Hauptinhalt

GEO Magazin Nr. 11/11 Seite 4 von 4


In diese Falle sind viele afrikanische Staaten bereits während früherer Rohstoff-Booms geraten. Ausgerechnet das aber macht Paul Collier vorsichtig optimistisch: "Viele Afrikaner sagen: 'Nie wieder!' Sie wollen nicht ihre Rohstoffe plündern, sondern in die Zukunft investieren." Ob ihnen das gelingt, müsse sich in den nächsten Jahren zeigen. Sonst verpufft das Wirtschaftswachstum wie in früheren Superzyklen - und die Bevölkerungszahl wird zwischenzeitlich um viele weitere Millionen Menschen gestiegen sein, die kaum Chancen auf eine Lebensverbesserung haben. Ölförderung und Mineralienabbau schaffen kaum Arbeitsplätze. Das größte Potenzial für Afrika sieht Jorge Arbache von der Weltbank deshalb in der Landwirtschaft und einer weiterverarbeitenden Nahrungsmittelindustrie. Ein Gedanke, der angesichts der Hungerkatastrophe in Ostafrika irritieren mag. Doch andernorts liegt auf dem Kontinent viel Land brach. Anders als in den 1960er Jahren geht es heute nicht mehr um die Frage, ob sich alle Menschen ernähren lassen - sondern darum, wie die Ernten einer immer produktiveren Landwirtschaft auf der Welt verteilt werden; und zu welchen Preisen.


Asien hatte seine grüne Revolution, und auch in Arbaches Heimat Brasilien ist es gelungen, auf marginalen Böden gute Ernten einzufahren. Um die modernen Farmen herum sind dort in den vergangenen Jahren Service-Zentren gewachsen, mit zahlreichen Arbeitsplätzen in anderen Branchen. In Afrika fehlt es noch an so Grundsätzlichem wie Infrastruktur und Landbesitztiteln. "Wir werden die Antworten nicht über Nacht finden", sagt Arbache. "Aber wir müssen die Abwanderung ungebildeter Menschen in die Städte abbremsen oder ihnen zumindest genug Bildung mitgeben, damit sie dort Arbeit finden oder sich selbstständig machen können."

In den Metropolen wächst die Bevölkerung mehr als doppelt so schnell wie auf dem Land. Bis 2050 werden vermutlich 63 Prozent der Afrikaner in Städten leben. Und noch fehlen die Fabriken dort. Denn arbeitsintensive Branchen wie Textilindustrie oder Lederverarbeitung spielen in Afrika kaum eine Rolle. Der Anteil von Industrie und Fertigung an der Gesamtwirtschaft sinkt seit 1990 sogar, wie UN-Entwicklungsorganisationen beklagen. Gerade die Massenfertigung wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur demografischen Dividende: Sie schafft Arbeitsplätze für die vielen Menschen, die nicht länger bäuerlich leben wollen, aber bisher kaum gebildet sind.


Die Wirtschaft wächst rasant

So war es einst in Europa. So war es kürzlich in Asien. Aber Asien hatte nicht Asien als Konkurrenten. Und im Wettbewerb mit den Billiglohnländern in Fernost besteht Afrika nicht. "Noch nicht", glaubt Paul Collier. "In der nächsten Dekade werden die Lohnkosten in China steigen, dann hat Afrika die Chance, Massenfertigungen an sich zu ziehen." Vorausgesetzt, die Infrastruktur der Küstenstädte werde deutlich verbessert. Noch baut zum Beispiel China in Afrika vor allem Straßen, die zu den Rohstoffen führen - und errichtet seine neuen Fabriken lieber in Vietnam. Immerhin: Auch wenn Afrikaner noch vieles "Made in China" kaufen - der Konsum ist stark gestiegen.

Überall entstehen Banken, Fast-Food-Ketten, Internetcafés, in Uganda hat ein Shoppingcenter aufgemacht, in Ghana gar ein Showroom von Porsche. Jeder Dritte hat ein Handy, jeder Zehnte benutzt das Internet. Und die Afrikanische Entwicklungsbank beobachtet, dass zwischen Arm und Reich eine neue Klasse wächst: die "Mittelschicht". Ein Wort, das die Fantasie beflügelt: Eigenheim, Auto, Fernreisen. Allerdings beginnt die afrikanische Mittelschicht nach Definition der Entwicklungsbank erst einmal dort, wo andere die Armutsgrenze ziehen: bei einem Budget von zwei Dollar pro Person am Tag. Wer mehr als 20 Dollar täglich ausgeben kann, gilt schon als reich. Demnach zählt bereits ein Drittel der Bevölkerung Afrikas zur Mittelschicht. Rechnet man ab vier Dollar täglich, schrumpft der Anteil auf gut ein Zehntel.

Zumindest steigt die Zahl jener, deren Lebensbedingungen sich verbessern, die gebildet und vernetzt sind, die etwas Geld ausgeben können - die etwas zu verlieren haben. "Es geht nicht nur um eine Veränderung der Einkommensstruktur", sagt Paul Collier. "Die Menschen in der Stadt haben die Zukunft gesehen." Sie haben sich von der fatalistisch geprägten Vergangenheit verabschiedet und eine Vorstellung davon, wie das Leben sein könnte, sein sollte. Die Afrikanische Entwicklungsbank setzt daher darauf, dass mit der wachsenden Mittelschicht der Ruf nach besseren Regierungen lauter wird, nach geregelten Besitzrechten, öffentlichen Diensten - nach guten Institutionen. So könnte mancherorts tatsächlich eine neue, kraftvolle Generation zu einem Löwensprung ansetzen. Wo dieser aber der Weg mit den alten Hürden versperrt bleibt, droht den Machthabern noch immer die Explosion einer "Bevölkerungsbombe", wenn auch mit ganz neuen Bedeutungen: Arbeitslosigkeit, Aufstand, Gewalt.




Seite 4 von 4
1 - 2 - 3 - 4

Druckansicht   Artikel per E-Mail weiterempfehlen  Artikel kommentieren 

Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!

 fhdfh

So funktioniert der Empfehlen-Button von Facebook

Sie möchten den neuen Facebook Empfehlen-Button nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Infos zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses sog. Social Plugins erfolgt über Facebook, das betrieben wird durch Facebook Inc., 1601 S. California Ave, Palo Alto, CA 94304, USA. geo.de verwendet die von Facebook zur Verfügung gestellten Plugins an verschiedenen Stellen des Internetangebots.

Woran erkenne ich diese Plugins?

Die Plugins sind mit einem Facebook Logo oder dem Zusatz "Facebook Social Plugin" versehen und sind bei GEO.de nach dem Vorspann über oder unter dem Artikeltext platziert.

Was passiert auf Seiten, die das PlugIn eingebaut haben, mit meinen Daten?

Haben Sie ein Facebook-Konto und sind zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs bei GEO.de dort auch eingeloggt, stellt Ihr Browser automatisch eine Verbindung zu den Servern von Facebook her. Facebook kann sich so merken, dass Sie die entsprechende Seite aufgerufen haben

Ihr Seitenaufruf bei GEO.de wird nun Ihrem Facebook-Account zugeordnet. Facebook kann die Daten speichern und weiterverarbeiten (s.u., „Was macht Facebook mit meinen Daten?“)

Klicken Sie auf den Empfehlen-Button, wird diese Information von Ihrem Browser direkt an Facebook übermittelt und dort gespeichert

Generell gilt: wenn Sie nicht bei Facebook eingeloggt sind, oder keinen Facebook-Account haben, werden auch keine Daten übermittelt

Was macht Facebook mit meinen Daten?

Was genau Facebook mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzhinweisen des Sozialen Netzwerkes nachlesen: http://www.facebook.com/policy.php

Typische Anwendungsfälle sind: Ein Facebook-Nutzer liest auf GEO.de einen Artikel, den er seinen Freunden empfehlen möchte und klickt auf "Gefällt mir". Seine Freunde sehen den Link zu genau diesem Artikel auf Facebook. Die Freunde können nun wiederum selbst auf den Link klicken, den Artikel auf GEO.de lesen und den Artikel wiederum an ihre Freunde weiterempfehlen.

Dieses Beispiel ist aber nur exemplarisch zu verstehen, da sich Facebook vorbehält sein System ständig weiter zu entwickeln und über die Verwendung der Daten zu informieren.

Wie kann ich mein Facebook-Profil richtig einstellen?

Jeder User hat andere Bedürfnisse und wünscht sich andere Einstellungen. Die Kollegen von stern.de erklären Ihnen hier die Möglichkeiten, die das Soziale Netzwerk Ihnen zum Schutz Ihrer Privatsphäre bietet: » zum Artikel von stern.de

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz auf GEO.de erhalten Sie hier

Weitere Informationen zur Einschätzung des Themas "Facebook Social Plugins und Datenschutz" publizieren die Kollegen von stern.de regelmäßig auf stern.de (Extra "Soziale Netzwerke" von stern.de). Weitere Informationsquellen, für die GEO.de ebenfalls nicht verantwortlich zeichnet, sind u. a. folgende Blogs, die regelmäßig über die fortlaufende Entwicklung des Sozialen Netzwerkes berichten:

http://www.facebookbiz.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://facebookmarketing.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://www.schwindt-pr.com/ (nicht von Facebook betrieben)
http://blog.facebook.com/ (das offizielle Facebook-Blog)

Informationen zum Datenschutz in Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.
» zur Website des Bundesbeauftragten für Datenschutz


So funktioniert der +1-Button von Google

Sie möchten den +1-Button des sozialen Netzwerkes Google+ auf GEO.de nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses Buttons erfolgt über Google, das betrieben wird durch Google Inc., 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, United States („Google“)

Woran erkenne ich den +1-Button?

Der Button ist an dem Zeichen “+1? auf weißem oder farbigen Hintergrund erkennbar. GEO.de verwendet ihn über und/oder unter redaktionellen Beiträgen oder Beiträgen unserer Community.

Wenn Sie ihn anklicken, verändert sich die Farbe des Buttons von weiß zu blau. Zudem wird Ihnen die Gesamtzahl der bisher abgegebenen Empfehlungen angezeigt. Es kann vorkommen, dass Ihnen auch angezeigt wird, wer die Schaltfläche außer Ihnen noch benutzt hat. Ob und welchem Umfang Ihnen diese Informationen angezeigt werden, hängt von der Einstellung Ihres Profils und den Einstellungen Ihrer Kontakte in Google+ ab. Informationen, wie Sie diese Einstellungen steuern können, stellt Google hier zur Verfügung: http://www.google.com/support/+/bin/static.py?page=guide.cs&guide=1207011&answer=1152622

Was passiert auf Seiten, die den Button eingebaut haben, mit meinen Daten?

Haben Sie ein Google-Profil oder einen Google+-Account und sind zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs bei GEO.de dort eingeloggt, stellt Ihr Browser automatisch eine Verbindung zu den Servern von Google her. Google kann sich so merken, dass Sie die entsprechende Seite aufgerufen haben. Der Inhalt des +1-Buttons wird von Google direkt an Ihren Browser übermittelt und von diesem in die Website eingebunden. (s.u.: "Was macht Google mit meinen Daten?").

GEO.de hat keinen Einfluss auf den Umfang der Daten, die Google mit dem Button erhebt, geht jedoch davon aus, dass auch Ihre IP-Adresse mit erfasst wird.

Wenn Sie Google+-Mitglied sind und nicht möchten, dass Google über GEO.de Daten über Sie sammelt und mit Ihren bei Google gespeicherten Mitgliedsdaten verknüpft, müssen Sie sich vor Ihrem Besuch bei GEO.de bei Google+ ausloggen.

Was macht Google mit meinen Daten?

Google weist darauf hin, dass die Vergabe von +1 ein öffentlicher Vorgang ist, durch den jeder im Internet möglicherweise Inhalte sehen kann, denen Sie ein +1 gegeben haben. Sie können über Ihre Profil- und Account-Einstellungen steuern, wo, wem und in welchem Umfang Ihre Empfehlungen angezeigt werden. Die einzelnen Optionen erklärt Google hier:
http://www.google.com/support/+/bin/static.py?page=guide.cs&guide=1207011&answer=1047397

Was genau Google mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzbestimmungen des Unternehmens nachlesen: http://www.google.com/intl/de/+/policy/+1button.html

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz auf GEO.de erhalten Sie hier.

Unsere Kollegen von Stern.de informieren auch regelmäßig über die Entwicklungen bei Google+ – das Themen-Extra finden Sie hier.

Weitere Informationsquellen, für die GEO.de aber gleichfalls nicht verantwortlich zeichnet, sind u. a. folgende Blogs, die regelmäßig über die fortlaufende Entwicklung von Goolge+ berichten:

http://googleplusblog.de/ (nicht von Google betrieben)
http://gpluseins.de/ (nicht von Google betrieben)
http://gplusmarketing.de (nicht von Google betrieben)

Informationen zum Datenschutz im Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.


Mehr zu den Themen: Afrika, Demografie

Kommentare zu "Löwen vor dem Sprung?"

Dr. Thoralf Schleitz | 26.12.2011 10:41

Die Natur hat den Egoismus vor die Reproduktion gestellt. Es stellt sich die Frage, warum? Die einzig logische Erklärung scheint darin zu liegen, dass Individuen in unwirtlichen Verhältnissen einen selektiven Vorteil haben, wenn sie in erster Linie an sich selbst denken.Bemerkenswert und gegenüber dem restlichen Tierreich untypisch ist der Umstand, dass die Menschheit mit zunehmendem Wohlstand die Reproduktion vermindert. Es stellt sich die Frage, was aus dieser Erkenntnis abgeleitet werden kann? Offensichtlich sind die gesellschaftlichen Anreizsysteme für eine ausgeglichene demografische Entwicklung unzureichend*. Dies trifft sicherlich in erster Linie auf die ökonomische Situation von Familien mit mehreren Kindern zu. Wenn man also ernsthaft daran Interesse hat, dass in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden, so wird man nicht umhin kommen, sich sowohl ökonomisch als auch gesamtgesellschaftlich mit der Situation von Mehrkindfamilien auseinander zu setzen. Beitrag melden!

Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.