Hauptspalte:
Raffiniert?: Frittierfett über den Wolken
Die niederländische Fluggesellschaft KLM tankt seit kurzem Frittierfett. Ist altes Speiseöl der Flugkraftstoff der Zukunft?
Ob Frikandel oder Fritten - in den Niederlanden mag man es heiß und fettig. Aber wohin mit dem ausgedienten Frittierfett? In den Tank, lautet die Antwort des Fluggesellschaft KLM. Sie fliegt seit kurzem mit einer Mischung aus Kerosin und altem Speiseöl von New York nach Amsterdam – und hofft damit den Biospritmarkt zu revolutionieren.
Die Idee an sich ist nicht neu. Es gibt bereits Kraftfahrzeuge, die mit dem recycelten Altspeiseöl unterwegs sind. Im Flugverkehr wurde es allerdings bisher nicht eingesetzt. Bereits seit einigen Jahren testet die Flugindustrie mögliche Alternativen zu herkömmlichem Kerosin - bisher allerdings mit wenig Erfolg. Einige Airlines sind zwar bereits mit sogenannten Biokraftstoffen unterwegs, doch die sind das Endprodukt umstrittener Energiepflanzen wie Ölpalme oder Jathropa. Die Plantagen für deren Anbau nehmen große Flächen in Anspruch, etwa in Afrika oder in Südamerika. Oft, so kritisieren Umweltschützer, wird dafür sogar ökologisch wertvoller Regenwald gerodet. Hinzu kommt der Konflikt "Teller oder Tank": Anbauflächen, die für die Biospritproduktion genutzt werden, entfallen für die Nahrungsmittelproduktion.
Frittierfett hingegen ist ein Abfallprodukt der Gastronomie und kann nach einer Säuberung als Treibstoff genutzt werden, der sich bedenkenlos mit Kerosin mischen lässt. Und der - so die Theorie - den CO2-Ausstoß pro Flug reduzieren kann. "Die ersten Flüge haben gezeigt, dass wir etwa 20 Tonnen CO2 pro Strecke einsparen, wenn wir mit dem recycelten Frittierfett fliegen", sagt Fokko Kroesen, Environmental Manager bei KLM. Zudem ist es in Europa sogar gesetzlich vorgeschrieben, Altspeiseöl energetisch zu nutzen. Firmen wie Dynamic Fuels und SkyNRG, sammeln altes Speiseöl von großen gastronomischen Betrieben und wandeln es in Biostrom um – und mit Mehraufwand auch in Biokerosin.
Kraftstoff der Zukunft?
Gewonnen aus Abfallstoffen und energetisch nutzbar – das recycelte Altfett scheint das Potential zu haben, ein Kraftstoff der Zukunft zu werden. Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Uwe Schneider, leitender Agrar- und Ressourcenökonom der Forschungsstelle "Nachhaltige Umweltentwicklung" am KlimaCampus der Universität Hamburg, findet zwar den Ansatz grundsätzlich gut, Abfallstoffe als Treibstoffe einzusetzen, sieht aber auch Probleme: "Einerseits sind die verfügbaren Mengen derartiger Stoffe begrenzt. Andererseits sind positive Wirkungen auf das Klima erst dann möglich, wenn es eine umfassende Regulierung der Treibhausgasemissionen gibt, insbesondere auch der Emissionen aus der Landwirtschaft."
Guido Reinhardt, Wissenschaftlicher Direktor am Heidelberger "Institut für Energie- und Umweltforschung" wird deutlicher: "Das aufwendige Sammeln und Reinigen, sowie der extrem hohe Energieverbrauch bei der Herstellung des Biokerosins aus den Altspeiseölen beeinflusst die für die Ökobilanz wichtigen Faktoren Energieverbrauch, Treibhauseffekt, Versauerung und Eutrophierung in der Summe so stark, dass es in der ganzheitlichen Bilanz umweltfreundlicher ist, die Altfette weiterhin zur Energieerzeugung direkt zu verbrennen, anstatt Flugtanks damit zu füllen." Kritisch sieht Reinhardt auch die Außenwirkung und Kommunikation der Biokerosin-Nutzung von Airlines: "Es führt dazu, dass wir unsere Verhaltensweisen beibehalten, weil wir der Meinung sind, uns umweltfreundlich zu bewegen. Das ist aber mit Biokerosin aber nicht der Fall!"
Momentan sind zu dem Artikel "Frittierfett über den Wolken" keine Kommentare vorhanden.


