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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Rauchen

Rauchen

Bildquelle: Werner Schönherr

Einführung
Viele Raucher haben mitunter das Gefühl, dass sich die öffentliche Meinung gegen sie verschworen hätte. Das Rauchen wird zunehmend aus dem öffentlichen Raum verbannt.
Nicht ganz ohne Grund, denn Nichtraucher können dem Qualm - ist er erst einmal in der Luft - nicht entgehen. Das Passivrauchen ist inzwischen als ein erstzunehmender Risikofaktor u.a. für Krebserkrankungen erkannt worden. Besonders die Schwächsten, nämlich Kinder, haben unter dieser Belastung zu leiden. Nach Jahren der Gleichgültigkeit sind nun die Raucher innerhalb kurzer Zeit massiv ins Visier der öffentlichen Meinung geraten und müssen mit immer stärkeren Einschränkungen rechnen. Eine Fernreise könnte da manch einem als angenehmer Weg zurück in die “Freiheit” erscheinen. Dieser Weg beginnt aber bereits entbehrungsreich, da seit dem 1. September 2007 in Zügen, auf den 5.700 deutschen Bahnhöfen und in Taxis nicht mehr geraucht werden darf.

Warum rauchen wir gern?
Auf jeder Packung Zigaretten ist nachzulesen, welche körperlichen Folgen Rauchen haben kann, und offenbar haben die Hersteller kein Problem damit, diese ziemlich grässlichen Botschaften in ihrer Werbung gerne auch offensiv darzustellen. Es  wird weniger kritisches Denken angesprochen. Ob die EU-Minister Recht haben mit der Aussage haben,  Rauchen könne tödlich sein, wird nicht reflektiert. Etwas anderes wird angesprochen, nämlich das, was in tieferen Schichten unserer Psyche sitzt: das Gruppengefühl. Wir wollen Teil einer Gemeinschaft sein und uns in ihr geborgen und sicher fühlen. Rauchen signalisiert anderen, zu denen ich gehören möchte, ein Lebensgefühl: Viele, die ich mag, rauchen, also auch ich, das gilt besonders für Jugendliche.Gegen dieses Gruppengefühl können Lehrer und Eltern mit noch so schlauen aber langatmigen Infoabenden nicht konkurrieren. Außerdem kann man mit Rauchen gut Nervosität überspielen, also wenn die Unsicherheit steigt, etwas mit den Händen anfangen, und es hat den Vorteil, anderen etwas anbieten und schenken zu können, zum Beispiel in der Hotelbar jemandem, den man kennen lernen möchte, ein Streichholz. Wenn dann die „Fluppe ein guter Kumpel“ geworden ist, geht es uns wie bei allen Suchtmitteln, wir brauchen sie, um die Entzugserscheinungen zu überbrücken (wie bei Alkohol „nichts hilft besser gegen einen Kater als ein Schnaps“). Das ist bei Zigaretten aus zwei Gründen etwas tückisch: Sie sind erstens Designerdrogen, d.h. enthalten zahlreiche chemische Zusatzstoffe, so dass nicht die Abhängigkeit von Nikotin allein im Vordergrund steht, sondern von allen möglichen anderen Giftstoffen auch. Zweitens ist meist unbekannt, dass eine Inhalation den Wirkstoff schneller ins Gehirn befördert, als dies ein Fixer mit einem Schuss Heroin zustande bringt. Die Wirkung ist mit einem tiefen Zug schlagartig und voll da, was im Gehirn eine besonders heftige Abhängigkeit fördert.

Bildquelle: Jochen Affeldt

Auf dem Flughafen und im Flugzeug
Auf deutschen Flughäfen ist das Rauchen bereits seit den 1990er Jahren nur noch in speziell ausgewiesenen Zonen erlaubt. Zukünftig soll ein neuer Lösungsansatz verfolgt werden. Wie bereits auf anderen internationalen Flughäfen, zum Beispiel in Hong Kong und Singapur, werden rundum abgeschlossene Raucherkabinen aus Glas errichtet, die mit einem speziellen Belüftungssystem ausgestattet sind. Darin können Raucher von ihren nicht rauchenden Mitreisenden “wie Fische im Aquarium” beobachten werden. Im Allgemeinen werden Maßnahmen des Zusammenpferchens und Ausgrenzens von den Rauchern akzeptiert. Auch für zahlreiche Airlines gilt inzwischen die Devise: “No smoking”. Die ersten Nichtraucherflüge wurden in Nordamerika etabliert, wo sich die Fluggesellschaften einer starken Anti-Raucher-Lobby beugen mussten. 1995 führte Lufthansa erstmals Nichtraucherflüge ein. Mit welcher Strafe das Rauchen an Bord geahndet wird, richtet sich nach der Gesetzgebung des Landes über dessen Hoheitsgebiet sich die Maschine bei dem Vorfall befindet. Das deutsche Luftverkehrsgesetz behandelt das Rauchen im Flugzeug als „Ordnungswidrigkeit“; dies kostet zwischen 150 und 300 Euro Strafe. In den Vereinigten Staaten gilt das Rauchen an Bord als Sicherheitsverstoß und kann mit umgerechnet etwa 18.000 Euro Strafe geahndet werden. Ein einheitlicher internationaler Rechtsstandard existiert nicht. Unabhängig von ordnungsrechtlichen Aspekten ist das Rauchverbot in Flugzeugen medizinisch in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Die Luft in der Flugzeugkabine ist äußerst trocken und auch wesentlich “dünner” (25% geringerer Sauerstoffpartialdruck) als am Boden. Eine zusätzliche Schadstoffbelastung kann bei Patienten mit Herz- oder Atemwegserkrankungen zu Problemen führen. Auch gilt das Rauchen als Risikofaktor für die Entstehung einer Reisethrombose. Besonders bei Übergewicht erhöht das Körperfett den Druck auf die Venen im Bauchraum und in den Beinen. Es entsteht ein Blutstau. Kommen dann noch Rauchen und Bewegungsmangel hinzu, steigt das Thrombose-Risiko um ein Vielfaches!

Das gilt besonders für Frauen, die Hormontabletten („die Pille“) einnehmen und gleichzeitig rauchen. Diese Frauen sind auf Reisen auch in einer anderen Hinsicht gefährdet: Schadstoffe der Zigaretten werden über den Muttermund ausgeschieden und schwächen dort die lokale Abwehr gegen Viruserkrankungen. In der Scheide verändert sich die natürliche Bakterienbesiedlung, so dass bei Raucherinnen (insbesondere wenn Sie die Pille nehmen) mit einem höheren Risiko von Pilzinfektionen gerechnet werden muss.

Bildquelle: Denis Zimmer

Am Urlaubsort
In bestimmten Urlaubsgebieten - vor allem in den großen Ballungsräumen von Entwicklungs- und Schwellenländern - muss mit erheblicher Luftverschmutzung gerechnet werden. Schadstoffe werden aus den Schornsteinen unzähliger Privathaushalte und aus privater Müllverbrennung freigesetzt; hinzu kommen Luftbelastungen durch den Straßenverkehr und die Industrie. In Mexiko-Stadt beispielsweise werden laut einer UN-Studie die internationalen Richtwerte für Schwefeldioxid, Mikropartikel, Kohlenstoffmonoxid und Ozon um mehr als das Doppelte überschritten. In Städten wie La Paz (Hauptstadt Boliviens), die sich in einer Höhe von über 3.000 m über dem Meeresspiegel befinden, muss der Körper neben der Schadstoffbelastung auch noch die “dünne” Höhenluft verkraften. Eine zusätzliche Belastung der Lunge muss schlecht für die Gesundheit sein. Auf der anderen Seite ist es möglich, dass sich Raucher im Reiseland noch stärkeren Repressionen ausgesetzt sehen als sie es aus Deutschland gewohnt sind. Als relativ raucherunfreundliche Länder gelten Italien und Irland. Auf noch weniger Toleranz müssen sich reisende Raucher außerhalb Europas einstellen. Besonders streng sind die Vorschriften in Thailand, Singapur, Australien und den USA. Hier drohen nicht nur gesellschaftliche Ächtung sondern zum Teil auch empfindlich hohe Geldstrafen.


Fazit
Als Raucher/in hat man es nicht leicht. Die Abhängigkeit von der Zigarette reist mit.
Andererseits kann eine Reise als Chance gesehen werden, eingeschliffene Verhaltensmuster zu durchbrechen. Hilfsmittel und Unterstützungsmaßnahmen, die einen Entzug unterstützen können (Nikotinpflaster, Akupunktur) sind nur wirksam, wenn der Wille stark genug ist, die unangenehmen Auswirkungen des Entzugs zu überstehen. Wenn Sie mit dem Vorsatz herangehen, „eigentlich“ aufhören zu wollen, wird dies eine unnötige aber folgenlose Quälerei bleiben. Es ist daher am besten sich mit Unterstützung durch Freunde und Familie oder sogar mithilfe professioneller Trainer am Urlaubsort auf eine Verhaltensänderung einzustimmen.

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RMZ, 07.12.2012