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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Trinkwasser

Trinkwasserhygiene auf Reisen


Einführung

In vielen Gegenden der Welt ist sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit.
Dabei ist die Verfügbarkeit von unbelastetem Wasser eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundheit. Wasser kann durch Mikroorganismen aber auch durch Chemikalien, zum Beispiel Schwermetalle oder Insektizide, belastet sein. Keimbelastungen rühren vor allem von fäkalen Verunreinigungen her. Etwa 80% der Erkrankungen in den Tropen sind wasserbedingt. Typische Erreger, die durch fäkal verunreinigtes Wasser übertragen werden, sind:

  • Darmparasiten wie Amöben und Lamblien
  • Hepatitis A/E-Viren
  • Cryptosporidien
  • Typhusbakterien (Salmonella typhi)
  • Cholerabakterien (Vibrio cholerae)
  • Durchfallerreger wie Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Coli-Bakterien
  • Polioviren
  • Wurmeier


Bildquelle: BNI / BW

Grundlagen
Bereits während der Reiseplanung kann man versuchen, abzuschätzen, ob die Versorgung mit sauberem Trinkwasser gewährleistet ist. Hier spielt auch der Reisestil eine Rolle. Rucksackreisende, die sich in ländlichen Gebieten Afrikas oder Südasiens bewegen, haben ein anderes Risiko als Reisende, die sich in Touristenressorts aufhalten. Allerdings lässt sich eine komfortable Unterbringung nicht immer mit guten hygienischen Bedingungen gleichsetzen. Leitungswasser, offene Karaffen mit angeblich “gefiltertem” Wasser oder Eiswürfel können auch in ansonsten hervorragenden Hotels zum Gesundheitsrisiko werden. Oft sind Reisende, die auf Nummer sicher gehen wollen, darauf angewiesen, ihren gesamten Wasserbedarf mit dem Mineralwasser zu decken, das zu hohen Preisen in der Hotelbar verkauft wird. In größeren touristischen Ressorts finden sich zumindest meist Supermärkte, in denen man auch Getränke kaufen kann. Hierbei sollte gezielt nach Produkten internationaler Firmen gesucht werden - hier kann man einen gewissen Qualitätsstandard voraussetzen. Die gekauften Flaschen oder Dosen sollten stets noch original verschlossen sein. Frei von Krankheitserregern sind in aller Regel auch heiße Getränke wie frisch gebrühter Tee oder Kaffee.
In großen Höhen, zum Beispiel bei Anden- oder Himalaya-Exkursionen, liegt der Siedepunkt des Wassers deutlich niedriger und dann ist Abkochen weniger effektiv. In diesen Fällen hilft das Kochen in einem Dampfdrucktopf. Sinnvoll ist es immer, das Wasser mindestens fünf Minuten kochen zu lassen. Bei trübem, stärker verunreinigtem Wasser kann die Wirksamkeit des Abkochens eingeschränkt sein. Das Abkochen des gesamten Wassers des täglichen Bedarfs ist für die meisten Reisenden jedoch keine realistische Option.
 

Bildquelle: http://www.liberty-image.de


Methoden für Trekking-Reisende
Filter sind kein Ersatz für das Abkochen. Abgekochtes Wasser kann im Kühlschrank oder in Tonkrügen aufbewahrt werden. Durch die Poren des Tons verdampft es und hält dabei den Kruginhalt angenehm kühl. Bei zu langer Lagerung von abgekochten Wasservorräten ist allerdings eine Wiederverkeimung möglich.

  • Wasserfilter: Auch hier gilt - wie beim Abkochen: Stark mit Schwebstoffen verunreinigtes Wasser sollte vorgefiltert werden. Grob verunreinigtes Wasser kann man zunächst durch mehrere Lagen eines Baumwolltuches laufen lassen. Danach ist eine Feinreinigung mittels moderner Filtersysteme möglich. Nicht unterschätzt werden sollte jedoch auch hier der Aufwand den die Filtration größerer Wassermengen bedeutet. Mit zunehmendem Gebrauch verstopfen die Poren und die Filter müssen gereinigt oder ersetzt werden.
  • UV-Behandlung: Bei sachgerechter Anwendung ist eine effektive Entkeimung möglich. Keine zuverlässige Wirkung bei grob verunreinigtem Wasser. Geräte zur UV-Entkeimung benötigen Strom und müssen fest installiert sein, daher für die meisten Reisenden kaum sinnvoll. Geht um längerfristige Aufenthalte und den Bezug oder Bau eines eigenen Hauses kann die Installation eines UV-Systems zur Wasserentkeimung erwogen werden.
  • Chemische Behandlung mit Chlor: Produkte mit chlorhaltigem Wirkstoff haben bei richtiger Anwendung prinzipiell eine gute Wirkung, können jedoch zu Geschmacksveränderungen des Wassers führen. Auch Fehldosierungen sind leicht möglich.
  • Chemische Behandlung mit Silberionen: Die Wirksamkeit entsprechender Präparate ist nur bei schon relativ sauberem, keimarmem und ungetrübtem Wasser gewährleistet. Mitunter finden sich geschmackliche Veränderungen. Fehldosierungen sind möglich. Für ein Auflösen der Entkeimungstabletten und anschließende Durchmischung sollten mindestens 10 Minuten einkalkuliert werden. Anschließend muss man noch 2 Stunden abwarten, bis die eigentliche Wirkung einsetzt. Der Entkeimungseffekt hält bis zu 6 Monate an.
  • Chemische Behandlung mit Silberionen/Chlor: Stärkerer Desinfektionseffekt und guter Schutz vor Wiederverkeimung bis 6 Monate. Geschmackliche Veränderungen des Trinkwassers sind möglich. Gefahr der Fehldosierung.
  • Schwengelumpen: Bei einer geringen Bohrtiefe (20 Meter) ist eine Keimbelastung noch sehr wahrscheinlich. Bei Bohrtiefen von 50 Meter fehlt diese zwar, aber solche Grundwasserreservoire können noch periodisch austrocknen, wodurch es zu chemischen Reaktionen kommt, die Giftstoffe (z.B. Arsen) in Lösung bringen. Erst bei Bohrtiefen um 200 Meter ist das Wasser meist sauber.

Fazit
Bereits vor Antritt der Reise kann überlegt werden, welche Möglichkeiten zur Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene vor Ort existieren und welche unterstützenden Methoden zusätzlich genutzt werden sollen. Nur gegen einige wenige durch Wasser übertragende Erkrankungen kann man wirkungsvoll impfen, zum Beispiel gegen Hepatitis A. Impfungen gegen Typhus und Cholera sind für die meisten Reisen nicht erforderlich und im besten Fall lediglich als ergänzende Maßnahmen zu sehen.



MG, 15.08.2012