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Gesundheit auf Reisen
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Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Höhenaufenthalt und Trekking

Trekking und Höhenaufenthalt

Bildquelle: Werner Schönherr


Nicht nur Extremsportler mit ausgeprägter Vorliebe zu Grenzerfahrungen verlassen die Alpen in Richtung Himalaya und Anden, sondern zunehmend auch mehr oder weniger Untrainierte. Bei der Planung einer Trekkingtour, dem Weiterziehen mit der gesamten Ausrüstung, müssen Sie immer die fehlende oder unzureichende Infrastruktur des Reiselands berücksichtigen. Die Anforderungen und die Risiken variieren sehr stark für unterschiedliche Trekkingtouren. Gefahren beim Bergwandern und Bergsteigen stehen im Zusammenhang mit körperlicher Überforderung, den extremen Klimabedingungen (Kälte, Sonne) und der großen Höhe.

Einige direkte Reiseziele wie Mexico City, La Paz, Cuzco oder Lhasa liegen bereits in großer Höhe und sind zudem schadstoffbelastet. Allein der Ausstieg aus dem Flugzeug kann hier schon belastend sein, bevor ein Trekking überhaupt begonnen hat; zumal wenn einige Zeitzonen durchflogen wurden und der Jetlag jegliche Energie raubt. Sich darauf einzustellen gehört zu einer guten Reiseplanung, bei der vor allem eines nicht fehlen darf: Zeit und Geduld mit sich selbst.

Die Tourenbeschreibungen in den Katalogen erfahrener und qualifizierter Veranstalter von Trekkingreisen bieten normalerweise solide und gute Informationen über die zu erwartenden Leistungsanforderungen und die notwendige Ausrüstung. Beim Trekking muss die Nahrung oft unter sehr einfachen Bedingungen zubereitet werden.

Bildquelle: Werner Schönherr

Wesentliche körperliche Veränderungen bei Höhenaufenthalt:

  • Der Druck von Sauerstoff sinkt mit abnehmendem allgemeinen Luftdruck. Das Atmen wird schwerer, der Puls wird schneller.
  • Der Blutdruck in den Gefäßen des Lungenkreislaufes steigt, was eine allgemeine Blutdrucksteigerung zur Folge haben kann.
  • Es wird vermehrt Flüssigkeit ausgeschieden, insbesondere über die Atemluft und die Haut.
  • Das dämpfende vegetative Nervensystem (Vagus, Parasympathikus) verliert an Einfluß bei der Steuerung der Körperfunktionen, das aktivierende System (Sympathikus) dominiert.

Expeditionen sollten eine gute Apothekenausstattung mit sich führen, die von einem geschulten Mitglied der Gruppe verwaltet wird. Häufige Unfallursachen sind Mangel an Erfahrung, Selbstüberschätzung, unzureichende Sicherung und schlechte Ausrüstung. Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste zur Unfallvorbeugung. Dazu gehören: körperliches Training, sinnvolle Etappengestaltung, Abstimmung der Länge der Tagestouren mit sinnvollen Pausen, Verzicht auf überflüssiges Gepäck.

Höhenwanderer bewegen sich häufig in Regionen zwischen 2.000 und über 4.000 m, bei Passüberschreitungen können leicht Anstiege auf mehr als 5.000 Höhenmeter erreicht werden. Problematisch ist dabei der geringere Sauerstoffgehalt der Luft. Der Körper versucht, einen Ausgleich des Sauerstoffmangels durch häufigeres Atemholen und eine Beschleunigung des Pulses zu erreichen.

Je langsamer der Puls steigt, desto besser ist der Reisende durch Training oder Gewöhnung angepasst. Bei längerem Höhenaufenthalt kommt es zu einer Vermehrung der roten Blutkörperchen. Dadurch wird das Blut dickflüssiger. Die langsamere Fließgeschwindigkeit erhöht das Risiko für Erfrierungen an Fingern und Zehen sowie für Thrombosen. Deshalb sollten mehrere Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken und Salzverluste ersetzt werden.

Sobald gemütliches Wandern zum Bergsteigen wird, ist ein Ausdauertraining erforderlich. Die Leistungsfähigkeit sinkt um 10% pro 1.000 m. Bereits Wandern in mittleren Höhen (1.500-2.500 m) ist eine Belastung die Ausdauer und ggf. auch Training erfordert.

Bildquelle: Werner Schönherr



Risiken (Verrenkungen, Unterkühlung) sind bei wetterabhängiger Routenplanung und optimaler Ausrüstung klein.
Häufige Unfallursachen sind:

  • Mangel an Erfahrung
  • Selbstüberschätzung
  • Unzureichende Sicherung und schlechte Ausrüstung

Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste zur Unfallvorbeugung. Hierzu gehören:

  • Körperliches Training
  • Sinnvolle Etappengestaltung
  • Abstimmung der Länge der Tagestouren mit sinnvollen Pausen
  • Verzicht auf überflüssiges Gepäck

In großen Höhen (2.500-5.300 m) sind dagegen Kenntnisse höhentaktischen Vorgehens nötig, und eine gute Ausrüstung und Routenplanung sind besonders wichtig.

Leicht kann es zu körperlichen Anpassungsproblemen kommen (schnelle Atmung, Pulssteigerung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot) oder bei zu raschem Aufstieg auch zu Höhenkrankheit.

Über 5.300 m ist eine vollständige Anpassung nicht mehr möglich und bei längerem Aufenthalt besteht Lebensgefahr.

Bildquelle: Werner Schönherr

 

Überhitzung und Unterkühlung

  • Die Intensität der Sonneneinstrahlung ist in dern Bergen höher. Schnee reflektiert das Licht zusätzlich. Körperliche Belastung kann bei enger (für Kälte eingerichtete) Kleidung licht zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führen. Anfangs kommt es zu harmlosen Hitzeschwellungen (z.B. an den Händen und Füßen), später zu schmerzhaften Muskelkrämpfen, Brechreiz, Kopfschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Eine besondere Anfälligkeit für Hitzeschäden besteht u.a. bei Herz- und Gefäßerkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, Mangelernährung oder Fettleibigkeit, Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch. Ziehen Sie sich in solchen Situationen sofort in den Schatten zurück, öffnen Sie Ihre Kleidung und legen Sie sich hin. Trinken Sie reichlich kochsalzhaltige Getränke. Bei Verdacht auf einen Hitzekollaps oder Hitzschlag (mit deutlich erhöhter Körpertemperatur) muss unbedingt ein Arzt aufgesucht oder gerufen werden. Auch ein Sonnenstich (Überhitzung infolge direkter Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf) ist gefährlich und erfordert immer ärztliche Hilfe! 
  • Unterkühlte Personen insbesondere im Gebirge müssen gewärmt und gegen Wind- und Bodenkälte geschützt werden. Aktive und passive Bewegungen der Arme und Beine sollten so gering wie möglich gehalten werden. Bei Verdacht auf eine Erfrierung ist unbedingt ein erfahrener Arzt hinzuzuziehen!
  • Alkohol "wärmt" vor allem deshalb, weil der Temperaturempfinden stört. Nach reichlich "Jager-Tee" auf der Bergstation kann es anschließend bei einer langen Abfahrt ins Tal nich nur zu Unfällen, sondern auch zu Unterkühlung kommen.

Empfehlungen für alle Reisenden

  • Auch in moderaten Höhen sollten Belastungen geringer sein, als auf Meeresniveau. In der Regel sollte man sich auf 80-90% körperlicher Aktivität beschränken, die auf Meeresniveau möglich wäre.
  • Vor jedem Aufstieg für erhöhte Anforderungen Fitness trainieren.
  • Kein/e oder so wenig wie möglich: Zigaretten, Alkohol, psyochaktive Substanzen und Medikamente
  • Langsamer Anstieg in Stufen ab 2.500 m maximal 500 Höhenmeter pro Tag.
    • Don't go too high too fast
  • Die Schlafhöhe nur um 300 m pro Tag steigern.
  • Während des Trekking Alkohol- und Zigaretten-Konsum einstellen.
  • Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.
  • Mehrere Nächte auf niedriger Schlafhöhe bleiben.
    Weiterer Anstieg erst nach Gewöhnung.
    Zurücksteigen auf eine niedrige Schlafhöhe.
    • Go high sleep low
  • Rascher Abstieg zur Schlafhöhe bis 2.000 m pro Tag.
    • Don't stay too high too long

 

Bildquelle: Werner Schönherr

Vor Beginn der Reise kann für ein bis zwei Wochen drei bis vier Stunden täglich in einer Klimakammer ein Aufstieg simuliert werden. Dadurch läßt sich die Akklimatisierungszeit deutlich verkürzen, je nach Zielhöhe um Tage bis Wochen. Ob ein solcher Zeitaufwand sich allerdings lohnt oder nicht besser alternativ eine Woche mehr Akklimatisierung eingeplant werden sollte, hängt von den verfügbaren Finanzmitteln ab und natürlich vom Geschmack der Reisenden. Die Unfallrisiken sinken jedenfalls deutlich, wenn

  • viel Zeit zur Verfügung steht
  • der Genuss des Wanderns (der Flow) an Raum gewinnt
  • das Erreichen eines Ziels und Stress in den Hintergrund geraten.

Empfehlungen für Reisende mit Herz-Kreislauferkrankungen

  • Patienten mit schweren Herzklappenfehlern, instabiler Angina Pectoris, Stress- und Angststörungen, unkontrollierten Rhythmusstörungen, Myokardinfarkt vor zwei Wochen, nach Brustraumoperationen vor vier Wochen sollten Höhenaufenthalte vermeiden, oder nur nach ärztlicher Rücksprache in Erwägung ziehen. Das gilt auch für Patienten bei denen bereits eine Höhenkrankheit aufgetreten ist.
  • Patienten mit Koronaren Beschwerden in den vergangenen vierzehn Tagen sollten sich einem Belastungstest unter EKG-Kontrolle unterziehen.
  • Wenn bei guten Trainingszustand Höhenaufenthalte erwogen werden, sollte, gemäß der genannten allgemeinen Regeln, besonders vorsichtig und langsam vorgegangen werden. Ärztliche Versorgung und insbesondere Sauerstoff und Infusionen sollten erreichbar sein.
  • Patienten mit gut eingestellten Schrittmachern und bei gutem Trainingszustand sind in der Regel gegenüber gesunden Personen wenig eingeschränkt. 

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HEF, MG, 13.11.2012