Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Tollwutimpfung

Tollwut

Die Tollwut ist in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas erfolgreich eingedämmt worden. Einige Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland gelten sogar als völlig frei von Landtiertollwut und 2009 sind in Westeuropa keine Tollwutfälle mehr vorgekommen. Weltweit ist die Erkrankung jedoch noch weit verbreitet und eine der wenigen Infektionskrankheiten deren Sterblichkeitsrate bei praktisch 100 Prozent liegt.

Impfung

  • Durch vorbeugende Impfung mit modernen Zellkulturimpfstoffen (an den Tagen 0, 7, 21; eine Verlängerung der Impfabstände ist möglich) wird eine Erkrankung nach Biss sicher verhindert.
  • Auch eine rasche nachträgliche Versorgung Ungeimpfter nach Tierbiss mit Zellkulturimpfstoffen und Tollwuthyperimmunglobulin (hochkonzentrierten menschliche Antikörper gegen das Tollwutvirus) bietet noch einen guten Schutz vor Erkrankung. Diese nachträgliche Tollwutimmunisierung beinhaltet die Gabe von 5 einzelnen Impfungen mit Gewebekulturimpfstoff an den Tagen 0,3,7,14, 28. Nach dem verdächtigen Tierkontakt sollte nach Reinigung der Wunde mit Seife so bald wie möglich mit der nachträglichen (postexpositionellen) Immunisierung begonnen werden. Am Tag der ersten aktiven Impfung (Tag 0) wird zusätzlich Tollwuthyperimmunglobulin (Serum) verabreicht. Diese Serumgabe erfolgt u.a. direkt hinein in die Bissstelle.
    • Für vollständig geimpfte Personen ist nach verdächtigen Tierbissen die Gabe von Tollwutserum nicht angezeigt.
    • Bei ungeimpften Bissopfern wäre der Verzicht auf Tollwutserum  ein schwerer ärztlicher Kunstfehler.
    • Ob für Personen mit sehr lange zurückliegender Grundimmunisierung im Falle einer Bissverletzung die üblicherweise empfohlene aktive Auffrischimpfung (Tag 0 und 3) (ohne zusätzliche Serumgabe) ausreicht, wurde inzwischen neu untersucht.
  • Impfschutz: Zehn Tage nach der dritten Dosis; Impfschutz für drei bis fünf Jahre nach der vierten Dosis; bei Immungeschwächten oder Laborpersonal Antikörper bestimmen.
  • Hinweis: Nach einem Biss durch ein tollwutverdächtiges Tier muss eine sofortige Wundreinigung erfolgen und trotz vorheriger Grundimmunisierung noch zweimal (am Tag des Bisses und drei Tage später) mit Aktiv-Impfstoff nachgeimpft werden. Durch die Impfung vor der Reise entfällt die Gabe eines (aus Spenderblut im Reiseland hergestellten) Immunglobulins, das unter Umständen nur mit einiger zeitlicher Verzögerung zu bekommen ist.
  • Impfabstände: Abstände zwischen anderen Impfungen brauchen nicht eingehalten werden.
  • Alter: Ab dem zweiten Lebensjahr; keine Altersbeschränkung im Verdachtsfall.
  • Lokal- und Allgemeinreaktionen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Häufig (ein bis zehn Prozent) kommt es innerhalb von ein bis drei Tagen an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung, gelegentlich mit Beteiligung der zugehörigen Lymphknoten. Innerhalb von ein bis drei Tagen kann es auch zu Allgemeinsymptomen wie Temperaturerhöhung, grippeähnlicher Symptomatik (Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden) oder Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) kommen. Auch Gelenkbeschwerden werden berichtet. In der Regel sind diese Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
  • Komplikationen: Selten sind Überempfindlichkeitsreaktionen, wie z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Fieber (eher nach Auffrischungsimpfung). Allergische Reaktionen (meist auf im Impfstoff enthaltene Begleitstoffe wie Gelatine oder Antibiotika) sind sehr selten. Einzelfälle von allergischen Sofortreaktionen (anaphylaktischer Schock) wurden berichtet.


RMZ, 07.05.2010




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