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Guatemala: Riten und Rätsel der Maya

Sie waren einzigartige Architekten und brillante Astronomen. Ihre Zivilisation fasziniert bis heute. Unser Autor Jürgen Schaefer reiste auf ihren Spuren durch Guatemala, besuchte ihre Ruinenstädte im Regenwald - und begegnete einer überaus lebendigen Kultur


Tikal, eine der untergegangenen Maya-Städte im Dschungel (Foto von: Frederic Lagrange)
© Frederic Lagrange
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Tikal, eine der untergegangenen Maya-Städte im Dschungel

Die rote Kerze flackert, Avelino legt seine Stirn in Falten. Er senkt die Adlernase, betet inniger. Die rote Kerze steht für Blut, für das Leben; wenn sie verlöscht, droht Unheil. Die Marimbaspieler schlagen seit einer halben Stunde die immer gleiche Melodie, und kein Mensch in der rußdunklen Hütte hat ein Wort gesprochen, seit Avelino angefangen hat zu beten. Sechs Kerzen bilden einen Kreis um die Opfergaben aus buntem Mais: die blutrote Kerze und die grüne, die Mutter Erde symbolisiert; die blaue für den Schöpfer, das Herz des Himmels; die gelbe für die unerfüllten Wünsche; die weiße für die Luft, die wir atmen; und die schwarze, die alles Unheil verbrennen soll und die deswegen als erste verlöschen muss.

Das stolze Volk ist Geschichte
Während die Kerzen noch brennen, tapsen sechs Frauen aus dem Dorf barfuß um den Opferkreis und schwenken tönerne Weihrauchgefäße. Dreimal gehen sie im Kreis herum, dann hinaus aus der Hütte in die Nacht. Sie wollen die Geister einladen. Die Herren der belebten und unbelebten Natur sollen sehen, welche Mühe sich Avelino gemacht hat. Am frühen Morgen hatte er im Regenwald Blüten gesammelt für den Gottesdienst. "Seit zweitausend Jahren bitten wir Maya mit diesem Ritual um Schutz vor den Gefahren des Waldes, vor dem Jaguar", sagt Avelino. "Das ist unsere Verbindung zu den Vorfahren. Zum mächtigsten und stolzesten Volk, das je in diesen Wäldern gelebt hat", erklärt er und bläst die schwarze Kerze aus.


Jedes Dorf hat eigene Muster; diese Frau trägt die Tracht von Santa Catarina Palopó (Foto von: Frederic Lagrange)
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Jedes Dorf hat eigene Muster; diese Frau trägt die Tracht von Santa Catarina Palopó

Das stolze Volk ist Geschichte. Mehr als ein Jahrtausend lang beherrschten die Maya die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Als die übrigen Einwohner des Kontinents in Hütten und Zelten hausten, bauten die Maya Pyramiden, Paläste und große Städte. Bis ihre Hochkultur vor tausend Jahren innerhalb weniger Jahrzehnte unterging, die Gottkönige verschwanden, der Wald ihre Tempel überwucherte. Das mysteriöse Volk im Regenwald fasziniert bis heute. Hunderttausende Reisende zieht es auf den Spuren der Maya jedes Jahr nach Mexiko und Guatemala. Auf der Halbinsel Yucatán lassen sich die Spuren von zwei Jahrtausenden Maya-Geschichte nachvollziehen - von der Museumsstadt Tulúm, die über dem türkisfarbenen Karibikmeer thront, zu den versunkenen, tief im Regenwald verborgenen Metropolen Tikal und Palenque bis zum bunten Altiplano Guatemalas, dem Hochland, wo die meisten der heute rund sieben Millionen Maya siedeln.



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