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Gebrauchsanweisung für die Welt

Bestseller-Autor und Weltenbummler Andreas Altmann war auf allen Kontinenten unterwegs. Unterwegs entdeckte er magische Orte, tricksende Polizisten, aber vor allem die heilende Kraft des Reisens

Interview: Kerstin Hellberg und Henrietta Reese

 (Foto von: Nathalie Bauer)
© Nathalie Bauer
 (Foto von: Piper Verlag)
© Piper Verlag

GEO.de: Sie waren auf allen Kontinenten unterwegs und haben eine "Gebrauchsanweisung für die Welt" geschrieben. Klingt etwas vermessen, dieser Titel.
Andreas Altmann: Natürlich ist er eine Frechheit. Ich mache mich gleich in der Einleitung über ihn her. Die Welt "gebrauchen", so weit kommt es noch! "Leitfaden zum Bestaunen der Welt", das würde passen.

Und wie bestaune ich die Welt?
Mit Lebensgier! Neugier! Wissensgier! Nur wer davon getrieben wird, kann die Welt sehen, sie aushorchen, sie anstarren, vor Ergriffenheit heulen.

Sie erzählen von Begegnungen wie der mit einem schwarzen Taxifahrer in Chicago, der Sie mit seinem Blues-Gesang zu Tränen rührte, und mit Marouf, dem siebenjährigen Afghanen, den der Krieg hatte erwachsen werden lassen.
Wer hellhörig, feinfühlig und achtsam ist, erfährt viele magische Augenblicke: Momente, die ihn überschwemmen. Mit Glück, mit Innigkeit, mit der Gewissheit, gerade in diesen Sekunden etwas Mitreißendem, etwas ganz Tiefem zu begegnen.

In Südafrika sind Sie nur knapp einer Schießerei entkommen. Wird auf Reisen nur glücklich, wer kein Risiko scheut?
Ich scheue viele Risiken. "Abenteurer", was für ein peinliches Substantiv! Armer Tropf, wer sich damit schmückt. Ich bin lieber ein Trickser, der durch die Hintertür verschwindet.

Sie tricksen auch bei den Papieren.
Da ich mehrmals von Straßenräubern, die nebenbei als Polizisten arbeiteten, zur Herausgabe von Schmiergeld animiert wurde, habe ich mir Ersatzführerscheine besorgt. Die halfen vor allem - na wo? - in Indien: Der Bulle glaubt, ich löse das konfiszierte Teil gegen Geld aus. Mache ich aber nicht. Ich helfe also dem Staat, indem ich Erpressung und Korruption unterlaufe. Soll keiner sagen, eine Schwindelei nütze nicht dem Allgemeinwohl

Ihr Bestseller "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend" beschreibt Ihre kaputte Kindheit in Altötting. Nach vielen Therapien entdeckten Sie die heilsame Wirkung des Reisens.
Das Reisen hat mich nicht erlöst. Dafür war allein die Sprache verantwortlich, sprich, dass ich irgendwann das Talent in mir entdeckte, elegant ein Wort hinter das andere setzen zu können. Das hat mich vor dem Leben einer vielfachen Null bewahrt. Dass ich eher Reisebücher schrieb, hat nur mit meinem innigen Drang zu tun, der Vorhersehbarkeit eines ranzigen Lebens zu entkommen. Soll ich als Sesselfurzer verkommen? Nein, dann schon lieber hinaus in die weite, so magische, so anstrengende Welt.



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Kommentare zu "Gebrauchsanweisung für die Welt"

Musi-Calisto | 15.10.2012 16:06

Selbstverständlich ist jede Sicht der Dinge subjektiv und bei Andreas Altmann wie bei jedem Reiseschriftsteller geprägt von persönlichen Erfahrungen und Ansichten. Ich habe alle 14 Bücher von ihm gelesen und finde es erfrischend, dass es eben nicht immer derselbe Still ist. Auch würde ich nicht jeden Gedanken und jedes Verhalten unterschreiben und es gefallen mir auch nicht alle Bücher gleich gut. Hoffentlich bleibt er aber dabei, nicht allen gefallen zu wollen und sich nicht in die lange Liste der Baudenkmalaufzähler einzureihen. Dafür hat er ja genug Kritiker inhaltlicher wie auch handwerklicher Natur. Aber bitte: Auch Schreibstil ist Geschmackssache. Wenn mir das Produkt gefällt, diskutiere ich nicht über das Werkzeug. Beitrag melden!

genial | 15.10.2012 13:40

da zu habe ich eine ganz andere sichtweise! Andreas Altmann legt auch mit seinem neuen Buch die Messlatte einmal mehr sehr hoch an..Ein Zauberer der Sprache, der er ist, (ver)-fuehrt er den Leser in fremde, abenteuerliche Weltgegenden, . Das Buch raubt einem den Schlaf und es regt energisch dazu an, endlich einmal auch darueber nachzudenken, nicht das eigene Leben zu verpennen. Man legt "Gebrauchsanweisung fuer die Welt" nicht aus der Hand, bis zur letzten Seite. Und sei es auch bis um 3 Uhr in der Nacht. Ein Buch mit Suchtfaktor! er versucht niemanden seine sichtweise aufzudrängen. ganz im gegenteil er nimmt einen auf wunderbare art mit in eine neue welt. um sie zu bestaunen. er ist nie arrogant oder respektlos bei seinen lesungen. das buch bereichert und hebt sich deutlich von anderen reisebüchern ab und zwar in die hochklassige!!! Beitrag melden!

weltatlas | 12.10.2012 23:08

Das Buch enttäuscht. Macht das Reisen durch Nah und fern doch eigentlich frei und tolerant, versucht Altmann mit diesem Buch allein seine Art die Welt zu sehen und zu bereisen als richtig anzuerkennen. Arrogant in seinen Lesungen, lässt Altmann keine Fragen seiner Leser zu und achtet ganz genau darauf, in seinen Lesungen "nicht über Tarif zu arbeiten", wie er selbst sagt. So bildet dieses Buch leider eine Ausnahme von den sonst sehr gut geschriebenen "Gebrauchsanweisungen" anderer Autoren und wird sich wohl in die Reihe der mittelmäßigen Reiseliteratur einreihen müssen. Beitrag melden!


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