sei, sich anzustrengen, jeden Tag und bei allem, was sie begännen.

So erleben wir sie auch im Fußballstadion von Monrovia, wo sie vor 2437 Studenten spricht, die ihr Examen feierlich begehen. Mit dem Halleluja von Händel aus der Nordkurve und in schwarzen Talaren in der schlimmsten Mittagshitze, die größte Studienabschlusszeremonie, die es je gegeben hat in Liberia.

Es ist die erste seit 1990, und alle sind da, die durchgehalten haben in Krieg, Armut und Leiden. So wendet sich die Präsidentin an jene, die womöglich ein ganzes Jahrzehnt benötigten, um eine einzige Prüfung abzulegen, und auch an die, die einst Kombattanten waren und nun wieder produktive Mitglieder der Gesellschaft seien und auf die nun alle stolz sein sollten.



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Kommentare zu "Nobelpreis für Ellen Johnson-Sirleaf"

Luidi | 18.10.2011 11:46

Hallo, ich finde, der Friedensnobelpreis fuer die erste weibliche Praesidentin Afrikas haette besseres verdient als eine 2 Jahre alte Reportage. Wie waere es mit einem aktuellen Bericht ueber Liberia heute und vor 4 Jahren als Frau Johnson- Sirleaf das Praesidentenamt uebenommen hat? Ein Bericht ueber die gerade friedlich stattgefundenen Wahlen waere auch interessant! Beitrag melden!

Idi Amin | 11.10.2011 23:40

eine große Frau mit großem Hut! Beitrag melden!

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