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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut
MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH
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20359 Hamburg
www.gesundes-reisen.de
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Therapie: Risiko unnötiger Eingriffe

Risiko unnötiger Eingriffe

Weltweit wächst der Gesundheitsmarkt so schnell, wie es der Ökonome Nefiodow vor über einem Jahrzehnt vorhersagte ("Sechster Kontradieff").

Die dynamische Entwicklung der Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen wird in vielen Ländern nicht oder nur zu einem geringen Teil, reglementiert oder kontrolliert. Aber auch in gut überwachten Gesundheitssystemen werden unnötige Interventionen angeboten, die mit Risiken behaftet sein können (Moynihan 2012). Die Autoren definieren in diesem Zusammenhang den neuen Krankheitsbegriff  "Icidentaloma" ("Zufall-itis") für die Behandlungsindikation von Zufallsbefunden. Auch Reihenuntersuchungen bei Gesunden (Screening) können zu Überbehandlung führen, ebenso wie der Trend "Laborwerte zu behandeln" (Yudkin 2011).

Deutschland ist von diesem globalen Trend nicht ausgespart: 1,5 Mrd Euro sollen allein von Ärzten für so genannte "Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) ausgegeben werden (SPD Mai 2012), bei fraglichem Nutzen und unklaren Risiken (IGeL-Monitor). Die Nebenwirkungen von Screening (Forum Gesundheit 01.06.2012) werden ebenso diskutiert wie Überbehandlung in Kliniken (Zeit, Stern 30.05.2012 ) oder die wachsende Zahl psychiatrischer Behandlungen (BMJ 2012).

Da "Nichts wirkt" (Schneider 2012), ist die Versuchung für viele groß, daran zu verdienen.

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Hinweise für Reisende

Der internationale Medizintourismus ist ein boomender Markt mit hohen Gewinnmargen bei selektiven Eingriffen, Transplantationen und Arzneimitteln. Die angebotene Versorgung kann kosteneffizient und serviceorientiert sein und den Patienten im günstigsten Fall auch das Gefühl vermitteln, gut aufgehoben zu sein. Allerdings sind in diesem Markt Überbehandlungen eher die Regel als die Ausnahme. Die betroffenen Patienten gehen dabei möglicherweise hohe Risiken ein. In welchem Verhältnis Chancen, Risiken und Kosten im Medizin Tourismus zueinander stehen, ist nicht untersucht. Angesichts der möglichen negativen Folgen und fehlender Regelungen für die Beteiligten, raten wir zur Vorsicht.

Krh. Tamale, Ghana, Bildquelle: S. Schmiedel

Weitere Informationen

Literatur

  • BMJ 2012: 344/bmj.e3502, 344/bmj.e3534, 344/bmj.e3135
  • Moynihan R et al.: Medicalisation - Preventing overdiagnosis: how to stop harming the healthy BMJ 2012; 344:e3502
  • Yudkin J et al.: Analysis - The idolatry of the surrogate, BMJ 2011;343:d7995
  • Schneider R et al.: Placebo forte: Ways to maximize unspecific treatment effects, Medical Hypotheses 2012, 78(6)744-751


HEF, 26.07.2012