Hauptinhalt
GEO.de Seite 1 von 1


Drama im Baggersee

Viele Urlauber haben Angst vor Haien, dabei sterben die meisten Schwimmer im Badesee. Besonders die Über-50-Jährigen sind gefährdet. Worauf man achten sollte

Text von Henrietta Reese

Gefahr Baggersee: Etwa 50 Prozent der Grundschulabsolventen sind keine sicheren Schwimmer  (Foto von: age fotostock/LOOK-foto)
© age fotostock/LOOK-foto
Foto vergrößern
Gefahr Baggersee: Etwa 50 Prozent der Grundschulabsolventen sind keine sicheren Schwimmer

Baden gehört zum Sommer wie Eis am Stiel. Und ist doch ein unterschätztes Risiko. In Deutschland ertranken im vergangenen Jahr 410 Menschen, das sind deutlich mehr, als Radfahrer im Straßenverkehr tödlich verunglückten (381), und dramatisch viel mehr, als weltweit Menschen von Haien getötet wurden: 2011 zählte man 12 Opfer. Hierzulande setzt sich ein trauriger Trend der letzten Jahre fort: Ein Großteil der Ertrunkenen - nur 84 der 410 waren Frauen - gehört zur Altersgruppe der Über-50-Jährigen. Sie machen inzwischen mehr als die Hälfte der Opfer aus. Was sind die Gründe dafür? Viele ältere Menschen sind keine guten Schwimmer (laut einer Emnid-Studie können mehr als die Hälfte der Über-60-Jährigen gar nicht schwimmen). Experten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG nennen weitere Ursachen: Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Leichtsinn und das Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit.


Viele verlangen sich zu viel ab

Die "Best Ager" fühlen sich viel jünger als ihre Altersgenossen vor 20 Jahren. "Im Urlaub", so DLRG-Sprecher Martin Janssen, "soll der Körper plötzlich alles nachholen, wozu im Alltag keine Zeit ist. Viele Schwimmer wollen sich etwas beweisen und verlangen sich dabei zu viel ab." Janssen empfiehlt den Über-50-Jährigen, sich vor Beginn der Badesaison vom Arzt durchchecken zu lassen. Dass 2011 dennoch 28 Menschen weniger ertranken als im Vorjahr, schreibt Klaus Wilkens, Präsident der DLRG, vor allem dem kalten und verregneten Sommer zu. "Eine Erfrischung war nicht nötig, diese kam bereits von oben", sagt Wilkens mit dem Fatalismus des Fachmanns. In der Altersgruppe der 21-bis 30-Jährigen hat sich die Zahl der Toten halbiert, weil es bei Regenwetter seltener zu jenen Fällen kommt, über die man häufig in der Tageszeitung liest: Da feiern an einem Abend junge Männer mit Bier und Grillwurst, bis einer meint, er müsse den Weiher durchschwimmen, und ward nach einigen Zügen nicht mehr gesehen. Auch bei den 5-bis 15-Jährigen gab es nur halb so viele Tote wie im Vorjahr. Offenbar zeigte die Aufklärungsarbeit in Kindergärten und Schulen Wirkung.


Nie allein schwimmen

In bisherigen Sommern ertranken Kinder vor allem etwa in Planschbecken oder Gartenteichen, Eltern und Erzieher seien darauf verstärkt aufmerksam gemacht worden. Zum anderen werde mehr Schwimmunterricht für Kleinkinder angeboten. Eine Fünfjährige, die das Seepferdchen gemacht hat, so Janssen, "kann sich im Wasser schon gut bewegen". Dennoch belegt eine DLRG-Studie, dass etwa 50 Prozent der Grundschulabsolventen keine sicheren Schwimmer sind. Zudem wurden in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren mehr als 500 Schwimmbäder geschlossen. Was tun, um die Risiken zu minimieren? Den bekannten Regeln folgen: "Nie allein schwimmen", sagt DLRG-Sprecher Janssen. Bevor man in ein Gewässer springt, unbedingt dessen Tiefe und Strömung prüfen. Nicht mit vollem Magen ins Wasser, nie bei Gewitter. Wer friert, sollte so schnell wie möglich aus dem Wasser. Und: Alkohol ist tabu.



Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Kommentare zu "Drama im Baggersee"

Klein | 27.06.2012 21:32

Yipp, totale Überschätzung, Alkohol, tückische Strömungen (Meer), Kopfsprung in unbekanntes Gewässer (Querschnittlähmung) undsoweiterundsoweiter. Eigentlich allgemein bekannt und immer wieder Tote, die gleichen Schlagzeilen zu Beginn der Badesaison. Leichtsinn. Vertrautheit. Selbstüberschätzung. "Ich kann das". Der menschenfressende Hai ist das Horrorszenario, dabei lauert der Tod gleich nebenan. Klar, es wird wie immer an der Ausbildung, der Sicherheit unserer Kinder gespart. Schwimmen lernen? Alles viel zu teuer. Wie viele Kinder haben heute noch Schwimmunterricht? Es ist schon traurigl.
Ich danke noch heute dem unbekannten Spanier, der mir auf Teneriffa das Leben gerettet hat. In voller Bekleidung, mit Armbanduhr, Schuhen, Anzug etc. sprang er ins Wasser und rettete mich im letzten Augenblick. Ich hatte weder getrunken noch sonst irgendetwas. Ich war damals ein kleines Kind, kurze Zeit allein gelassen...
Danke nach Spanien!
Beitrag melden!

GEO im Abo

Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!