Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Herzerkrankungen

Herz-Kreislauf

Einführung
Herz und Lunge haben bei Säugetieren und insbesondere beim Menschen in erster Linie die Funktion, das stark energie- und sauerstoffverbrauchende Gehirn ohne Unterbrechung zu versorgen, während andere Organe eher warten können. In der chinesischen Philosophie gilt das Herz als Sitz der Seele, d.h. als Zentrum der Grundstimmung des Körpers. Tatsächlich ist die Funktion des Herzens eng mit dem Gehirn verknüpft, das aus der westlichen Sicht die überragende Bedeutung für die Psyche hat. Etwa sechs rhythmische Regelkreise steuern in eigendynamischer und ziemlich chaotischer Weise die Folge des Herzschlages. Die stärkste und in der Entwicklung jüngste Kontrollinstanz im Gehirn dämpft den Herzschlag in der Ausatemphase („Respiratorische Sinusarrhythmie") und sorgt für Beruhigung in Phasen der sozialen Kommunikation. Abgeschaltet wird diese Kontrollfunktion in Phasen von Angst und Stress, in denen sich der Körper für Flucht und Kampf bereit macht. Bleibt dieser Daueralarm zu lange bestehen, kann es zu bleibenden Schäden der Regelkreise kommen. In unserer hektischen Zeit gehören deshalb Herz-, Kreislauferkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsstörungen, die sich als erhöhter Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche oder Verengung der Herzkranzgefäße äußern können.

Bildquelle: www.npr.org

Reisen wirkt sich unterschiedlich auf Herz- und Kreislauferkrankungen aus. Einerseits senkt es das akute Erkrankungsrisiko, wenn langsame Erholungsphasen eine Beruhigung des Organismus ermöglichen, andererseits sind Herzinfarkte nach Unfällen der zweithäufigste Grund für eine stationäre Versorgung im Ausland. Das liegt einmal daran, dass viele Erkrankungsgefährdete reisen, die das akute Ereignis sonst zu Hause erlitten hätten und auch daran, dass eine stressbelasteter Organismus an einem leeren Strand abrupt zum Halten kommt, wie ein ICE, der plötzlich abbremsen muss. Herzinfarkte kommen daher häufig in den ersten Urlaubstagen vor.

Reisevorbereitung
Wer eine Gangway sicher ohne Hilfe hinaufkommt, ist auch sicher flugtauglich. Selbst schwer erkrankte Personen können bei geeigneter Versorgung Kreuzfahrtreisen unternehmen. Es spricht also nichts gegen die Reiselust, wenn eine sorgfältige Vorbereitung erfolgt:

  • Bei dem Besuch des Hausarztes und/oder Kardiologen klärt sich im persönlichen Gespräch, ob Bedenken hinsichtlich der Reisefähigkeit bestehen.
  • Bei fraglicher Reisefähigkeit können durch den Kardiologen auch Spezialuntersuchungen wie EKG, Belastungs-EKG, Myokardszintigraphie oder Echokardiographie durchgeführt werden.
  • Ein Arztbesuch vor der Reise ist auch sinnvoll, um den Medikamentenbedarf während der Reise abzuschätzen. Patienten mit Herzklappenfehlern sollten auch Antibiotika für eine eventuell erforderliche Endokarditis-Prophylaxe mitführen; zum Beispiel für den Fall, dass im Reiseland eine zahnärztliche Behandlung nötig wird.
  • Es ist ratsam, sich nicht auf die Versorgung am Urlaubsort zu verlassen, sondern alle benötigten Medikamente in ausreichender Menge im Handgepäck mitzuführen.
  • Bei Einnahme von Marcumar® und/oder Tragen eines Herzschrittmachers sollte ein mehrsprachiger Marcumar®- bzw. Schrittmacherausweis mitgeführt werden. Auch Maßnahmen zum Schutz vor Reisethrombose können mit dem Hausarzt/Kardiologen besprochen werden.
  • Die Mitnahme eines Blutdruckmessgerätes und - bei blutverdünnender Marcumar® -Therapie - die Mitnahme eines Gerinnungsmonitors inkl. Teststreifen kann in Absprache mit dem Kardiologen ebenfalls sinnvoll sein.
  • Beim Mitführen medizinischer Geräte ist u.U. eine Zollbescheinigung erforderlich.
  • Herz- und Kreislauferkrankungen können sich unter schwülheißem Klima, besonders in Kombination mit Stress oder körperlicher Anstrengung verschlimmern.
  • Stress und Hektik sollten so konsequent wie möglich bei der Reiseorganisation vermieden werden. Dies gilt bereits in der Phase der Vorbereitung einer Reise.
  • Wenn körperliche Aktivitäten wie Tauchen oder Bergwandern geplant sind, ist es sehr empfehlenswert, schon lange vor der Reise mit einem lockeren Training (wie Schwimmen, Gymnastik, Yoga, Qi Gong u.a.) zu beginnen.
  • Reisenden mit Herz-Erkrankungen ist der Aufenthalt in großen Höhen (>3.000 m) nicht zu empfehlen, da ein Sauerstoffmangel oft nicht ausgeglichen werden kann. Für Bluthochdruckpatienten sind Höhenaufenthalte weniger bedenklich.
  • Bei einer eventuell erforderlichen Malariaprophylaxe, zum Beispiel bei Reisen ins tropische Afrika, ist zu bedenken, dass manche Malariamedikamente für Herz- und Kreislaufpatienten in der Regel nicht geeignet sind, zum Beispiel das Medikament Lariam®.
  • Oft sind Einschränkungen der Reisefähigkeit nur vorübergehend und können durch Umstellung der medikamentösen Behandlung oder der Ernährung wieder wegfallen.
  • Für den Fall, dass bestimmte Anstrengungen nicht empfohlen werden können, existieren meist noch sinnvolle Alternativen. Zum Beispiel Teilnahme an einer Kreuzfahrt statt einer Rundreise im Reisebus.

Während der Reise

Bei langen Flugreisen kann es durch den geringeren Luftdruck, die Lufttrockenheit und geringere Sauerstoffsättigung der Luft in der Flugzeugkabine bei koronarer Herzerkrankung und/oder Herzschwäche leichter zu Atemnot, Beklemmung oder auch zu Durchblutungsstörungen kommen. Wichtig ist:

  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser oder Saft)
  • Verzicht auf Alkohol und Kaffee
  • Wiederholtes Aufstehen, Herumgehen
  • rhythmisches Anspannen und Lockerlassen der Beinmuskulatur (am besten vor dem Flug mit Übungen aus Feldenkrais, Gymnastik, Yoga oder Qi Gong vertraut machen)
  • individuell angepasste Reisestrümpfe.

Am Urlaubsort

Nach der Ankunft im Hotel kann bereits zu einem frühen Zeitpunkt geklärt werden, an welchen Arzt vor Ort man sich im Falle einer plötzlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands wenden kann. Bei schwereren Grunderkrankungen und bei Patienten mit Herzschrittmachern sollte eine kardiologische Klinik oder Ambulanz vor Ort existieren.

Besonders die ersten Tage des Aufenthaltes sind der Eingewöhnung gewidmet:

  • kein zusätzlicher Stress durch Animation oder Exkursionen
  • aber genügende leicht Aktivität wie Spazierengehen und Flanieren

Eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinbefindens ist immer ein Grund, sofort einen Arzt aufzusuchen. Besonders in den ersten Tagen am Urlaubsort sollten unnötige Aufregung und Anstrengungen, z.B. Bus-Touren oder Ausflüge, vermieden werden.

Das Tauchen ist wegen einer möglichen Unterversorgung mit Sauerstoff bei schweren Herzleiden meist nicht zu empfehlen. Dennoch verbieten Bluthochdruck, das Tragen eines Herzschrittmachers, selbst ein gut verheilter Herzinfarkt oder eine Bypass-Operation nicht in jedem Fall den Tauchsport.

Fazit
Reisen bieten vielfältige Gelegenheiten, körperlich und geistig neue Kraft zu schöpfen. Hierzu können das Erleben von Natur, der Austausch mit anderen Menschen und das Genießen abwechslungsreicher Speisen beitragen. Zur Abrundung kann ein leichtes Bewegungstraining mit Schwimmen, Wandern und Gymnastik während aber auch nach der Reise in den Tagesablauf integriert werden.

Deshalb sind auch bei Herzerkrankungen und bei Hochdruckpatienten Reisen bei entsprechender Planung und Vorbereitung möglich und können sogar dazu beitragen, den Gesundheitszustand zu verbessern.

Weitere Informationen

 

 



RMZ, 15.06.2010




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