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Medikamente: Homöopathie

Homöopathie

Die Homöopathie wurde von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755 -1843) entwickelt. Sie ist in Europa (insbesondere in Deutschland und Frankreich) und auch in Indien weit verbreitet.

Hahnemann kommt das historische Verdienst zu, klar erkannt zu haben, dass die damals betriebene Praxis der Medizin erheblichen Schaden anrichtete, ohne einen erkennbaren Nutzen mit sich zu bringen. Aderlass, Schröpfen, Hantieren mit unsauberen Händen und Instrumenten, Einläufe und Brechmittel waren die üblichen Methoden der Krankenbehandlung und hochgefährlich: George Washington und Ludwig der XIV wurden damit solange traktiert bis sie tot waren. Die erste bekannte wirksame Maßnahme der europäischen Medizin, die Anwendung von Zitronensaft gegen Skorbut, wurde von Kapitänen gegen den massiven Widerstand der gelehrten Ärzteschaft eingeführt. Zeitzeugen beschrieben damals die Lazarette als Todesfallen, aus denen es kein Entrinnen gab. Warum gingen die Menschen dann im 18. Jahrhundert zum Arzt, wenn dieser doch bei genauem Hinsehen bestehendes Leid nur verschlimmern konnte? Weil es vielen half, trotz der Nebenwirkungen. Des Rätsels Lösung liegt im Verständnis für ein hochwirksames Heilungsprinzip: den Plazeboeffekt. Wenn Patient und Arzt zutiefst an eine Maßnahme glauben, und sei es ein Aderlass, dann werden die Selbstheilungskräfte des Patienten mobilisiert. Ein antiker Arzt hatte es bereits 1500 Jahre vor Hahnemann so formuliert: „Die Aufgabe des Arztes ist es, den Patienten abzulenken, bis die Natur sich selbst geholfen hat.“

Durch Hahnemann wurde 1790 ein geniales Prinzip eingeführt, dass bis zur Entwicklung der ersten wirksamen Medikamente (Penizillin um 1920) der Mehrheitsmedizin deutlich überlegen war:

  • Der Arzt wird durch die Methode gezwungen, sich intensiv mit dem Patienten zu beschäftigen, auch mit dessen Befinden, seinen Gefühlen und Alltagssorgen.
  • Die Medikamente sind garantiert nebenwirkungsfrei, d.h. der Arzt kann durch die Medikamentenverordnung keinen Schaden anrichten. Damit entspricht Homöopathie dem ärztlichen Grundgebot „Nicht schaden!“, mit dem andere Methoden oft relativ leichtfertig umgingen.
  • Die Methode ist sehr preiswert.

Ob homöopathische Medikamente zusätzlich auch pharmakologisch wirken oder nicht, ist heute sehr umstritten (1). Beweise für einen spezifischen Effekt homöopathischer Heilmittel sind laut dieses Artikels schwach. In einer großen Vergleichsuntersuchung zahlreicher Studien zeigte sich keine bessere Wirkung homöopathischer Medikamente im Vergleich mit Plazebos (2). Da Plazebos, d.h. das Vertrauen und der Glaube des Patienten an den Arzt und an sich selbst, hochwirksam sind, ist es nicht zwingend notwendig, dass Homöopathika noch besser abschneiden müssen.

Was ist Homöopathie
Der Begriff der Homöopathie ("ähnliches Leiden") leitet sich von der Ähnlichkeitsregel her (Similia similus curentur: „Ähnliches wird ähnlich geheilt“). Die Ähnlichkeitsregel der Homöopathie besagt, dass Krankheiten dann am erfolgreichsten behandelt werden können, wenn das Gesamtkrankheitsbild dem Vergiftungsbild des Arzneimittels, das zur Behandlung gegeben wird, möglichst ähnlich sieht. Das Leiden (pathie) wird also mit etwas Gleichem (homoio = gleich) respektive mit etwas Ähnlichem behandelt. In der universitären Medizin wird hingegen „mit etwas Anderem“ behandelt, nämlich mit allopathischen (allos = anders) Mitteln, die gegen das Symptom oder gegen die angenommene Ursache der Krankheit gerichtet sind.

Das dem Krankheitssymptom ähnliche Mittel wird in der Homöopathie in sehr kleinen Dosen gegeben. Es wird z.B. 1 Tropfen in 9 Teilen Alkohol, Wasser oder Milchzucker verteilt (1:9 = 1. Dezimal-Potenz = D1) und davon wieder 1 Tropfen in 9 Teilen (D2). Eine Mischung im Verhältnis 1:99 wird als 1. Centesimal-Potenz oder C1 bezeichnet. D4, D5, D6 Zubereitungen sind in der Homöopathie nichts ungewöhnliches, auch Potenzen von C200 und D200 sind gebräuchlich. Die Theorie dahinter besagt, dass „die Medizin wie ein Samenkorn aufgehen soll“, also einen Anstoß zur Heilung bringen soll und dass je höher "potent" die Zubereitung sei, also je verdünnter, desto wirksamer sei sie.

"Klassisch" orientierte Homöopathinnen, d.h. die sich der Grundtradition von Hahnemann verbunden fühlen, lehnen eine Mischung von homöopathischen Mitteln untereinander, oder von homöopathischen Mitteln mit allopathischen Mitteln oder eine reine Symptombehandlung ab. Sie betonen außerdem besonders die "homöopathische" Persönlichkeitsanalyse und -beeinflussung. Weniger klassisch orientierte weichen von diesen Vorgaben durchaus ab, behandeln Symptome und nicht die "Persönlichkeit" an sich und verordnen Mischpräparate. So gibt es also auch innerhalb der Homöopathie, ebenso wie in der universitären Medizin und der Naturheilkunde, unterschiedliche Richtungen und Strömungen.

Naturwissenschaft und Homöopathie

Naturwissenschaftler stellen klare Fragen, deren Beantwortung nur möglich ist, wenn alle störenden Elemente des Umfeldes in einem Experiment ausgeschlossen werden. Galileo, einer der ersten herausragenden Wissenschaftler, fand z.B. heraus, dass eine Feder und eine Stahlkugel gleich schnell fallen müssten, wenn es keine Luft gäbe. Damit hatte er ein Naturgesetz entdeckt. Die Realität ist allerdings komplex und daher fallen Feder und Kugel im Wind sehr verschieden zu Boden. Eine Verwechslung der reduzierten wissenschaftlichen Erkenntnis mit der komplexen Realität führte zu falschen Vorstellungen. Die Homöopathie wehrt sich daher gegen den Anspruch der Naturwissenschaft auch komplexe Wirkzusammenhänge mit reduzierenden Meßmethoden überprüfen zu wollen. Andererseits empfehlen in Ländern, in denen sich medizinische Methoden kritischen Prüfungen unterziehen lassen müssen, Gutachten große Zurückhaltung hinsichtlich der Homöopathie: “da es z.Z. nur ungenügende Hinweise für die Evidenz von Effektivität gibt und ggf. andere Methoden der Krankheitsbehandlung nicht rechtzeitig wahrgenommen würden“ (3). Der Nebel schwammig unklarer Begriffe wie Ganzheitlichkeit schützt eben nicht vor skeptischen Fragen.

Für Naturwissenschaftler ist es schwer nachvollziehbar, dass etwas wirken soll, was gar nicht mehr da ist. Auch mit dem Gedächtnis des Wassers tun sie sich schwer, da die Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den einzelnen Molekülen sehr schwach ausgebildet sind, sich also Wasser im flüssigen Zustand ständig verändert und nur in der Kristallstruktur unterschiedliche Muster zeigt, je nachdem, welche Inhaltsstoffe es trägt oder welchen Schwingungen es ausgesetzt war.

Interessant für die Naturwissenschaft ist aber die Beobachtung, dass in lebenden Organismen kleinste Mengen körpereigener Stoffe Rythmusveränderungen bewirken können, die sich wie Wellen ausbreiten oder zu aufschaukelnden Veränderungen führen. Auch die Impfung mit Totimpfstoffen zeigt, dass die Einbringung winzigster Mengen von Wirksubstanzen lang andauernde Wirkungen hervorrufen. Und zuletzt wird es weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen des Phänomens gegeben, dass die Behandlung mit Homöopathika bei Tieren erfolgreich sein könnte. Dabei müsste es sich allerdings um Tiere handeln, die nicht über eine Ausbildung von Gefühlen verfügen, da sich der Plazeboeffekt über eine Beziehung und die Entstehung von Vertrauen und Sicherheit vermittelt, wozu nur Säugetiere fähig sind. Denkbar wären deshalb Untersuchungen an Reptilien oder sehr einfachen Lebewesen.

Homöopathie und Reisen
Wenn eine eigene homöopathische Apotheke mitgeführt wird, spricht auch auf Reisen nichts gegen die Anwendung der Medikamente. Vom Kauf von Homöopathika in Länder mit schlechten Arzneimittelkontrollen (Indien) sollte abgesehen werden, gerade wegen des Grundsatzes: „Es darf nicht schaden!“.

Homöopathie und Malaria
Der Grund warum immer wieder Homöopathika gegen Malaria angeboten werden, mag daran liegen, dass Hahnemann anhand dieser Erkrankung sein Ähnlichkeitsprinzip entwickelte: Sein berühmter erster Selbstversuch waren Experimente mit Chinarinde, wobei er an sich beobachtete, dass Chinarinde Fieberschübe auslöste, die der Malaria ähnlich waren. Da aber Chinarinde zur Behandlung der Malaria eingesetzt wurde, folgerte er daraus, dass Chinarinde wirke, weil sie malariaähnliche Symptome hervorrufe.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt sehr klar davor, eine Malariaprophylaxe homöopathisch vorzunehmen und sieht eine akute Gefährdung bei Patienten, die sich auf eine homöopathische Prophylaxe verlassen. Wirksame Mittel der Malariavorbeugung ist der Mückenschutz, die sofortige wirksame Behandlung im Falle einer Infektion und in Ländern mit hohem Malariarisiko (z.B. Zentralafrika) eine Prophylaxe mit den international empfohlenen Medikamenten.

Literatur

  • (1) Vickers A, Zolmann C: Homoeopathy, BMJ 1999 (319) 1115-1118
  • (2) Shang A et.al.: Are the clinical effects of homoepathy placebo effects? Lancet 2005 (366): 726
  • (3) Leeds MH: Use of homeopathy in NHS not justified BMJ 2002;324:565 (9th March)

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RMZ, 17.10.2012