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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Insekten: Läuse u. andere Krabbeltiere

Mitreisende Krabbeltiere

Insekten- und Zecken können in vielen Reiseländern Infektionen übertragen. Lange, luftige, helle Kleidung hält sie auf Distanz und frei bleibende Hautstellen können mit Insektenabwehrmitteln eingerieben werden. Wirksame Inhaltstoffe sind DEET, Icaridin und einige kürzer wirksame, pflanzliche Öle (Kokos-, Eukalyptusöl- oder Walnussöl u.a.). Die Hautverträglichkeit ist individuell unterschiedlich und muss getestet werden. Moskitonetze oder Klimatisierung von Räumen halten Mücken fern. Kleidung und Moskitonetze können zusätzlich imprägniert werden (z.B. durch Pyrethroide, s.u.).

Trotz aller Vorsicht kann es aber vorkommen, dass in der Kleidung, in Koffern oder auf der Haut unliebsame Kleintierchen mitreisen.

Meist können diese Spinnen, Ameisen oder Wanzen beseitigt werden, wenn der Koffer im Bad geöffnet, die Wäsche heiß gewaschen, der Koffer anschließend über der Badewanne ausgeschüttelt oder ggf. mit Seifenwasser ausgespült wird. Eine Desinfektion ist meist nicht erforderlich. Für die seltenen Ereignisse bei denen sich Ameisen o.ä. als zäh erweisen, reichen zur Desinfektion meist Pyrethroide (s.u.), und nur im Notfall dürfen Sachverständige auf potentiell sehr viel giftigere Chemikalien (z.B. Chlorpyriphos, Hexachlorcyclohexan, Benzylbenzoat) zurückgreifen.

Was tun bei Lausbefall
Läuse sind etwa zwei bis drei Millimeter große, flügellose Insekten. Sie besitzen sechs Klammerbeine, mit denen sie sich an Haaren festhalten, und einen Stechsaugrüssel, mit dem sie alle paar Stunden Blut saugen. Läuse durchlaufen folgende Entwicklungsstadien:

  • Befruchtete Weibchen legen täglich bis zu zehn Eier, die sie mit einer wasserunlöslichen Substanz an die Haare in unmittelbare Nähe der Kopfhaut kleben, oder eher lose in der Kleidung hängen (bei der Kleiderlaus).
  • Die sogenannten Nissen (etwa 0,8 mm große, weiße Kügelchen) befinden sich bei der Kopflaus bevorzugt am Hinterkopf, hinter den Ohren und im Nacken: also dort, wo es schön warm ist.
  • Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen aus den Nissen Larven (Nymphen), die den Kopf noch nicht verlassen können.
  • Innerhalb von weiteren acht bis zehn Tagen häuten sie sich mehrmals und entwickeln sich zu geschlechtsreifen erwachsenen (adulten) Läusen.


Kleiderlaus, Blutmahlzeit, Bildquelle: Prof. Garms, BNI

Kopfläuse übertragen im Gegensatz zu Kleiderläusen keine Infektionen. Dagegen können Kleiderläuse Bakterien (Rickettsien, Bartonellen oder Borrelien) übertragen, die fieberhafte Erkrankungen auslösen. Bei Verdacht wäre dann eine ärztliche Behandlung unbedingt erforderlich.

Die Hauptbeschwerde bei beiden Arten von Läusen ist der heftige Juckreiz, der eine Immunreaktion auf Speichelenzyme der Laus darstellt, und bei erstmaligem Befall erst nach Wochen auftreten kann. Daneben finden sich Hautrötungen und, durch das Kratzen bedingte, blutige Wunden der Haut, die sich durch Bakterienbesiedlung entzünden können.

Maßnahmen
Ob Nissen leben oder nicht (d.h. leer sind) ist meist schwer beurteilbar. Allgemein gilt eine Behandlung als notwendig, wenn ein Verdacht besteht, dass ein aktiver Befall vorliegt. Nach einer Behandlung können sich immer noch (leere) Nissen finden, diese sind dann aber durch das Haarwachstum mindestens einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt.

Um Läuse wieder loszuwerden müssen alle möglicherweise mit Läusen oder Nissen in Berührung gekommene Kleidungsstücke und auch die Kuscheltiere, Kämme, Haar- und Kleiderbürsten bei mindestens 60°C gewaschen oder alternativ für zwei Wochen in einem gut verschlossenen Plastikbeutel aufbewahrt werden. In den Haaren müssen die Tiere durch Desinfektionsmittel beseitigt werden. Das Waschen der Haare mit Shampoo säubert nur die Läuse, und auch Föne oder ein Saunabesuch beseitigen sie nicht. Das Risiko, dass eine Laus, die nicht fliegen kann, sich im Teppich verkriecht und dort lange weiterleben könntet, ist dagegen sehr klein. Läuse leben von Blut, daher würden sie ohne Hautkontakt in einer Wohnung verhungern. Trotzdem ist es auch hier gut, „lang gereiste“ Koffer nicht gerade auf dem haarigen Wohnzimmerteppich zu öffnen, um diesen dann nicht anschließend intensiv absaugen zu müssen.

Wenn ein Kind betroffen ist, das Gemeinschaftseinrichtungen besucht, muss der Befall mitgeteilt werden!

Die Desinfektion der Haare kann vorbereitet werden durch Spülungen mit Essig (ein Teil 6%iger Speiseessig auf zwei Teile Wasser, mindestens zehn Minuten einwirken lassen, kein Essigkonzentrat verwenden, oder ein bis drei Esslöffel Essig auf ein Liter Wasser) sollen die Haftung der Läuse und Nissen an den Haaren lockern und das auskämmen mit dem Nissenkamm (spezieller Kamm, Zinken nur 0.2mm auseinander) erleichtern.

Bei einer anschließenden Behandlung ist auf die Einwirkzeit zu achten (in der Regel 45 Minuten). Die Haare müssen dabei durchfeuchtet sein.

Da (bei verträglichen Mitteln) nicht sofort alle Läuse und Eier abgetötet werden, muss die Behandlung mehrfach wiederholt werden. Alternativ hierzu kommt nur die radikale Haarverkürzung in Frage.

Produkte gegen Kopflausbefall:

  • Dimeticon (Jacutin Pedicul Fluid®, NYDA®): Seit Frühjahr 2006 auf dem Markt und seit 2008 zugelassen vom Umweltbundesamt.  Der als „Entblähungsmittel“ verwandte Wirkstoff soll ebenfalls die Atemöffnungen der Läuse verkleben, muss dafür aber 8-18 Stunden im Haar verbleiben. Jacutin Pedicul Fluid® gilt als erste Wahl und NYDA® wird wegen der Sprayzubereitung weniger empfohlen (Quelle: AT 2012, Jg 43 (8):64-66):
  • Öle wirken, in dem sie die Atemöffnung der Parasiten verstopfen, sodass diese ersticken oder austrocknen. Die Läuse sind allerdings nicht auf eine kontinuierliche Atmung und Kreislauffunktion angewiesen, weshalb sich leblose Läuse wieder erholen können, und die Anwendung in jedem Fall wiederholt werden sollte.
    • Kokosöl: MOSQUITO ®, AESCULO Gel L® und GO-Laus® sind Läuseshampoos auf Kokosnussölbasis. Die Behandlung soll, falls am Folgetag noch lebende Läuse mit dem Nissenkamm entdeckt werden, sofort wiederholt werden und auch bei negativen Kontrollen soll die Prozedur nach 8-10 Tagen ein weiteres Mal erfolgen.
    • Die Datenlage zur Wirksamkeit von AESCULO ® und GO-Laus® ist unzureichend , weshalb vom UBA (Umweltbundesamt) nur das soja- und kokosölhaltige MOSQUITO® empfohlen wird. Eine Wirksamkeitsstudie sollte Ende 2008 abgeschlossen worden.
  • Malathinon (INFECTOPEDICUL Malathinon®): zugelassen ab Juni 2012 bei Erwachsenen und Kindern ab zwei Monaten. Malathionon ist ein Organophosphat und wird in einem 1%igen Shampoo angeboten. Die Studienlage ist unbefriedigend (Quelle: AT 2012, Jg 43 (8):64-66). In klinischen Studien werden Heilungsraten von 90% berichtet. Systemische Effekte sind bei korrekter Anwendung nicht zu befürchten.
  • Pyrethrum: ein Auszug aus Chrysanthemenblüten, wird seit mehr als 150 Jahren als Insektizid verwendet. Der Extrakt enthält sechs insektizide Verbindungen (Pyrethrine). Neben den natürlichen Pyrethrinen finden die synthetischen Abkömmlinge (Pyrethroide) Bioallethrin und Permethrin Verwendung. Sie alle greifen am Nervensystem der Läuse an, d.h. sind in großen Mengen auch für Menschen neurotoxisch. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass in Ländern in denen langfristig Einmalbehandlungen praktiziert wurden, Permethrin-Resistenzen aufgetreten sind.
    Verträglichkeit: Rötung, Jucken und Brennen ist örtlich möglich. Augen und Schleimhäute sollten bei Kontakt sofort ausgespült werden. Vereinzelt sind Fälle von Haarausfall beschrieben worden. Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind für das Langzeit-Pyrethroid Permethrin beschrieben, welches von der US-Umweltbehörde EPA als mögliches Kanzerogen eingestuft wird.
    • Pyrethrum-Extrakt (GOLDGEIST FORTE®): Pyrethrum wirkt schnell und gut gegen alle Entwicklungsstadien der Läuse. Einzelne Larven können jedoch nachschlüpfen. Anwendungsdauer: 30-45 min. Nissen sollten mit einem (dünnen) Nissenkamm ausgekämmt werden und die Anwendung sollte nach etwa sieben bis zehn Tagen wiederholt werden
    • Permethrin (INFECTOPEDICUL®): Dieser Wirkstoff ist ein gegenüber Hitze und UV-Licht stabileres Langzeit-Pyrethroid (0,5%). Das Mittel enthält auch 39 Vol.% Alkohol, der die Schädigung des Nisseninhaltes verstärken soll. Gut wirksam gegen erwachsene Läuse und Larven, keine eierabtötende Wirkung, aber wirksam gegen nachschlüpfende Larven. Die Nissen müssen ausgekämmt werden und die Haare dürfen drei Tage nicht gewaschen werden. Anwendung sollte auch hier wiederholt werden, um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern.


Behandlung

  • Empfehlenswert
    • Dimeticon (Jacutin Pedicul Fluid®). Achtung Verwechslungsgefahr zu anderen Jacutin-Produkten s.u.
    • Dimeticon (Nyda®). Nachteil: Sprayzubereitung
       
  • Weniger empfehlenswert oder zweite Wahl
    • Pyrethrum Extrakt (Goldgeist forte®)
    • Kokosöl (Mosquito® Läuseshampoo)
    • Infectopedikul®: wegen des höheren Risikos der Resistenzbildung Mittel der Reserve
       
  • Hinweise
    • Alle Sprayzubereitungen bergen das Risiko einer Aufnahme der Inhaltsstoffe über die Lunge und die Gefahr von Verpuffungen mit möglichen schweren Verbrennungen.
    • Alle Mittel sind mindestens zweimal im Abstand von acht bis zehn Tagen anzuwenden.

  • Wirksam, aber sehr nebenwirkungsreich bis gefährlich
    • Bioallethrin und Piperonylbutoxid (Jacutin N®, Jacutin Pedicul Spray®). Das Produkt ist gefährlich bei Asthma oder anderen bronchopulmonalen Erkrankungen. Wegen der Vernebelung und dem damit erhöhten Risiko einer Aufnahme mit der Atemluft wird von der Anwendung abgeraten. Über Vergiftungserscheinungen wurde berichtet.
    • Neemöl (Niemolind®). Schwere Vergiftungen mit Reye-Syndrom bis hin zum Tod bei Kleinkindern sind beschrieben worden.
    • Hexachlorcyclohexan (Lindan®): gehört wie DDT zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen, die als Nervengift wirken. Lindan ist enthalten in Jacutin Gel® und in der 1%igen Delitex-Haarwäsche®. Wegen dokumentierter schwerer Schadwirkungen wie Parästhesien, Krampfanfällen sowie Todesfällen wird von Lindan abgeraten!

 Quelle:

  • Arznei-Telegramm, 2006, 37:79-83
  • Arznei-Telegramm, 2008, 39:125
  • Arznei-Telegramm, 2012, 43:64-66

 

Links:



RMZ, 24.10.2012