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Im Beiboot durch eine Caipirinha

Im Beiboot durch eine Caipirinha

In den frühen Morgenstunden fahren wir langsam durch die nach Adrien de Gerlache benannte Meerenge, 1897 kommandierte er die erste rein wissenschaftliche Expedition in antarktische Gewässer. An Bord seines Segelschiffs "Belgica" war auch Roald Amundsen, der später als Erster den Südpol erreichen sollte, sowie Schiffsarzt Frederick A. Cook, der später die Mannschaft vor dem Wahnsinn bewahrt hat. Wie einst Gerlaches Männer lassen auch wir unsere Augen über die massiven Konturen des antarktischen Festlandes wandern. Und über das Meer, durch das dicht an dicht kleinere Eisbrocken treiben, so genannte growler.


Am Strand von South Georgia Island recken Königspinguine die Hälse, betrachten das Schiff, das vor Salisbury Plain ankert (Foto von: Roland Gockel )
© Roland Gockel
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Am Strand von South Georgia Island recken Königspinguine die Hälse, betrachten das Schiff, das vor Salisbury Plain ankert

Vorsichtig schiebt sich die "Europa" vorwärts. Ein Matrose steht im Ausguck und dirigiert sie durch das Meer, es schimmert grün und ist mit Crunch-Eis bedeckt wie eine gewaltige Caipirinha. In Neko Harbour steigen wir in die Zodiacs. Größere Eisblöcke müssen wir mit unseren Paddeln wegschubsen. Zwei Seeleoparden stecken ihre Köpfe neben uns aus dem Wasser. Mit gehörigem Respekt vor den Jägern arbeiten wir uns voran. An Land werden wir von Eselspinguinen bestaunt. Ihre Küken trippeln tollpatschig aufs Meer zu, stürzen sich hinein und springen wieder an Land. Unser Dreimaster im Hintergrund sieht aus wie eingefroren. Bei dem Anblick denken wir erneut an die "Belgica". Das Schiff war 13 Monate im Eis eingeschlossen, zwei davon in totaler Finsternis. Ohne die von Cook verordnete Bewegung, Frischfleischdiät und Lichttherapie, wären die Männer durchgedreht.


In einer windstillen Bucht vor South Georgia Island essen die Passagiere an Deck zu Mittag  (Foto von: Roland Gockel )
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In einer windstillen Bucht vor South Georgia Island essen die Passagiere an Deck zu Mittag

Wir verbringen einen freundlichen Nachmittag in Paradise Bay, fahren mit den Zodiacs bis an einen der Gletscher, die hier vergleichsweise langsam kalben. Wir driften durch Eisberge aus deren Innerem es intensiv blau leuchtet. Tjalling sagt: "Blau ist die wahre Farbe des Eises. Das Eis wird durch den massiven Druck so stark komprimiert, dass es das Licht in seiner echten Farbe reflektiert – und die ist blau." Es zischt und brodelt um uns herum. Das Eis bewegt sich, tanzt auf den Wellen, stößt dumpf rumpelnd aneinander, bricht, taut, verschwindet, Jahrhunderte verschmelzen mit dem antarktischen Meer.



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Mehr zu den Themen: Antarktis, Segeln, Pinguine

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Kommentare zu "Antarktis: Unter Segeln zum Südpol"

Sven | 18.01.2014 15:44

Dieser Reisebericht ist nun inzwischen 5 Jahre alt. Einen aktuellen und ausführlichen Reisebericht mit zahlreichen Bildern zu den Antarktistörns der Bark Europa (und vieles mehr) findet man auf dem Infoportal Antarktissegeln.de. Beitrag melden!


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