Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung
Sexuell übertragene Infektionen
Sexuell übertragbare Infektionen

Schnupfen wird die wohl häufigste Infektion sein, die durch nahen Körperkontakt übertragen wird. Bei einigen anderen Infektionserregern reicht Anhusten für eine Übertragung nicht aus, weil sie wesentlich weniger widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse wie Luft, Austrocknung, Desinfektionsmittel, Hitze oder Kälte sind. Sie können eine Übertragung nur überleben, wenn sie direkt von einer Person in eine andere hinein transportiert werden. Einigen Bakterien genügt für eine Neubesiedlung eine direkte Berührung der Schleimhaut eines Sexualpartners, andere Viren müssen erst durch lebende Zellen in den Körper des Empfängers transportiert werden, bevor es dort zu einer neuen Vermehrung kommen kann.
Bei sexuellen Kontakten zwischen Männern und Frauen sind die Frauen für Infektionsübertragungen besonders gefährdet. Die Empfänglichkeit für Infektionserreger ist aufgrund ihres Körperbaus höher als bei Männern, und Krankheitszeichen treten oft später auf, was zu schleichenden Krankheitsverläufen führen kann. Bei männlich homosexuellen Kontakten ist der empfangende Partner gefährdeter, da die Darmschleimhaut keine spezifische Infektionsabwehr aufweist.
Das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen auf Reisen:
- Reisen entspannt und öffnet uns für neue Sinneseindrücke - auch für Erotik und ungeplante Urlaubsbekanntschaften.
- Sexuell übertragbare Infektionen kommen in vielen Reiseländern wesentlich häufiger vor als in Deutschland. Die Ursachen dafür sind oft ökonomisch schwierige Verhältnisse, mangelnde Bildung, geringer Sozialstatus von Frauen und unzureichende Gesundheitsversorgung u.v.a.
- Einige behandelbare Erkrankungen sind nicht immer einfach nachzuweisen (z.B. Syphilis, nach einer unzureichenden Antibiotikbehandlung einer anderen Erkrankung oder Chlamydieninfektionen bei Frauen). Dadurch kann es leicht zu vermeidbaren chronischen Verläufen kommen.
- Die Unempfindlichkeit behandelbarer Erreger ("Gonorrhoe") gegen übliche Antibiotika nimmt insbesondere in Asien zu.
- Auch Reisende können Infektionserreger mitbringen, die in Europa nur selten vorkommen und deshalb manchmal nicht sofort erkannt werden.

Wichtig zu wissen:
- Sexuell übertragbare Infektionen werden im Wesentlichen ausgelöst von Bakterien, Viren oder Pilzen. Oft wird ein „Gemisch“ aus Erregern übertragen. Viele dieser Erkrankungen, insbesondere solche, die Geschwüre verursachen, beschleunigen die Übertragung anderer Erreger (z.B. von HIV) um ein Vielfaches.
- Bakterielle Infektionen sind behandelbar. Je früher die Behandlung einsetzt, desto seltener treten Folgeerscheinungen auf. Ein sogenannter „Tripper“ (Gonorrhoe, Chlamydien) kann oft durch eine relativ kurze Antibiotikakur geheilt werden, während andere bakterielle Erkrankungen (Syphilis, „Schanker“) über 2-3 Wochen behandelt werden müssen. Deshalb wird bei einer „Tripper“-Behandlung nicht selten eine Syphilis übersehen.
- Pilze sind in tropischen Regionen insbesondere bei Frauen häufig. Sie werden nicht unbedingt sexuell erworben, aber (wenn sie einmal da sind) leicht an Sexualpartner weitergeben. Eine lokale Behandlung (z.B. durch eine mitgeführtes „Anti-Pilzmittel“) ist meist ausreichend.
- Gefährlich sind sexuell übertragbare Viren (insb. Herpes, HIV, Hepatitis B). Gegen Hepatitis B ist eine sichere Impfung verfügbar. Herpes und HIV können nur durch durch Vorbeugung vermieden werden und führen zu lebenslangen Infektionen. Alle viralen Infektionen sind in zahlreichen Reiseländern wesentlich häufiger als in Deutschland. Auch die sexuelle Übertragungswahrscheinlichkeit für Viren ist in vielen Ländern deutlich erhöht, wenn behandelbare bakterielle Infektionen dort vermehrt vorkommen.
- Sexuelle Infektionsübertragungen sind oft verbunden mit starkem Alkoholkonsum. Alkohol und andere Drogen lockern und führen zu (gewünschtem) Kontrollverlust. Damit steigen aber die Risiken, während die Fähigkeiten zur Vorbeugung sinken.
Was kann mann oder frau tun?
- Sich etwas Zeit lassen mit neuen Partnerschaften - zumindest solange, bis genügend Vertrauen entstanden ist, um miteinander über Infektions- und Empfängnisverhütungsschutz zu sprechen.

- Kondome („männliche“ Kondome oder Femidom® für Frauen) schützen sicher vor fast allen sexuell übertragbaren Infektionen. Allerdings nur wenn sie
- von guter Qualität sind (deshalb lieber vor der Reise besorgen)
- und richtig angewandt werden (keine Luftblase, kein Öl, keine scharfen Fingernägel).
- Bei auffälligen Erscheinungen in der Genitalregion (Brennen, Jucken, Ausfluss, Bläschen, Ausschlag, Lymphknotenschwellungen, ....) immer sofort einen erfahrenen Arzt aufsuchen (Dermatologe, Gynäkologe, Urologe).
- Wenn eine bakterielle Erkrankung (oder Trichomonaden) entdeckt wurde, sich nicht begnügen mit einer Kurzbehandlung, sondern immer auch andere erst später auftretende Erkrankungen (Syphilis, HIV, ...) durch Langzeitkontrollen ausschließen lassen.
HEF, 14.07.2010