Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung
Unklare chronische Erkrankung nach Reise
Unklare chronische Erkrankung nach Reise
Nach Auslandsaufenthalten entwickeln sich gelegentlich chronische Beschwerden, für die auch nach langer Suche keine klare Ursache gefunden werden kann. Nicht selten folgt dann eine Odyssee durch die Praxen zahlreicher, oft hilfloser Gesundheitsanbieter, die keine eindeutig auslösende Schädigung identifizieren können. In diesen Fällen besteht meist ein hoher Leidensdruck, denn die Hoffnung richtet sich auf eine eindeutige Diagnose mit einem „100% wirksamen“ Medikament, dass das Problem sofort beseitigen soll. Gelingen kann das jedoch nicht, wenn mehrere unterschiedliche Faktoren, die jeweils für sich allein nicht zu einer Krankheitsauslösung ausreichen würden, in einer komplexen, schädigenden Form zusammenwirken:

Infektionserreger:
- Sie können nach dem Abklingen erster akuter Krankheitserscheinungen noch weiter im Körper lebensfähig bleiben und „schleichende“ Krankheitsverläufe verursachen, oder
- Sie sind möglicherweise bereits abgestorben, aber ihre Bestandteile irritieren (als sog. „Antigene“) weiterhin die Körperabwehr, oder
- Abgelaufene und vollständig ausgeheilte Infektionen lösten allergische, rheumatische oder autoimmune Prozesse im Körper aus.
Umweltgifte:
- Einige Gifte, wie z.B. Arsen, wirken über eine Störung der Stoffwechselprozesse des Körpers und werden anschließend relativ schnell ausgeschieden. Die von ihnen ausgelösten Erkrankungen sind, da sich das Gift in der Regel nicht mehr im Körper befindet, nicht ursächlich behandelbar.
- Schwermetalle, wie z.B. Blei, werden in Körperstrukturen eingebaut. Die Ausscheidung von diesem und anderen Schwermetallen kann durch Einnahme von Medikamenten beschleunigt werden.
- Fettlösliche Umweltgifte, wie z.B. DDT, verbleiben sehr lange oder auch lebenslang im Körper. Bei Abmagerungskuren oder schwerer Krankheit können sie aus dem Fettgewebe abgebaut, wieder in höheren Konzentrationen in die Blutbahn gelangen.
- Je nach Schadstoffkonzentration des aufgenommenen Giftes müssen die Krankheitserscheinungen nicht akut erkennbar, sondern können auch sehr schwach ausgebildet sein, das Immunsystem stören (Infektanfälligkeit) oder auch nur das Allgemeinbefinden betreffen.
Vorbestehende Erkrankungen:
- Erkrankungen (Diabetes, Krebs, Rheuma, ...), die möglicherweise bisher noch nicht bekannt waren, können durch die Anstrengung der Reise verstärkt, durch Infektionen, psychische Belastungen oder Umweltgifte ausgelöst werden. Bestehende Erkrankungen können sich verschlechtern.
- Seelische Erkrankungen:
- Seelische Erkrankungen oder Belastungen werden bei der Ursachensuche meist unterschätzt. Kulturelle oder Beziehungs-Krisen, körperliche oder klimatische Überbelastung und Stress, aber auch Medikamente, Ernährung und Genussmittel können auf Reisen Krankheitssymptome auslösen.
- Das „Burn-out-Syndrom“ (psychische Erschöpfung) kann sich als Störung des Immunsystems und in zahlreichen, zum Teil sehr ernsthaften, körperlichen Krankheitserscheinungen äußern.
- Die Kombination all dieser Faktoren ist bei unklaren Krankheitsbildern möglich. Die Suche nach einer einzigen Ursache führt dann verständlicherweise in die Irre.
Betroffene Personen mit unklaren chronischer Erkrankungen sollten daher am besten folgendermaßen vorgehen:
- Nicht sofort zum Spezialisten! Nur akute eindeutige Krankheitsbilder (Fieber, Durchfall, Hautgeschwüre,..) erfordern einen umgehenden Rat eines Spezialisten. Bei chronischen Beschwerden dagegen ist die ausführliche Besprechung der Krankengeschichte mit einem vertrauten Hausarzt von besonderer Bedeutung. Arzt und Patient müssen dabei einen Gesamtüberblick über die persönliche Situation gewinnen, ohne von vorneherein bestimmte Ursachen auszuschließen. Andernfalls würde auf Verdacht hin eine einzige Fährte verfolgt („Es muss eine Infektion sein!“, „Es muss eine Vergiftung sein!“), bis diese sich dann jeweils als Sackgasse herausstellt.
- Krankheitstagebuch führen:
- Wann treten die Symptome auf?
- Nach welchem Essen oder Getränk?
- Wann verschlechtert sich die Situation?
- Wann verbessert sie sich?
- Besteht ein Zusammenhang zu Belastungen, Tageszeiten, Temperaturschwankungen, Sonneneinstrahlung,..?
- Eine Ärztin oder Arzt des Vertrauens finden. Dies oder dieser sollte einen Gesamtüberblick über alle ärztlichen Befunde und alle bisherigen Behandlungsversuche (auch die alternativen Diagnosen und Therapien) erhalten. Weitere Expertenmeinungen sollten nur nach Besprechung mit ihm oder ihr aus unterschiedlichen Fachrichtungen hinzugezogen werden, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen, die nur in dem jeweiligen Fachgebiet erkannt werden können.
Dabei kommen in Frage:
- Tropenmediziner oder Infektiologen
- Internisten
- Dermatologen
- Psychiater
Patienten kennen ihre komplexen Lebensumstände, in denen sich das Krankheitsbild entwickelt hat, am besten. Deshalb ist ihre Sicht der Krankheitsdeutung ebenso wichtig wie die der hinzugezogenen Experten.
Die Ursache akuter Erkrankungen kann bei richtiger Diagnose oft einfach und eindeutig beseitigt werden. Bei chronischen Erkrankungen ist das dagegen meist nicht möglich. Der ganze Mensch ist betroffen und eine positive Veränderung entwickelt sich oft nur durch die Veränderung aller inneren und äußeren Wirkzusammenhänge. Das erfordert meist Geduld und Zeit. Aus der Akzeptierung der unerfreulichen Gewissheit, dass eine schnelle Lösung nicht erreichbar ist, erwachsen, z.B. bei einer Kur oder einer erneuten erholsamen Reise, plötzlich neue Möglichkeiten und Ideen, die zur Linderung der Beschwerden oder auch zu ihren Verschwinden führen können.
Wenn nach Rückkehr von einer Reise das Gefühl besteht, Ungeziefer mitgebracht zu haben:
- Normale Körperhygiene ist in der Regel ausreichend
- Wäsche bei 60 Grad waschen
- Schütteln Sie Ihre Taschen draußen aus
- Keine Chemiekeule auf die Haut geben oder in der Luft versprühen, da dann allergische Reaktionen entstehen können, die ebenfalls Jucken und zum Kratzen verleiten und damit an Stiche erinnern
- Krabbeltiere überleben nicht lange im Teppich oder in Ritzen, da sie Blut von lebenden Wirten brauchen, sie werden also nur von Mensch zu Tier übertragen.
Europäische Datenbank für seltene Erkrankungen
Information über 3.600 seltene Erkrankungen, die zum Teil nur sehr schwierig erkennbar sind:
Analysen zu nicht belegbaren Krankheitsbildern und Therapieverfahren
Dermatozoen, Morgellons und andere nicht nachweisbare Hauterkrankungen
MG, 04.06.2010