Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

Meistgeklickte Inhalte:
Grippevirus Ratgeber: Impfen Pollenallergie Ratgeber: Allergien Unfälle Ratgeber: Sicherheit Krankenhaus Beijing - China Ratgeber: Auslandsärzte

Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut
MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH
Bernhard-Nocht-Str. 74
20359 Hamburg
www.gesundes-reisen.de
Hotline:
Mo. - Fr. 08:00 - 19:00 Uhr
Sa. 10:00 - 18:00 Uhr
Tel.: 0900 - 1234 999*
*EUR 1,98 pro Minute

Immunsystem, Immunstörung

Immunsystem

Wovon hängt eine gelungene Immunabwehr ab?

  • Von der Anzahl der eindringenden Krankheitserreger. Ein einzelnes Virus oder Bakterium ist selten in der Lage, eine Infektion auszulösen. Nur die Masse vieler Eindringlinge bewirkt eine Invasion, der es gelingen kann, das Immunsystem zu überwältigen. Meist halten einfache Hygienemaßnahmen die Anzahl der Krankheitserreger gering. „Händewaschen“ und kritisch mit Wasser und Nahrung umgehen, ist also immer ratsam.
  • Von der Aggressivität der Erreger. Diese ist oft besonders hoch, wenn er dem Immunsystem völlig unbekannt ist, z.B. weil der Infektionserreger sich in einen anderen Organismus vermehrt und den Menschen eher zufällig befällt.
  • Dem Zustand des betroffenen Menschen. Sehr kleine Kinder verfügen über ein noch schwach ausgebildetes Immunsystem, bei älteren Menschen sinkt seine Reaktionsfähigkeit. Krankheit und Stress schwächen eine passende Abwehrfähigkeit und so genannte Autoimmunreaktionen spiegeln fehlgeleitete Reaktionsformen wieder. Die Art der Ernährung, der körperlichen und geistigen Fitness, der täglichen Belastungen, der Schwankungen des Rhythmus (Jetlag) und vieles mehr können die Form der Immunantwort beeinflussen.
  • Von der Erfahrung des Immunsystems im Training mit täglichen Angriffen, die leicht abgewehrt werden können, d.h. der Auseinandersetzung mit kommensalen Bakterien und beherrschbaren Infektionen.

Was stärkt das Immunsystem?

Bildquelle: www.lifedynamix.com

  • Ein Gefühl der Sicherheit, Ruhe und Zufriedenheit. Alles was „gut tut“ und das körperliche und geistige Wohlbefinden fördert, ist positiv für das Immunsystem. Gefühlsäußerungen, die aus Genuss oder Liebe entstehen und sich z.B. durch Schmunzeln oder Fröhlichkeit äußern, wirken direkt auf den Hirnstamm und stimmen dort ein auf friedvolle Kommunikationsbereitschaft oder Schläfrigkeit, und in diesem Zustand des Ausgeruhtseins geht es unangenehmen Mikroben besonders gut an den Kragen.
  • Ruhe und geeignete Pflege, wenn die Immunabwehr arbeiten muss. Erinnern Sie sich: „Wer Fieber hat, darf nicht in die Schule, gehört ins Bett und bekommt dort von Mama ein Süppchen serviert. “ Liebevolle Pflege, bei der sich jemand sorgevoll um den Betroffenen kümmert, ist oft wirksamer als eine vermeintliche Wunderdroge („Magic bullet“).
  • Gleichmäßiger Rhythmus von Aktivitäts- und Erholungsphasen mit genügend Schlaf.
  • Allmähliche, günstige Klimaveränderungen (nicht abrupte Wechsel), Meeres- oder Waldluft und natürliches Licht.
  • Ausgewogene Ernährung; Speisen mit Zeit und Genuss aufnehmen.
  • Bewegung und Aktivierung, bei der das Stress- und Alarmsystem abgeschaltet bleibt.
  • Entspannung (Lockerlassen) und Aktivierung (Bewegung) in gleichem Maß und sich abwechselnden Rhythmus
  • Impfungen, bei denen eine Angriff vorgetäuscht und damit eine wirksame und lang anhaltende Immunantwort ausgelöst wird.

Bildquelle: www.elmhurst205.org


Was nützt nur manchmal?

  • Immunglobuline. Dies sind Antikörper, die von anderen Menschen gewonnen werden. Wenn die Zeitspanne bis zum Aufbau eigener Antikörper durch eine Impfung zu lang erscheint, ist die Gabe von Immunglobulinen nötig (Beispiel Tollwut). Ihre Gabe gaukelt jedoch dem Körper das Vorhandensein von ausreichender Abwehr vor und dämpft daher eher eigene Anstrengungen zur Abwehr; die Gabe zur allgemeinen Vorbeugung wird nicht empfohlen.
  • Antibiotika (gegen Bakterien), Virustatika (gegen Viren) und Antimykotika (gegen Pilze). Wenn der Körper eine Infektion aus eigener Kraft nicht überwinden kann, sind sie notwendig. Sie schaden, wenn die Art der Infektion unklar oder die Anwendung unnötig ist (Beispiel: Penicillin bei Schnupfen), da sie ebenso die kommensalen Bakterien vernichten und damit die Besiedlung mit neuen unangenehmen Keimen vorbereiten.
  • Medikamente, die zu einer Ausschwemmung weißer Blutzellen aus dem Knochenmark führen, können in der Krebsbehandlung nützlich sein, für Reisende sind sie sicher sinnlos. Kommerziell motivierte Aussagen wie „… stärkt das Immunsystem“ zielen auf eine „Schwächung des Reisebudgets“ ab, nutzen nichts und können Nebenwirkungen mit sich bringen.
  • Das Aufsuchen von Gesundheitseinrichtungen. Wenn die Qualität dort zu wünschen übrig lässt, was in einigen Reiseländern nicht selten vorkommt, kann es auch riskant sein, einem Arzt freundlich die Hand zu reichen oder sich einem harmlosen chirurgischen Eingriff zu unterziehen, z.B. weil sich in der Institution möglicherweise besonders aggressive Keime verbreiten konnten.

Welche Faktoren schwächen das Immunsystem?

  • UV-Strahlen durch pralle Sonne oder Höhensonnen
  • Körperliche und psychische Überlastung (Stress und eigene Kortisonproduktion)
  • Schwere Krankheiten wie Krebs oder HIV-Infektion
  • Einige Medikamente wie Kortison (z.B. bei Rheumaleiden) oder Cyclosporin A (zur Verhinderung einer Abstoßungsreaktion bei Organtransplantierten) oder Bestrahlung
  • Rauchen
  • Alkohol im Übermaß, wenn er zu Schädigung der Leberzellen und der Hirnfunktion führt.
  • Störung des Tagesrhythmus (Schlafentzug)
  • Zu viele Medikamente, deren Abbau Leber und Niere belastet
  • Drogen
  • Zuviel Schadstoffe, d.h. zuviel von der „Chemie des Alltags“


Immunsystem
Das Immunsystem des Menschen hält in einem fein abgestimmten, eigendynamischen Wechselspiel vieler Körperzellen Risiken fern, ohne dabei Nützliches oder Gesundes zu gefährden. Dieses Gleichgewicht zwischen Aggression und Toleranz unterliegt einem Rhythmus. Bei einer unmittelbaren äußeren Bedrohung ist die Immunabwehr unwichtig für das unmittelbare Überleben, alle Energie wird dann für Kampf- oder Fluchtreaktionen zur Verfügung gestellt, und Hormone, die wie Kortison solche Stress-Reaktionen vermitteln, schalten dann die Immunabwehr ab. Hochaktiv werden die Abwehrzellen dagegen bei einem Verdauungsnickerchen, bei dem Millionen fremder Eiweißstoffe auf ihre Verwertbarkeit und ihr Gefahrenpotenzial durchmustert werden. Die Steuerung des Hirns für Herz-, Lungen- und Immunfunktion ist gleich und bewirkt in Ruhe und Sicherheit eine Dämpfung des Herzrhythmus und der Atemfrequenz bei gleichzeitiger Tonisierung der Organe der Immunabwehr. Stellen Sie sich einen erfahrenen Dorfpolizisten vor, der eher gelangweilt und träge auf die gewohnten Konflikte seiner Mitbewohner reagiert, aber plötzlich hellwach und aufmerksam verdächtig fremde Gestalten beobachtet, die Unruhe stiften könnten. Wäre er im Alltag zu aufgeregt und hektisch, brächte er das friedvolle Zusammenleben völlig durcheinander, und würde er echte Gefahrensituationen verschlafen, ginge es dem Dorf an den Kragen. Beide Arten von Fehlverhalten stören das Funktionsgleichgewicht und führen zu Krankheit.

Reisen wirken sich sehr unterschiedlich auf das Immunsystems aus:

  • Ruhe und Entspannung können zu einer verbesserten Funktion führen, wenn körperliche und geistige Funktionen wieder zu einer neuen Balance finden
  • Unbekannte Viren, Bakterien oder andere Organismen können neue Herausforderungen mit sich bringen.

Es macht also für Reisende Sinn, sich ein wenig mit diesem spannenden Aspekt des Menschen zu beschäftigen.

Wie funktioniert das Immunsystem?
Die im wörtlichen Sinn größte Bedeutung für die Abwehr gefährlicher Kleinorganismen hat die Haut. Sie bietet einen mechanischen Schutz gegenüber fremden Lebewesen, die versuchen einzudringen. Im äußerlich sichtbaren Bereich der Haut liegt oberhalb dachziegelartig geschichteten Zellen eine dicke Hornschicht, die bei den inneren Schleimhäuten in der Mundhöhle oder in der Scheide fehlt. Diese ist aber mit einer Schicht von Abwehrstoffen (Antikörper der Klasse IgA) überzogen, die Eindringlinge abbremst. Zahlreiche Abwehrzellen lauern hier eingestreut zwischen den Hautzellen auf mögliche Eindringlinge. Im Körperinneren, z.B. der Harnröhre, dem Muttermund oder in den Bronchien, geht Schleimhaut in eine dünne und leicht verletzliche Zellschicht über, die mit Flimmerhäarchen Fremdes nach außen zu transportieren sucht. Die Magenschleimhaut schließlich tötet fremdes Eiweiß mit Salzsäure ab. Besonders interessant wird es im Dünndarm, da hier täglich eine Unzahl fremder Eiweißbestandteile transportiert und verdaut wird und die Immunabwehr sehr genau zwischen „Gut und Böse“ unterscheiden muss. Dabei hilft die ständige Auseinandersetzung mit unseren harmlosen und nützlichen Mitbewohnern, den so genannten kommensalen Bakterien (lat. commensalis: Tischgenosse). 100 Billionen dieser Keime leben auf und in uns, weitaus mehr als wir an Körperzellen besitzen. Die Immunabwehr lernt mit diesen Bakterien auf einen „leichten Windhauch“ der Veränderung nicht sofort mit dem vollen Abwehrarsenal zu antworten. Verschiedene Fresszellen (Macrophagen, M-Zellen, dendritische Zellen) nehmen an den Oberflächen Fremdsubstanzen an, verschlingen und zerlegen sie und präsentieren winzige Bestandteile des möglichen Feindes anderen Zellen (T-Zellen). Diese verfügen über unendlich viele verschiedene Erkennungshäarchen in ihrem äußeren „Pelz“. Wenn eines ihrer Häarchen zufällig zu einer dargereichten Eiweißstruktur (Antigen) passt und daran hängen bleibt, werden sie durch diese Verbindung mit dem Antigen aktiviert. Sie können dann über Botenstoffe andere Zellen dazu veranlassen, Bindungsstoffe herzustellen, die genau zu dem erkannten (zufällig ausgewählten) Fremdeiweiß passen (Antikörper der Klassen IgG, IgM). Eine produzierende Zelle (B-, Plasmazellen genannt) kann pro Sekunde 10.000 Stück Antikörper herstellen. Der Angriff eines Feindes wird zusätzlich durch Killerzellen bewirkt (aktivierte T-Zellen, wobei die Klasse Th1 überwiegend gegen Viren und Bakterien wirkt). Der Killerinstinkt ist zweischneidig: manchmal macht es Sinn, eine virusinfizierte Zelle abzutöten und damit die Virusvermehrung zu verhindern, andererseits kann sich der Versuch zur Problemlösung auch zum eigentlichen Problem ausweiten, wenn eine große Masse der körpereigenen Zellen angegriffen wird: überschießende Immunantwort. Deshalb müssen angreifende T-Zellen von anderen gebremst werden, und diese Aufgabe übernehmen regulatorische T-Zellen. Unangenehme Parasiten sind in diesem Zusammenspiel nicht nur schlecht: Sie bieten dem Körper einen Feind, auf den sich die Aggression bestimmter T-Zellen (Klasse Th2) entladen kann, während normales Gewebe durch eine Gegenregulation verschont bleibt. Seit wir immer hygienischer aufwachsen und oft auch unnötig viel Antibiotika zu uns nehmen, sinkt die Chance einer Auseinandersetzung mit zwar ärgerlichen aber nicht lebensbedrohlichen Allerweltsfeinden, und damit steigt das Risiko für das Auftreten allergischer Reaktionen, bei denen die Abwehr aggressiv auf ein ziemlich unwichtiges Fremdeiweiß oder Allergen reagiert (im Labor findet man dabei eine hohe Aktivität der Klasse der Th2-Zellen und hohe Antikörperspiegel der Klasse IgE). Die Zahl allergischer Krankheiten (wie Asthma oder Neurodermitis) und autoimmunen, d.h. gegen den eigenen Körper gerichteten Fehlreaktionen, nehmen in Industrieländern in den letzten Jahrzehnten deutlich zu.

Bildquelle: dev.nsta.org



Weiter

 



RMZ, 16.05.2012




G+J Glossar
Partner-Angebote