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Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Medikamente: Doxycyclin-Vorbeugung

Malariaprophylaxe mit Doxycyclin — Einfluss auf die bakterielle Flora


Einleitung

Nach groben Schätzungen besitzt jeder Mensch rund 50 Billionen Körperzellen. Die Zahl der Mikroorganismen, die jeder Mensch auf seiner Haut, im Darm und auf seinen sonstigen Schleimhäuten beherbergt, liegt noch etwa zehnmal höher! Mithilfe molekularbiologischer Techniken wie der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist erstmals eine gründliche Analyse unserer bakteriellen Flora möglich. Scheinbar ist die Vielfalt noch wesentlich größer als erwartet. An unterschiedlichen Stellen der Haut oder des Darmes finden sich oft völlig unterschiedlich zusammengesetzte Artengemeinschaften von Mikroorganismen. Der weit überwiegende Teil der bakteriellen Besiedelung hat für den Wirt positive Effekte. Hierzu kann ein Schutz vor Krankheitserregern oder eine bessere Verwertung von Nahrungsbestandteilen gehören.

Fehlbesiedelung des Darmes
Im Zuge einer Antibiotikatherapie werden nicht selten Symptome einer “Fehlbesiedelung” registriert.  Am häufigsten in diesem Zusammenhang treten Darmgeräusche und Blähungen auf. Seltener finden sich auch Durchfälle.
Nachweisen lässt sich eine unphysiologische Besiedelung am ehesten durch den Laktulose-H2-Test. Laktulose setzt sich aus Milchzucker und Fruchtzucker zusammen. Im Dickdarm wird Laktulose durch die “normalen” (physiologischen) Darmbakterien unter Freisetzung von Wasserstoff (H2) aufgespalten. Diese Wasserstoffmoleküle lassen sich in der Ausatemluft nachweisen. Kommt es nach der Gabe von Laktulose nicht zu einem Anstieg der H2-Konzentration in der Ausatemluft, kann dies ein erster Hinweis auf eine gestörte Darmflora sein. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind jedoch nicht immer eindeutig, da mindestens 10% der Bevölkerung keine H2-produzierenden Bakterien in der Darmflora besitzen.

Kollateraleffekte durch Doxycyclin
Der Einsatz von Antibiotika ist vor allem bei schweren Erkrankungen oft unverzichtbar.
Allgemein bekannt ist hingegen auch, dass ein unkritischer Einsatz von Antibiotika, abgesehen von direkten Nebenwirkungen, auch zu indirekten Schäden durch Zerstörung der Darmflora führen kann. Besonders auffällig in diesem Zusammenhang ist das häufig beobachtete Auftreten von vaginalen Pilzinfektionen nach der Einnahme von Doxycyclin.
Bei allen Antibiotikaeinnahmen kann in seltenen Fällen eine spezielle Fehlbesiedelung des Darmes mit Clostridium difficile-Bakterien auftreten. Dies kann zu dem Bild der pseudomembranösen Kolitis führen. Hierbei handelt es sich um eine schwere Darmentzündung mit Fieber, heftigen Bauchschmerzen und Diarrhöen mit z.T. erheblichen Flüssigkeitsverlusten. Die Symptome werden durch Giftstoffe (Toxine) ausgelöst, die von den Clostridien im Darm freigesetzt werden.

Gerade das Breitbandantibiotikum Doxycyclin spielt in der Reisemedizin eine zunehmend wichtige Rolle, da es ein, zwar in Deutschland nicht zugelassenes aber dennoch hoch effektives Medikament zur Prophylaxe der Malaria darstellt. Anders als andere Malariawirkstoffe richtet es sich in seiner Aktivität jedoch nicht überwiegend gegen den Malariaerreger, sondern gegen ein breites Spektrum von Mikroorganismen. Im Rahmen einer Malariaprophylaxe wird es je nach Reisedauer über Zeiträume von > vier Wochen bis zu vier Monaten angewendet. Grundsätzlich gilt Doxycyclin als gut verträgliches Antibiotikum, jedoch sind mögliche Auswirkungen und Effekte auf die Darm- und Scheidenflora bislang kaum untersucht. Im Vergleich zur Malariaprophylaxe mit Doxycyclin ist zu berücksichtigen, dass der Einsatz von Antibiotika bei der Behandlung von Infektionskrankheiten meist auf viel kürzere Zeiträume von in der Regel zehn bis 14 Tage beschränkt ist.

Fazit
Grundsätzlich stellt Doxycyclin eine effektive Möglichkeit zur Malariaprophylaxe dar, vor allem in Ländern mit ausgeprägter Resistenzsituation. Meist stehen jedoch auch andere Medikamente zur Verfügung. In jedem Fall ist eine gründliche Abwägung der Vor- und Nachteile der einzelnen Regime und eine auf den individuellen Reisenden abgestimmte Entscheidung sinnvoll.

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RMZ, 03.08.2012