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Gaborone: Botswanas reiche Metropole

Gaborone in Botswana hat sich vom Dorf zur reichen Metropole entwickelt. Krimi-Fans kennen die Stadt durch die fiktive Detektivin Mma Ramotswe, Hauptfigur einer bekannten Krimi-Reihe. Eine Spurensuche vor Ort

Text von Maik Brandenburg

Es ist eine Frau, wegen der ich nach Gaborone gekommen bin: Precious Ramotswe, Ende dreißig und traditionell gebaut, wie es hier heißt. Man könnte auch sagen – eher dick. Wie alle Frauen Botswanas wird sie respektvoll mit "Mma" angesprochen, langes "M", kurzes "a". Mma Ramotswe besitzt einen kleinen Lieferwagen und eine Wohnung in der Stadt. Sie mag keine übertriebene Eile und ebenso wenig die "bohnenstangenartigen Wesen aus der Werbung". Dafür hält sie viel von gegenseitiger Achtung, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft – kurz: von botho, den alten botswanischen Werten. Mma Ramotswe ist die Chefin der einzigen Detektei des Landes, der "No. 1 Ladies’ Detective Agency". Es sind keine spektakulären Fälle, die sie untersucht. Das Böse tarnt sich ihr gegenüber als untreuer Ehemann, gierige Haushälterin oder Dieb; als Mensch eben, dem es an botho mangelt.


Blick vom Kgale Hill, mit 1249 Metern der höchste Punkt Gaborones (Foto von: Matthias Ziegler)
© Matthias Ziegler
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Blick vom Kgale Hill, mit 1249 Metern der höchste Punkt Gaborones

Natürlich war mir vor meiner Abreise klar, dass ich Mma Ramotswe nicht begegnen würde – sie und ihre Detektei entspringen der Fantasie des schottischen Schriftstellers Alexander McCall Smith, der lange in Botswana gelebt hat. Bereits in neun Bänden ermittelt seine Detektivin, mit weltweitem Erfolg. Aber mag die Figur auch erfunden sein, die Stadt, in der sie leben und arbeiten soll, ist es nicht. Und auf sie hatte ich Lust bekommen. Auf das Gaborone, in dem junge Frauen um den Titel "Miss Viehwirtschaft" kämpfen, während die älteren auf der Straße palavern, als seien sie "noch im Busch unterwegs".


Botswanisches Gewerbegebiet: In der Main Mall ist das Warenangebot groß, nur die Kunden sind am frühen Abend Mangelware  (Foto von: Matthias Ziegler)
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Botswanisches Gewerbegebiet: In der Main Mall ist das Warenangebot groß, nur die Kunden sind am frühen Abend Mangelware

Auf das Gaborone, wo "der Holzrauch morgendlicher Feuer den Appetit anregt". Und das "von Kuhglocken aus dem Radio" geweckt wird. ch bin am frühen Morgen angekommen, und tatsächlich sehe ich die erste Kuh bereits auf der Fahrt vom Flughafen. Doch etwas irritiert mich: die riesige Glasfassade der "Diamond Trading Company Botswana", in der sich das Tier mit großen Augen spiegelt. Ein Zaun hält es allerdings davon ab, über den akkurat gestutzten Rasen zu spazieren. Aber Gaborone ist kein Kuhdorf. Schnell wird klar: Es ist eine moderne afrikanische Metropole. Auf den asphaltierten Straßen fahren große Autos, keines älter als zwei Euter, schätze ich – nicht älter also als acht Jahre.

In Zitzen und Eutern zählte man hier, als die nach dem Stammeshäuptling Kgosi Gaborone benannte Stadt noch eine Bahnstation an der Grenze zu Südafrika war. Erst 1966 wurde das 1000-Seelen-Dorf Regierungssitz, hauptsächlich, weil hier die Versorgung mit Wasser sicher erschien. Aber dann, nur ein Jahr später, entdeckten Prospektoren Diamanten im Norden des Landes, und Gaborone entwickelte sich zu einer der am schnellsten wachsenden Hauptstädte der Welt. Wo die Planer einst mit 20 000 Einwohnern rechneten, leben rund vier Jahrzehnte später zehnmal so viele.

Sie arbeiten in glänzenden Bürotürmen und Einkaufszentren. In rasantem Tempo sind Bauten wie "The Square" oder "Kgale Mall" entstanden. Eine nicht unbedingt schöne, aber beeindruckende Welt aus Glas und Granit, marmornen Portalen und hallengroßen Lobbys. Finanzdienstleister haben sich in ihr eingerichtet, Konferenzmanager, Behörden, internationale Organisationen. Wer Bonn oder Brasilia mag, wird Gaborone lieben.

Aber noch immer liegt zwischen den Gebäuden einer der kostbarsten Rohstoffe – unberührtes Land. Fast verschwenderisch wird mit ihm umgegangen, grenzen bebaute Grundstücke an riesige überwucherte Flächen. So wächst Gaborone wie ein Flickenteppich in die Breite, und nichts wirkt maßlos oder gar erdrückend. Wie eine optische Täuschung staucht der Himmel selbst 20 Stockwerke hohe Türme auf weitaus bescheidenere Höhe.


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