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Interview: "Verreisen ist Krieg"

Autor Falko Löffler erklärt in seinem Buch "Bin ich blöd und fahr in den Urlaub?" warum Verreisen für ihn Krieg ist - und gibt Tipps, wie Stubenhocker auf unvermeidlichen Reisen die Ruhe bewahren

Interview:

Autor Falko Löffler entdeckte mit 14 Jahren bereits die Vorteile des Zuhausebleibens (Foto von: Bildschön – Das schnelle Bildnetzwerk GmbH)
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Autor Falko Löffler entdeckte mit 14 Jahren bereits die Vorteile des Zuhausebleibens

GEO.de: Sie beginnen Ihr Buch mit dem Satz "Verreisen ist Krieg", warum sehen Sie das so?
Falko Löffler: Zugegeben, es ist kein Überlebenskampf, ob man im ICE den Platz bekommt, den man reserviert hat, und wenn der Flieger verspätet ist, muss man nicht gleich Blauhelm-Truppen rufen. Aber ein Territorialkonflikt um die besten Plätze am Strand kann auch zu Handgreiflichkeiten führen, und im Winter in einem unbeheizten Waggon zu sitzen, fühlt sich auch nicht so toll an. Nach meiner Erfahrung sind viele Leute nach dem Motto "Im Krieg und beim Verreisen ist alles erlaubt" unterwegs. Friedlich und zivilisiert geht es jedenfalls allzu oft nicht zu.

GEO.de: Stubenhocker sind entspannter und daheim das bessere Draußen – was stört Sie persönlich am Reisen?
Falko Löffler: Ein wenig beneide ich die Leute, die in der Lage sind, sich einfach treiben zu lassen und auf Reisen immer entspannt bleiben, trotz aller Widrigkeiten. Mir ist das fremd. Ich plane gern meine Fahrten und jede Abweichung, jedes Problem macht mich nervös. Erwische ich den Anschlusszug noch? Hat das Hotel die Buchung richtig registriert? Ist am Zielort alles so wie versprochen? Allzu oft muss ich diese Dinge verneinen, und dann entwickelt sich ein Murphy-Fatalismus: Was schiefgehen kann, geht tatsächlich schief. Dazu kommt etwas, das Viel- und Gernreisende wahrscheinlich gar nicht kennen, nämlich, dass einige Leute das Reisen generell als körperliche Belastung empfinden. Wer nach mehrstündigen Reisen immer mit Kopfschmerzen ankommt und sich wie durch den Fleischwolf gedreht fühlt, ist nicht ganz so begeistert, wenn ein Trip ansteht. Abgesehen davon: Wer möchte den Wettbewerb und den Konkurrenzkampf im Beruf unbedingt auf die Erholung ausweiten? "Guckt mal, was für einen tollen Urlaub ich hatte! Und wohin fahrt ihr dieses Jahr?" – so eine Frage hat schon manche Freundschaft auf dem Gewissen.

GEO.de: Sie sprechen aus jahrelanger Erfahrung als Reiseverweigerer. Wann haben Sie sich entscheiden, nicht mehr in den Urlaub zu fahren? Gab es ein einschneidendes Erlebnis?
Falko Löffler: Nun, es gab nicht dieses eine traumatische Erlebnis in einem Urlaub, das mich von heute auf morgen zum Reiseverweigerer gemacht hätte. Aber als ich als rebellischer 14-Jähriger frühzeitig aus dem Urlaub mit den Eltern abgereist bin und eine Woche das Haus für mich hatte, fand ich das äußerst … nett. Danach bin ich lieber gleich daheimgeblieben, und das war für alle super, denn so konnte einer aufs Haus aufpassen. Und als ich mal versucht habe, im schottischen Matsch ein Zelt aufzubauen, während ich von Mückenschwärmen aufgefressen wurde, hat das meine Reiselust nicht gerade gesteigert.


Alle Argumente und Tipps des bekennenden Reisemuffels Falko Löffler vereint sein Buch "Bin ich blöd und fahre in den Urlaub?" (Foto von: )
Alle Argumente und Tipps des bekennenden Reisemuffels Falko Löffler vereint sein Buch "Bin ich blöd und fahre in den Urlaub?"

GEO.de: Wen wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen? Hoffen Sie darauf, Reisebegeisterte zu Stubenhockern bekehren zu können?
Falko Löffler: Ich habe Spaß am Perspektivwechsel. Bücher übers Reisen gibt es in Massen, also warum nicht ein Buch schreiben, das genau den gegenteiligen Standpunkt einnimmt? Dass alle, die begeistert verreisen, durch mein Buch plötzlich vernünftig werden und tatsächlich zu Hause bleiben, bezweifle ich. Aber vielleicht entwickeln sie ein wenig Verständnis für uns Stubenhocker, die wir ganz zufrieden sind, wenn wir nicht durch die Weltgeschichte gondeln, sondern lieber fußläufig unsere Entspannung suchen. Und vielleicht finden auch Reisefreunde ein paar Schilderungen im Buch, bei denen sie sich amüsieren können und in denen sie sich wiederfinden. Sollte das Nichtreisen zum Trend dieses Sommers werden, übernehme ich aber gern die Verantwortung. Allerdings weise ich alle Schadensersatzforderungen von mir.

GEO.de: Das entfernteste Reiseziel, das Sie selbst besucht haben?
Falko Löffler: Los Angeles. Eine Dienstreise von zweieinhalb Tagen – und damit zumindest im Hinblick auf den Aufwand die Hölle auf Erden für einen Nichtreisenden. Knapp zehn Stunden in der Economy Class hocken, von schwer bewaffneten Sicherheitsbeamten ins Land gelassen werden, kurz einen Blick auf Hollywood werfen, an zwei langen Meetings teilnehmen und wieder zehn Stunden Economy Class, und dann noch fieses Jetlag als Andenken. Es gibt genug Leute, für die so etwas Routine ist – für einen wie mich, den die S6 nach Frankfurt Hauptwache schon anstrengt, ist das wie ein Fiebertraum.


GEO.de: Wann und wo haben Sie sich das letzte Mal so richtig erholt?
Falko Löffler: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die komplett aus dem Alltag raus müssen – weit weg, Handy aus – um sich erholen zu können. Ich erhole mich lieber jeden Tag in kleinen Dosen mit dem, wonach mir gerade der Sinn steht. Und das sind selten Sachen, für die man erst längere Wege hinter sich bringen muss, sondern ein paar Seiten in einem Buch, eine Runde Joggen oder ein paar alberne Twitter-Kommentare, vielleicht sogar ein kleiner Ausflug. Wenn kein Abgabetermin drängt, ist für mich sogar das Schreiben reine Erholung – schließlich habe ich das Hobby zum Beruf gemacht. Wenn ich wirklich mal komplett raus bin aus dem Alltag, werde ich nach drei oder vier Tagen unruhig.

GEO.de: Hand aufs Herz, gibt es nicht einen Ort auf der Welt, den Sie in Ihrem Leben noch sehen wollen, außer das heimische Sofa?
Falko Löffler: Los Angeles und überhaupt der Pazifik … ja, war schon eine hübsche Gegend. Wäre schön, davon noch mehr zu sehen. Denke ich manchmal. Aber dafür noch mal diese Ochsentour absolvieren? Puh. Allein der Gedanke daran heilt bei mir das Fernweh ganz schnell.




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Kommentare zu ""Verreisen ist Krieg""

Anke | 27.05.2014 13:55

DA schreibt mir jemand aus dem Herzen - danke!! Viele Menschen kennen nicht mal ihre Nachbarn oder die Strassen in unmittelbarer Nähe - aber sind auf jedem Kontinent gewesen.... Allein aus ökologischen Gründen geht das nicht!! Das Buch brauche ich allerdings nicht zu kaufen - hätte ich auch schreiben können ;-))
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