Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Lebererkrankungen

Lebererkrankungen

Allgemein
In den Industrieländern werden jährlich mehr als 250 neue chronische Lebererkrankungen pro 100.000 Einwohnern diagnostiziert. Hierbei handelt es sich meist um einen bindegewebigen Umbau des Organs (Zirrhose), der sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Häufige Ursachen der Erkrankung sind Alkoholmissbrauch, Virusinfektionen (z.B. Hepatitis B oder C), Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen.

Während sich die sehr viel häufigere Fettleber wieder zurückbilden kann, handelt es sich bei der Leberzirrhose um eine dauerhaftere Gesundheitsstörung. Wird ein größerer Teil der Leberzellen durch Bindegewebe ersetzt, so resultieren Einschränkungen der Leberfunktion bis hin zum Leberversagen. Die einzige Behandlung einer weit fortgeschrittenen Zerstörung des Lebergewebes stellt die Lebertransplantation dar.

Reisefähigkeit
Während bei einer akuten Entzündung der Leber die Reisefähigkeit stark eingeschränkt ist, brauchen Patienten mit chronischem Leberleiden nicht auf Reisen zu verzichten. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung sind ausgedehnte Reisen jedoch in der Regel nicht ratsam. Zudem sind die Möglichkeiten für Fernreisen eingeschränkt, sobald Patienten in die Lebertransplantationsliste aufgenommen wurden. Die ständige Erreichbarkeit ist dann erforderlich für den Fall, dass plötzlich ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht. Nach Transplantation kommt es oft zu einer deutlichen Verbesserung des Befindens. Da in der ersten Zeit noch relativ hochdosierte Medikamente zur Hemmung des Immunsystems gegeben werden, sollten vor Ablauf des ersten Jahres nach Transplantation auf ausgedehntere Fernreisen verzichtet werden. Nach Ablauf eines Jahres können bei gutem Gesundheitszustand auch weitere Reisen ins Auge gefasst werden. Mit einem weiterhin erhöhten Infektionsrisiko muss gerechnet werden.

Patienten mit ausgeprägter Leberzirrhose sind oft anfälliger für Infektionen, wichtige Eiweißstoffe für Immunsystem und Blutgerinnung werden vermindert produziert. Im Falle einer Autoimmunhepatitis oder nach Lebertransplantation kommen Medikamente (Immunsuppressiva) zum Einsatz, die die Abwehrlage noch zusätzlich schwächen. Generell sollten Patienten mit chronischen Leberleiden Belastungen des Organs durch Alkoholgenuss und unnötige Einnahme von Tabletten vermeiden.

Vermeidung von Infektionen: allgemeine Tipps
Gemeinsam mit dem Arzt können vor einer Reise die wichtigsten Punkte für die erfolgreiche Infektionsprophylaxe durchgesprochen werden. Besonders wichtig ist die Hygiene. Dies umfasst die allgemeine Hygiene (z.B. häufiges Händewaschen und Verwenden sauberer Handtücher) wie auch die Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene. Speisen sollten möglichst frisch gekocht, gebraten oder gedünstet auf den (sauberen!) Teller kommen. Obst kann gesäubert und dann geschält werden. Auf offenes Mineralwasser oder Brausegetränke (Vorsicht: Eiswürfel) kann relativ leicht verzichtet werden. Besser ist es, verschlossene Flaschen internationaler Herstellerfirmen zu kaufen. Auch ein direkter Kontakt mit dem Erdreich (Gartenarbeit o.ä.) sowie das Schwimmen im mehr oder weniger gut gechlorten Swimming-Pool sollten unterbleiben. Sollte während der Reise ein Durchfall auftreten, so kann mit einem Arzt rechtzeitig das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Oft reicht bereits ein Ausgleich der verlorenen Flüssigkeit und Mineralstoffe durch Behandlung mit Salz-Zucker-Mischungen.

Schutzimpfungen
Bestimmte Erkrankungen wie die Hepatitis A und Hepatitis B können bei Patienten mit chronischer Leberschädigung besonders schwer verlaufen. Durch Impfungen können diese Erkrankungen vermieden werden. Besonders die Hepatitis B-Impfung schlägt bei Leberkranken jedoch weniger gut an als bei Gesunden. Daher sollte der Impferfolg abschließend durch eine Antikörperkontrolle überprüft werden. Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten auch regelmäßig eine Impfung gegen Grippe (Influenza), Pneumokokken (Form der bakteriellen Lungenentzündung) und Meningokokken (Form der bakteriellen Hirnhautentzündung) erhalten. Generell gilt, dass Patienten mit weit fortgeschrittenem Leberleiden oder nach Lebertransplantation keine Impfungen mit Lebendimpfstoff erhalten sollten. Die oben genannten inaktivierten Impfstoffe (einschließlich auch Impfungen gegen Tollwut, Typhus, FSME) können bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit gegeben werden. Es gibt derzeit auch keinen Anhalt dafür, dass inaktivierte Impfstoffe (z.B. Grippeimpfstoff u.v.a.) bei Organtransplantierten mit einem erhöhten Risiko der Organabstoßung einhergehen. Vielmehr können die durch Impfungen vermeidbaren Infektionskrankheiten bei ungeimpften Lebertransplantierten zu einer Organabstoßung führen.

Durch Mücken übertragene Erkrankungen
Zahlreiche Krankheiten in den Tropen und Subtropen werden durch Mückenstiche übertragen. Hierzu gehört nicht nur die Malaria, sondern auch das in Asien, Südamerika und Afrika weit verbreitete Dengue-Fieber. Daher sollte ein gründlicher Mückenschutz betrieben werden. Die Haut kann mit sog. Repellents eingerieben werden. Eine Alternative zum Einreiben großer Hautareale ist das Imprägnieren der Kleidung mit Permethrinspray. Das Spray sollte jedoch nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden; außerdem sollte man imprägnierte Kleidung im Freien auslüften lassen. Der Antimückeneffekt hält bis zu mehrere Monate an. Während der Abendstunden sollte man sich möglichst in mückensicheren Räumen (Klimaanlage, Fliegengitter) aufhalten. Ein Aufenthalt in Gebieten mit Malariarisiko kann jedoch für Personen mit schweren Lebererkrankungen nicht empfohlen werden. Arzneimittel zur medikamentösen Prophylaxe oder Behandlung der Malaria sind nicht zugelassen für Personen mit schwerer Leberschädigung. Auch eine Malaria selbst kann bei Patienten mit Leberschaden einen gefährlicheren Verlauf nehmen. Da also sowohl die Erkrankung wie auch die Therapie und medikamentöse Prophylaxe schwer zu kalkulierenden Auswirkungen auf die Restfunktion einer chronisch geschädigten Leber haben könnten, ist es sinnvoll, malariafreie Regionen für den Urlaub auszuwählen. Bei Aufenthalt in den Regenwaldgebieten des tropischen Afrikas und Südamerikas wird gesunden Reisenden eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Da es sich um eine Impfung mit Lebendimpfstoff handelt, der bei Immungeschwächten mitunter zu einer gelbfieberähnlichen Erkrankung führen kann, ist diese Impfung für Organtransplantierte oder Patienten mit fortgeschrittener chronischer Leberschädigung nicht zu empfehlen. Daher sollten Personen mit gravierender Lebererkrankung möglichst auf Aufenthalte in Gelbfieberrisikogebieten verzichten.

Fazit
Reisen kann bei chronisch kranken Patienten positive Effekte auf die Gesundheit haben. Um die gesundheitsfördernden Möglichkeiten zu maximieren und gesundheitsschädliche Effekte zu vermindern, sollten die Reisepläne rechtzeitig mit dem behandelnden Arzt und ergänzend mit einem erfahrenen Reisemediziner besprochen werden.

Quellen

  • www.lebertransplantation.de
  • CATMAT. The immunocompromised traveller. An Advisory Committee Statement (ACS). Can Commun Dis Rep 2007; 33: 1-24. (Link)
  • Stark K, Günther M, Schönfeld C, Tullius SG, Bienzle U. Immunisations in solid-organ transplant recipients. Lancet 2002;359: 957-65.




 

 



RMZ, 07.02.2012




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