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GEO Special Nr. 01/2007 - Dubai, Emirate und Oman - Heft vergriffen - › Abonnieren

Aufgalopp eines Wundertieres

Ata Allah, Gottes Geschenk, wurden Kamele einst genannt und waren den Menschen am Golf überlebenswichtige Gefährten. Bis der Allzweck-Vierrad-Antrieb den Allzweck-Vierbein-Antrieb ersetzte und sie in Vergessenheit gerieten. Erst jetzt besinnen sich die Scheichs wieder auf ihr Nationalsymbol - was auch an einem deutschen Doktor liegt


Der Morgendunst liegt noch schwer über der Rennstrecke von Nad Al Sheba, eben erst hat sich die Sonne vom Horizont gelöst, da steuert Said Belarti seinen nagelneuen Lexus RX über den Sand. Die Augen des jungen Mannes, der das weiße Gewand der Golfaraber trägt, folgen einem Pulk zierlicher Kamele, die sich zwischen Hunderten anderer vor Dubais Skyline warm laufen. Welches von ihnen hat die beste Tagesform? Welches wirkt wach? Leichtfüßig genug?


Al hejin, die edlen Rennkamele, sprinten los. Ihre Besitzer folgen ihnen in schweren Geländewagen um das kilometerlange Rund (Foto von: Florian Wagner)
© Florian Wagner
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Al hejin, die edlen Rennkamele, sprinten los. Ihre Besitzer folgen ihnen in schweren Geländewagen um das kilometerlange Rund

Rennwagen der Wüste

Belarti macht sich Notizen, denn in wenigen Stunden wird sich zeigen, ob er gut gearbeitet hat: Am Nachmittag werden die schnellsten jungen Kamele der sieben Emirate gegeneinander antreten. Es sind die wichtigsten Rennen der frühen Saison. Vier Kilometer, die entscheiden, welche Tiere in den kommenden Monaten zwischen Abu Dhabi, Dubai, Qatar und Bahrain hin- und hergeflogen werden und im Namen ihrer Besitzer Ehre, Range Rover und Porsches gewinnen sollen. Said Belarti kennt sich aus in diesem Geschäft, er steckte noch in den Windeln, als ihn ein Kamel bereits zum Millionär machte: 1,5 Millionen Dirham (rund 310 000 Euro) zahlte Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan, der langjährige Präsident der VAE, für ein Tier, das Belarti von seinem Vater zum ersten Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Damals, Anfang der 1980er Jahre, die höchste Summe, die je für ein Kamel geflossen war. "Das änderte unser Leben", sagt Belarti, ohne den Blick von den Tieren zu nehmen. Und die Glückssträhne der Familie hielt an: Inzwischen trainieren Vater und Sohn einige der teuersten Stars, die der Herrscherfamilie von Dubai gehören. Einzelne von ihnen kosten dreimal so viel wie der Formel-1-Bolide von Michael Schumacher: zehn Millionen Euro.



AUDIO

GEO SPECIAL-Redakteurin Meike Kirsch besuchte die weltweit erste technisch ausgeklügelte Kamelmilchfarm in Dubai. Hier hören Sie Ihre Reportage (Foto von: Florian Wagner)
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GEO SPECIAL-Redakteurin Meike Kirsch besuchte die weltweit erste technisch ausgeklügelte Kamelmilchfarm in Dubai. Hier hören Sie Ihre Reportage
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Es sind zerbrechliche Tiere mit schmächtigen Körpern und langen, spinnenartigen Beinen. Die Hälse, an deren Enden zierliche Köpfe sitzen, haben sie weit nach vorn gereckt. Dick in Wolldecken gehüllt, fliegen sie über den tiefen Sand der Bahn; immer weiter getrieben, damit sie bloß ihr Gewicht halten. Denn in den Tagen vor dem Rennen hat jede ihrer Fütterungen einem Festbankett geglichen: Hafer, Weizen und Datteln wurden ihnen serviert, Eier und Ziegenmilch gemischt mit teurem wilden Honig sowie dicke Pfannkuchen aus dem Supermarkt. Die genaue Zusammensetzung des Futters hütet Said Belarti wie der Chef von Coca-Cola das Rezept seiner Brause. Deshalb auch umgeben hohe Zäune, manchmal gar steinerne Mauern die zahllosen Kamelcamps, die sich östlich der Rennbahn kilometerweit in die Wüste erstrecken. Denn Fütterung und hartes, tägliches Training sind alles, was der Mensch zum Sieg beitragen kann. "Der Rest kommt von Allah", sagt Belarti.



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