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Von Bären und Menschen
Geachteter Wissenschaftler, Verfechter eines nachhaltigen Wandertourismus, Vordenker: Keiner kennt die Alpen so gut wie der Kulturgeograf Werner Bätzing. Und setzt sich so vehement für sie ein. Dafür verleiht ihm GEO SAISON die Grüne Palme 2007

Statt ins Seminar und in die Bibliothek zog es den Studenten in die Alpen. Über Wochen und Monate erforschte er sein Thema - im Gehen. Er wanderte vom Mittelmeer zum Aostatal, traf Bauern und Hirten, Jäger und Waldarbeiter; er sprach mit ihnen über ihre Lebensbedingungen, er wollte wissen, was sich in den Tälern verändert, wer abwandert und aus welchen Gründen. So begann Ende der 1970er Jahre eine ungewöhnliche und produktive Wissenschaftskarriere.
Heute lehrt der 57-jährige Werner Bätzing als Professor für Kulturgeografie am Institut für Geografie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich für ein einmaliges Projekt, die GTA (Grande Traversata delle Alpi), einen Weitwanderweg über rund 650 Kilometer - 60 Tagesetappen - von der Schweizer Grenze über die Walliser und Cottischen Alpen bis Ventimiglia, am Ufer des Mittelmeers. Die GTA sieht er als Modell für einen wirksamen Naturschutz - ein Projekt, das nicht den Menschen aus der Natur verbannt, sondern das Berglandwirtschaft, traditionelle Siedlungsstrukturen und sanften Tourismus verknüpft.
Die Alpen brauchen den Menschen
Bereits als Student veröffentlichte er die erste Version seines bekanntesten Werkes "Die Alpen". Das auch für Laien gut lesbare Buch, inzwischen mehrfach überarbeitet, behandelt Städtewachstum und Entsiedelung, Artenvielfalt und bäuerliche Wirtschaftsweisen, Handel, Verkehr und Tourismus. Fazit: "Die Alpen brauchen den Menschen. Sie sind keine Natur-, sondern eine jahrtausendealte Kulturlandschaft. Der Mensch hat sie als artenreichen Lebensraum erst geschaffen." Heute jedoch droht er das zu vergessen - und die Alpen durch seinen Rückzug kulturell, ökologisch und ökonomisch zu zerstören.
Der Weitwanderweg GTA wirkt diesem Prozess entgegen. Er führt durch abgelegene, nahezu entvölkerte Dörfer, verschafft Einheimischen finanzielle Perspektiven, ein Stück Zukunft. Auch die Wanderer profitieren davon: "Zu Fuß gehen ist die ideale Form des Reisens in den Alpen. Wanderer erleben Natur und Landschaft besonderns intensiv, sie benutzen die traditionellen Wege und pflegen damit einen Tourismus der Nachhaltigkeit, der Entschleunigung und der ökologischen Vernunft", sagt Bätzing. Die GTA ist ein Modell für einen sanften, ökologisch sinnvollen, pragmatischen Tourismus: "Den Alpen ist nicht mit romantischer Naturschwärmerei geholfen. Sie sind vielmehr eine Kulturlandschaft, die Menschen braucht, um zu überleben. Der Tourismus spielt dabei eine zentrale Rolle."
Bätzings Stimme als Wissenschaftler wird gehört, in den Alpen und außerhalb, in der Reisebranche, von Naturschützern - und Reisenden. Für sein jahrzehntelanges Engagement für das Miteinander von Naturschutz und Tourismus in den Alpen verleiht GEO SAISON dem Wissenschaftler die Grüne Palme 2007.
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