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Städtereise: Städtereise: Liverpool
Eine Telefonzelle in der Kathedrale, Toastbrote im Museum und Salsa unterm Hirschgeweih: eine Magical-Mystery-Tour durch die westenglische Hafenstadt. Garantiert ohne Beatles!
Hinhören
Scousers nennen sich
die Liverpooler - nach einem Eintopf aus
Lamm, Kartoffeln und Möhren. Scouse
heißt auch ihr Dialekt, der so abgehackt
und verwaschen klingt, als sprächen
sie mit vollem Mund. Nach ein, zwei Tagen
Hörprobe hat man sich dran gewöhnt
und versteht bisweilen sogar den
derb-schwarzen Scouser-Humor.
Ansehen
Liverpool Cathedral,
die größte Kirche des Vereinigten Königreichs
mit bestem Turmblick über die
Stadt und einer roten Telefonzelle drin -
weil sie vom Architekten Giles Scott
während der Bauzeit des Gotteshauses erfunden
wurde. Der grimmige Jesus
mit der Bodybuilderfigur überm Portal
hat übrigens den Spitznamen "Frinkenstein"
– nach seiner Schöpferin Elizabeth
Frink (Saint James’ Mount, www.liverpoolcathedral.org.uk ). Auf die Three
Graces hingegen ist man stolz, die
drei Grazien sind Prunkpaläste am Mersey-Ufer,
eine Breitbild-Erinnerungs-Fassade
an Liverpools Zeit als einer der wichtigsten
Häfen der Welt (Pier Head). Die
Arkaden entlang der einstigen Speicher der
Albert Docks sind heute Laufstege
für Spaziergänger - und die Schuppen
neue Heimat von Restaurants und Bars,
Museen und Galerien. Das Slavery Museum
zeigt, wie Liverpool im 18. Jahrhundert
im afro-karibisch-englischen Dreieckshandel
mit Baumwolle und Sklaven
reich wurde. Etwa weil "Happy", der
Schmied, als Sonderangebot zu haben
war: für 400 Pfund (Albert Dock, www.liverpoolmuseums.org.uk ). Gleich nebenan,
in der Tate Gallery, der Beweis:
Auch Monumental-Verpacker Christo
fing mal klein an, 1959 mit zwei eingewickelten
Farbdosen. Zu der Sammlung
moderner Kunst gehören auch Dalís Hummer-Telefon und Antony Gormlys
Hommage ans britische Frühstück: eine
Matratze aus mehr als 8000 Scheiben
Toastbrot (Albert Dock, www.tate.org.uk ).
Kunst gucken kann man in Liverpool
meist gratis, so auch Ölgemälde von
Rembrandt und Rubens in der Walker Art
Gallery (William Brown Street, www.liverpoolmuseums.org.uk ). Pflicht ist Ferry
Cross the Mersey: Die Flusstrips bieten
ein einmaliges City-Panorama und den
gleichnamigen Sehnsuchts-Song von
Gerry Marsden (ab Pier Head, www.merseyferries.co.uk ). Der singt übrigens
auch die zweite Stadt-Hymne, "You'll
never walk alone", die bei jedem FC-Heimspiel
ertönt. Liverpools Sound geht
auch ohne Beatles gut ins Ohr.
Essen und Trinken
Karierte Plastiktischdecken
und Blumenteller an der
Wand - trotz Kantinencharme bietet
Maggie May's Café besten Scouse-Eintopf
(Bold St. 90, Tel. 0044-151-709 76 00).
60 Hope Street: Der Name ist schlicht,
nämlich die Adresse des Restaurants,
das Interieur im Großbürger-Kaminzimmer
dafür edel. Hier werden Shrimps Medaillons an handmodellierten Kartoffelsalat-Türmchen und Entenbrust auf
Schiefertafeln serviert (Tel. 0044-151-
707 60 60, www.60hopestreet.com ).
Deftige
Scouser-Comedy zum Real Ale oder
Stout gibt’s im Slaughter House Pub (Fenwick
St. 15, www.laughterhousecomedy.com ).
Salsa tanzende Bikini-Mädchen auf
dem Altar, im Längsschiff eine Bar unter
Hirschgeweih-Lüstern: der coole Club Alma
de Cuba in der St. Peter's Church
(Seel St. 90, www.alma-de-cuba.com ).
Wohnen
Eine alte Kutschenfabrik
im venezianischen Palazzo-Stil, gestylt mit
warmen Hölzern: Das Hope Street Hotel
liegt in einer der schönsten Straßen (Hope
St. 40, Tel. 0044-151-709 30 00, www.hopestreethotel.co.uk ; DZ ab 140 Euro).
Mittelklasse
und individuell? Das Hotel Indigo im ehemaligen Baumwollhandelsviertel.
Der Stoff zieht sich thematisch
durchs Haus, bis hin zum "Cotton Candy-
Cocktail" (Chapel St. 10, Tel. 0044-151-
559 01 11, www.hotelindigoliverpool.com ; DZ
ab 100 Euro).
Preiswert und mitten in der
Partyzone: Das Base2Stay im top renovierten
Rotklinker-Lagerhaus. Kein Frühstücksraum,
dafür kommen Müsli, Milch
und Brot in Papiertüten aufs Zimmer
(Seel St. 29, Tel. 0044-151-705 26 26, www.base2stayliverpool.com ; DZ ab 70 Euro). An
Heimspiel-Wochenenden gilt übrigens in
allen Hotels: Höchstpreise! Denn FC-Liverpool-Fans rücken aus ganz Europa zu
den Spielen an.
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