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Qi Gong
Der Begriff Qi Gong ist ein moderner Ausdruck für traditionelle chinesische Bewegungsübungen. Die Ursprünge chinesischer Atem- und Bewegungstechniken liegen etwa 4.000 Jahre zurück und entwickelten sich aus schamanistischen Tänzen. Im ersten Jahrtausend nach unserer Zeit wurden diese Übungen insbesondere durch indische Yogaübungen und ggf. auch persisch-europäische Bewegungsarten (Gymnastik) beeinflusst. Gong bedeutet Training und Qi bezeichnet die Energie etwas zu tun. Viele dieser Übungen wurden einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung im Zusammenhang mit Gesunderhaltungsstrategien und Akupunktur erstmals beschrieben und dienen dem Ziel, ein langes und zufriedenes Leben führen zu können.
Der Begriff Qi beschreibt Wirkzusammenhänge, die im Zentrum der chinesischen, psychologisch ausgerichteten Philosophie stehen. Im chinesischen Schriftzeichen, das darunter verstandene Energiepotential, dargestellt als Dampf über einer Reisschüssel. In der europäischen Philosophie geht es darum was es ist (Teil, Wahrheit, Begriff), in China interessiert man sich mehr für das wie etwas wirkt, für die Beziehungen zwischen den Dingen. Qi ist daher eher eine Beschreibung für eine Energie, die sich aus der Vibration aller Zellen ergibt und aus den Kraftfeldern, die von außen auf den Organismus einwirken. Bildhaft ist mit Qi ein in sich ruhendes Potential einer Gitarrensaite gemeint, die angeregt in Schwingung gerät und dann ungestört tönen kann. Die Saite in diesem Bild wäre der Körper, der durch Training gestärkt und flexibel gehalten werden kann, mit dem Ziel einen harmonischen Klang eines größeren Ganzen zu erzeugen. Die Energieübertragung über eine gedehnte Muskel-Sehnenkette verläuft wesentlich schneller, als die Nervenleitung und ist damit die Basis der Bewegungsfähigkeit von Lebewesen. Aufmerksamkeit, Atmung und Wahrnehmung des Umfeldes werden in die Bewegung harmonisch integriert: „das Ji (die unbewusste Vorstellung, etwas bereits getan zu haben) bewegt das Qi (die unbewusste Bereitstellungsenergie) und das bewegt den Körper (Muskeltätigkeit, die bewusst erlebt wird)“. Moderne wissenschaftliche Bewegungsphysiologie und Hirnforschung und QiGong Traditionen decken sich in weiten Bereichen und werden an zahlreichen Universitäten gemeinsam weiterentwickelt (was eine klassisch chinesischen Methode zu einer weltweiten, kulturübergreifenden Bewegungslehre macht: Beispiel Stresspräventionsformen) . Die Grundlage traditioneller QiGong-Übungen bilden die drei Regulationen (san tiao):
Stilles Qi Gong erfordert geringe oder auch keine äußeren Bewegungen, und kann deshalb auch von Schwerkranken erlernt und ausgeführt werden, mit den Schwerpunkten der Körperwahrnehmung und der Atemharmonisierung.
Für die Praxis der Übungen ist die Vorstellung dessen, was Qi sei, belanglos und entsprechend dem undogmatischen Ratschlag von KongfuTse : „statt zu fragen wie es ist, frage was du tun sinnvolles kannst, wenn es so wäre.“ D.h. fühlt sich das, was getan wird harmonisch an, eröffnet es neue Möglichkeiten der Entwicklung, führt es zu mehr gelöster Aktivität: dann ist es auch gut, egal ob es aus der Theorie der Meridianlehre oder aus der Hirnforschung begründet sein mag.
"Qi-Ball" u.ä. Methoden versuchen Elemente des Qi Gong mit westlicher Gymnastik zu verbinden, wobei das wirksame Training geistiger Fähigkeiten (Vorstellen, d.h. durch Aktivität von Hirnregion korrespondierende periphere Körperregionen zu beeinflussen, zu konzentrieren und wahrzunehmen) und deren Flexibilisierung in den Hintergrund tritt.
Angestrebte Wirkung
Wissenschaftliche Hinweise
Aussagekräftige Studien liegen vor. Qi Gong ist als geeignete Entspannungs- und Erholungsmethode anerkannt, wird in universitären Sportinstituten erforscht und weiterentwickelt. Chinesische Sportuniversitäten sind um eine Systematisierung und Standardisierung der Methode bemüht. Aktuelle Forschungsergebnisse der Deutschen QiGong Gesellschaft liegen vor.
Risiken und Gegenanzeigen
Qi Gong Übungen sind (ähnlich wie Yoga) wirksam und daher auch nebenwirkungsreich bei falscher Anwendung. Verkrampfte Menschen können sich bei zwanghaftem trainieren noch mehr verkrampfen. Psychische Störungen müssen sich nicht lösen, sondern können sich in unqualifizierten Kursen auch verstärken. Auch körperliche Störungen wie Knie oder Rückenschmerzen sind bei fehlerhaft ausgeführten Übungen möglich, ebenso Schwindel, Kopfschmerzen oder Blutdruckveränderungen.
Qualitätskontrolle
1996 wurde in Deutschland der Dachverband für Taichi und Qigong gegründet. Bemühungen um eine internationale Dachstruktur. China ist stark daran interessiert, die Qualitätsführerschaft wieder zu erlangen, hat aber in der Kulturrevolution die Initiative an zahlreiche andere Länder verloren, in die qualifizierte chinesische Trainer emigrierten. Verschiedene Internationale Verbände betreiben derzeit jeweils sehr unterschiedliche Formen von Qualitätssicherung. Nationale Dachstruktur. Eine einheitliche Ausbildung ist vorgegeben. Qi Gong wird auch im Rahmen einer Ausbildung in traditioneller chinesischer Medizin zur Krankheitsbehandlung gelehrt.