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Immunsystem
Wovon hängt eine gelungene Immunabwehr ab?
Was stärkt das Immunsystem?

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Was nützt nur manchmal?
Welche Faktoren schwächen das Immunsystem?
Immunsystem
Das Immunsystem des Menschen hält in einem fein abgestimmten, eigendynamischen Wechselspiel vieler Körperzellen Risiken fern, ohne dabei Nützliches oder Gesundes zu gefährden. Dieses Gleichgewicht zwischen Aggression und Toleranz unterliegt einem Rhythmus. Bei einer unmittelbaren äußeren Bedrohung ist die Immunabwehr unwichtig für das unmittelbare Überleben, alle Energie wird dann für Kampf- oder Fluchtreaktionen zur Verfügung gestellt, und Hormone, die wie Kortison solche Stress-Reaktionen vermitteln, schalten dann die Immunabwehr ab. Hochaktiv werden die Abwehrzellen dagegen bei einem Verdauungsnickerchen, bei dem Millionen fremder Eiweißstoffe auf ihre Verwertbarkeit und ihr Gefahrenpotenzial durchmustert werden. Die Steuerung des Hirns für Herz-, Lungen- und Immunfunktion ist gleich und bewirkt in Ruhe und Sicherheit eine Dämpfung des Herzrhythmus und der Atemfrequenz bei gleichzeitiger Tonisierung der Organe der Immunabwehr. Stellen Sie sich einen erfahrenen Dorfpolizisten vor, der eher gelangweilt und träge auf die gewohnten Konflikte seiner Mitbewohner reagiert, aber plötzlich hellwach und aufmerksam verdächtig fremde Gestalten beobachtet, die Unruhe stiften könnten. Wäre er im Alltag zu aufgeregt und hektisch, brächte er das friedvolle Zusammenleben völlig durcheinander, und würde er echte Gefahrensituationen verschlafen, ginge es dem Dorf an den Kragen. Beide Arten von Fehlverhalten stören das Funktionsgleichgewicht und führen zu Krankheit.
Reisen wirken sich sehr unterschiedlich auf das Immunsystems aus:
Es macht also für Reisende Sinn, sich ein wenig mit diesem spannenden Aspekt des Menschen zu beschäftigen.
Wie funktioniert das Immunsystem?
Die im wörtlichen Sinn größte Bedeutung für die Abwehr gefährlicher Kleinorganismen hat die Haut. Sie bietet einen mechanischen Schutz gegenüber fremden Lebewesen, die versuchen einzudringen. Im äußerlich sichtbaren Bereich der Haut liegt oberhalb dachziegelartig geschichteten Zellen eine dicke Hornschicht, die bei den inneren Schleimhäuten in der Mundhöhle oder in der Scheide fehlt. Diese ist aber mit einer Schicht von Abwehrstoffen (Antikörper der Klasse IgA) überzogen, die Eindringlinge abbremst. Zahlreiche Abwehrzellen lauern hier eingestreut zwischen den Hautzellen auf mögliche Eindringlinge. Im Körperinneren, z.B. der Harnröhre, dem Muttermund oder in den Bronchien, geht Schleimhaut in eine dünne und leicht verletzliche Zellschicht über, die mit Flimmerhäarchen Fremdes nach außen zu transportieren sucht. Die Magenschleimhaut schließlich tötet fremdes Eiweiß mit Salzsäure ab. Besonders interessant wird es im Dünndarm, da hier täglich eine Unzahl fremder Eiweißbestandteile transportiert und verdaut wird und die Immunabwehr sehr genau zwischen „Gut und Böse“ unterscheiden muss. Dabei hilft die ständige Auseinandersetzung mit unseren harmlosen und nützlichen Mitbewohnern, den so genannten kommensalen Bakterien (lat. commensalis: Tischgenosse). 100 Billionen dieser Keime leben auf und in uns, weitaus mehr als wir an Körperzellen besitzen. Die Immunabwehr lernt mit diesen Bakterien auf einen „leichten Windhauch“ der Veränderung nicht sofort mit dem vollen Abwehrarsenal zu antworten. Verschiedene Fresszellen (Macrophagen, M-Zellen, dendritische Zellen) nehmen an den Oberflächen Fremdsubstanzen an, verschlingen und zerlegen sie und präsentieren winzige Bestandteile des möglichen Feindes anderen Zellen (T-Zellen). Diese verfügen über unendlich viele verschiedene Erkennungshäarchen in ihrem äußeren „Pelz“. Wenn eines ihrer Häarchen zufällig zu einer dargereichten Eiweißstruktur (Antigen) passt und daran hängen bleibt, werden sie durch diese Verbindung mit dem Antigen aktiviert. Sie können dann über Botenstoffe andere Zellen dazu veranlassen, Bindungsstoffe herzustellen, die genau zu dem erkannten (zufällig ausgewählten) Fremdeiweiß passen (Antikörper der Klassen IgG, IgM). Eine produzierende Zelle (B-, Plasmazellen genannt) kann pro Sekunde 10.000 Stück Antikörper herstellen. Der Angriff eines Feindes wird zusätzlich durch Killerzellen bewirkt (aktivierte T-Zellen, wobei die Klasse Th1 überwiegend gegen Viren und Bakterien wirkt). Der Killerinstinkt ist zweischneidig: manchmal macht es Sinn, eine virusinfizierte Zelle abzutöten und damit die Virusvermehrung zu verhindern, andererseits kann sich der Versuch zur Problemlösung auch zum eigentlichen Problem ausweiten, wenn eine große Masse der körpereigenen Zellen angegriffen wird: überschießende Immunantwort. Deshalb müssen angreifende T-Zellen von anderen gebremst werden, und diese Aufgabe übernehmen regulatorische T-Zellen. Unangenehme Parasiten sind in diesem Zusammenspiel nicht nur schlecht: Sie bieten dem Körper einen Feind, auf den sich die Aggression bestimmter T-Zellen (Klasse Th2) entladen kann, während normales Gewebe durch eine Gegenregulation verschont bleibt. Seit wir immer hygienischer aufwachsen und oft auch unnötig viel Antibiotika zu uns nehmen, sinkt die Chance einer Auseinandersetzung mit zwar ärgerlichen aber nicht lebensbedrohlichen Allerweltsfeinden, und damit steigt das Risiko für das Auftreten allergischer Reaktionen, bei denen die Abwehr aggressiv auf ein ziemlich unwichtiges Fremdeiweiß oder Allergen reagiert (im Labor findet man dabei eine hohe Aktivität der Klasse der Th2-Zellen und hohe Antikörperspiegel der Klasse IgE). Die Zahl allergischer Krankheiten (wie Asthma oder Neurodermitis) und autoimmunen, d.h. gegen den eigenen Körper gerichteten Fehlreaktionen, nehmen in Industrieländern in den letzten Jahrzehnten deutlich zu.
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