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Endstation Diskobucht: Grönland mit dem Küstenschiff entdecken

Wer entlang der grönländischen Westküste mit dem Küstenschiff "Sarfaq Ittuk" nordwärts schippert, erlebt eine oscarreife Reise: mit epischen Bildern, rührenden Szenen und einem bombastischen Finale

Text von Jan Henne
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Der erste Morgen an Bord
© Jan Henne
Der erste Morgen an Bord
Mütze auf, Kamera gegriffen und raus aufs Deck! Der erste Blick aus dem Fenster meiner Kajüte fasziniert mich derart, dass ich ohne auch nur einen flüchtigen Blick in den Spiegel, hinaus stürme. Was für ein Erwachen. Bei Dunkelheit war ich am Vorabend in Grönlands verregneter Hauptstadt Nuuk an Bord des Küstenschiffs "Sarfaq Ittuk" gegangen. Nun blinzelt blauer Himmel durch das Grau des Morgens. Schroffe Felsen an denen sich Gräser und Flechten festkrallen ziehen vorbei. Manche erinnern an eine raue Version des Zuckerhutes. Gegen Mittag sprenkeln die bunten Häuser von Kangaamiut (Foto) die oliv-graue Landschaft. Etwa 300 Menschen bewohnen die Siedlung an der Mündung des Ewigkeitsfjords. Die fischreichen Gewässer liefern den Einheimischen hier seit Jahrhunderten Nahrung
Landgang in Sisimiut
© Jan Henne
Landgang in Sisimiut
Nachdem wir kurz hinter Kangaamiut den Polarkreis passiert haben, fährt die "Sarfaq Ittuk" am Abend in den Hafen von Sisimiut ein. Erstmals besteht eine Chance zum Landgang. Vom Hafen schwanke ich den Hang hinauf ins alte Kolonialzentrum. Das Ziel: die älteste Kirche des Landes. Obwohl Nuuk fast dreimal so viele Einwohner zählt, bezeichnen viele Grönländer den 5600-Seelen-Ort als größte Stadt der Insel. In Nuuk, so sagen sie, lebten ja fast nur Dänen. In vielerlei Hinsicht bietet Sisimiut mehr Ursprünglichkeit. Im sanften Licht der Abendsonne beobachte ich die Fütterung von Schlittenhunden – mitten im Stadtzentrum. Aus der Hauptstadt sind die Tiere längst verbannt worden
Waffen im Gepäck
© Jan Henne
Waffen im Gepäck
Die "Sarfaq Ittuk" wird von Touristen, zum überwiegenden Teil aber von Einheimischen genutzt. Da es in Grönland außer Orts kaum Straßen gibt, bleibt nur der See- oder Luftweg, um von einer Stadt in die andere zu gelangen. So lassen sich rührende Szenen beobachten, bevor das Küstenschiff gen Norden aufbricht: Ein junges Paar liegt sich zum Abschied Minuten lang in den Armen. Großeltern drücken ihre Enkel. Söhne verabschieden ihre Väter, die es zur Jagd fortzieht. Nicht selten befinden sich deshalb Gewehre im Gepäck der Passagiere
Eisberge voraus!
© Jan Henne
Eisberge voraus!
Was für ein Spektakel. Am dritten Tag auf See endet meine Fahrt mit dem Küstenschiff mit einem atemraubenden Naturschauspiel. Tausende Eisberge schieben sich durch die tiefblaue Diskobucht, die wir bei bestem Wetter erreichen. Manche sind so groß wie Einfamilienhäuser, andere wie Lagerhallen. Niemanden hält es mehr unter Deck, als uns der Kapitän vorbei an den Kolossen manövriert. Selbst die eiserprobten Grönländer lässt dieser Anblick nicht kalt. Manchmal übertreibt die Natur es fast mit ihrer Schönheit
Ankunft in Ilulissat
© Jan Henne
Ankunft in Ilulissat
Wir legen an im Hafen von Ilulissat. Es ist der nördlichste Ort, den die "Sarfaq Ittuk" ansteuert. Während ich die nächsten Tage hier - 380 Kilometer jenseits des Polarkreises - verbringe, nimmt das Schiff bald wieder Kurs Richtung Süden. Ilulissat, im Herzen der Diskobucht gelegen, hat es durch den Kinofilm "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" zu Weltruhm gebracht. Vom Tourismus leben dennoch nur wenige. Viele der Einheimischen arbeiten als Fischer – wie schon die Generationen vor ihnen. Ihren Fang verarbeiten sie direkt an Bord
Wandern zum Weltnaturerbe
© Jan Henne
Wandern zum Weltnaturerbe
Ein angelegter Holzpfad führt direkt hinab zum größten Highlight der Stadt: dem Ilulissat-Eisfjord. Das Knarren und Knarzen des berstenden Eises ist schon aus der Ferne zu vernehmen. Die größten Eisberge ragen bereits über die Felskante. Die Kolosse, die sich hier auftürmen, haben einen weite Reise hinter sich: Hunderte Kilometer entfernt setzt sich Eis im Inneren des Landes in Bewegung und wird hier ins Meer gepresst. Täglich fließen mehr als 40 Millionen Tonnen Eis vom Sermeq-Kujalleq-Gletscher bei Ilulissat in den Eisfjord
Flightseeing
© Jan Henne
Flightseeing
Eine andere Perspektive nimmt ein, wer sich Eisfjord und Gletscher von oben nähert – und bereit ist 2695 Kronen (gut 350 Euro) dafür auszugeben. Ein stolzer Preis, doch eine einzigartige Erfahrung: eine Stunde dauert mein Flug-Abenteuer, das ich in einer winzigen Maschine gemeinsam mit drei weiteren Reisenden antrete. Aus der Luft lassen sich die gewaltig Dimension noch viel besser erfassen. Rinnen und Risse im Eis erscheinen wie abstrakte Gemälde
Eisberge und Wale
© Jan Henne
Eisberge und Wale
Eine Tour mit besserem Preis-Leistung-Verhältnis startet im Hafen von Ilulissat: 995 Kronen (ca. 130 Euro) kostet die vierstündige Wal-Safari in der Diskobucht. Die Chance in diesen Gewässern tatsächlich Meeresriesen zu sichten, ist ausgezeichnet. Garantiert ist ein extrem nahes Erleben der Eisberge. Bevor ich gemeinsam mit acht weiteren Passagieren das kleine Schiff besteige, fällt mein Blick auf die aufgebockten Kutter am Kai. Die holprigen Fahrten durch den Eisfjord haben sie sichtlich gezeichnet
Ein Gänsehaut-Erlebnis
© Jan Henne
Ein Gänsehaut-Erlebnis
Ein Prusten durchbricht die Stille. Mit abgestelltem Motor treiben wir in einer eisfreien Bucht. Mein Blick wechselt ständig zwischen Wasser und Kapitän – wartend auf ein Zeichen. Dann höre ich die Säuger bevor ich sie sehe. Zwei Buckelwale tauchen nur wenige Meter vom Boot entfernt auf – erst Backbord, Minuten später noch einmal Steuerbord. Zum Abschluss dann das Fotomotiv: Einer der Riesen präsentiert seine Fluke, bevor die Tiere endgültig in den Tiefen verschwinden
Rückkehr bei Abendsonne
© Jan Henne
Rückkehr bei Abendsonne
Mit 34 Knoten schaukelt uns der 640-PS-Motor durch die Eisberge zurück nach Ilulissat. Selbst wenn wir keine Wale gesehen hätten, alleine für dieses rasante Erlebnis hätte sich der Ausflug gelohnt
Schwerer Abschied
© Jan Henne
Schwerer Abschied
Vor schönster Eisfjordkulisse warten direkt hinter dem "Hotel Arctic" die Schlittenhunde des Hotelbesitzers auf ihren nächsten Einsatz. In punkto Küche und Komfort gehört das Haus zu den besten Adressen der Stadt – umso schwerer fällt mein Abschied von diesem unwirklichen Ort am Ende der Welt
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