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Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Hadsch (Hadj): Reisevorschriften

Hadsch (Hadj)

 
Jährlich versammeln sich mehrere Millionen muslimischer Pilger aus aller Welt in Mekka (Saudi-Arabien) in Ausübung ihrer Religion zur Hadsch (Hadj).
 

Bildquelle: Hadsch-Ministerium

Die notwendigen Formalitäten für die Einreise werden übersichtlich auf der Seite des Hadsch-Ministeriums beschrieben. Unter anderem ist darauf zu achten, dass die Einfuhr von Lebensmitteln strikt verboten ist.

Beim Zusammentreffen einer gewaltigen Menschenmenge auf engstem Raum besteht eine erhöhte Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern durch Wasser oder die Atemluft.

Weitere Risiken sind
  • Hohe Sonneneinstrahlung (ohne Kopfbedeckung) und Mögliche Folgen für Herz-und Kreislauf
  • Fußinfektionen insbesondere bei Peronen mit eingeschränkter Immunabwehr (Diabetes)
  • Unsaubere (mehrfachverwendete) Rasierklinken bei Frisören, die rituelle Rasuren durchführen
Impfvorschriften
 
Die saudischen Behörden achten bei der Einreise ggf. auf das Vorhandensein folgender Impfungen:
  • Gelbfieber (bei Einreise aus Ländern mit Gelbfiebervorkommen, wie aus Lateinamerika und Afrika)
  • Meningitis (Vierfachimpfung gegen die Erregertypen A, C, Y, W, s.u.)
  • Kinderlähmung (bei Einreise aus Ländern mit Poliovorkommen)
  • Saisonale Grippe (Impfung soll zwei Wochen vor Eintritt der Reise erfolgen)
Weitere erwägenswerte Impfungen für Reisende sind:
  • Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Impfschutz auch für Deutschland empfohlen)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Typhus

Gelbfieber
Alle Reisenden, die aus einen Land mit Gelbfiebervorkommen einreisen, müssen einen gültigen Gelbfieberimpfungsnachweis vorlegen. Die Impfung muss mindestens zehn Tage und nicht mehr als zehn Jahre vor der Einreise durchgeführt worden sein.
Luftfahrzeuge, Schiffe und andere Verkehrsmittel müssen einen Nachweis über Anwendung von Insektiziden vorlegen.

Meningitis
Die Infektion der Hirnhaut mit bakteriellen Erregern ("Meningokokken-Meningitis") erfolgt durch kleinste Tröpfchen, die z.B. beim Husten oder Niesen entstehen. Die Krankheit kann schwer, manchmal auch tödlich verlaufen oder zu bleibenden neurologischen Schäden führen.

Gegen diese bakteriellen Krankheitserreger stehen wirksame und gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung, die in Abhängigkeit vom Lebensalter und unterschiedlichem Auftreten von verschiedenen Untergruppen dieser "Meningokokken" in den einzelnen Regionen differenziert empfohlen werden.

Für die Mekka-Pilger ist zur Einreise nach Saudi-Arabien der gültige Nachweis einer Meningokokken-Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff (wirksam gegen die Untergruppen A, C, W135, Y) zwingend vorgeschrieben. Die Impfung ist ab einem Lebensalter von 2 Jahren durchführbar und ab einem Zeitraum von 10 Tagen bis 3 Jahre nach erfolgter Injektion gültig.

Die Wirksamkeit dieses Polysaccharidimpfstoffes ist für Kinder unter zwei Jahren bezgl. der Serogruppen A und C nur eingeschränkt ausgeprägt und für die Serogruppen W135 und Y nicht bekannt. Für Kinder unter zwei Jahren steht ein wirksamer und gut verträglicher Impfstoff ("Konjugatimpfstoff") gegen die Meningokokken-Serogruppe C zur Verfügung. Hinsichtlich der Hadsch wird jedoch von den Pilgern explizit eine Impfung gegen alle 4 Serotypen (A, C, W, Y) gefordert. Impfungen mit den C- oder A-C-Impfstoffen werden nicht als ausreichend akzeptiert.
Es ist darauf zu achten, dass bei dem Wunsch nach einer Impfung gegen „Gehirnentzündung“ nicht aus einem Missverständnis heraus beim Arzt eine Impfung gegen FSME (eine in Deutschland vorkommende, durch Zecken übertragene Form der „Gehirnentzündung“, die nichts mit Infektionen durch Meningokokken zu tun hat) erfolgt.
Eine Meningokokken-Impfung wird auch für Kinder und Erwachsene angeraten, die in Länder des afrikanischen "Subsahara-Meningitisgürtel" reisen, wenn es dort zu einem engen Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung (insbesondere Kindern oder Erkrankten) kommen kann. Dort kommen vor allem die Meningokokken-Serogruppen A und C vor. Hadsch-Pilger aus Ländern des Meningitisgürtels müssen zusätzlich zu der Meningokokkenimpfung eine medikamentöse Prophylaxe während der Einreise durchführen. Diese besteht zum Beispiel in der einmaligen Einnahme von Ciprofloxacin (500 mg) oder eines anderen geeigneten Antibiotikums. 

Polio
Infektionen, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden, breiten sich während des Hadjj leichter aus. Deshalb besteht auch eine Impfpflicht gegen Polio für Pilger aus entsprechenden Ländern. Hier wird sowohl ein Impfnachweis vor Antritt der Hadsch sowie zusätzlich eine Dosis Polio-Schluckimpfstoff (OPV) bei der Einreise verlangt. In mehreren Ländern der Welt kommt trotz intensiver Impfanstrengungen noch die sogenannte Wildpolio vor. Viele dieser Länder sind islamisch (Pakistan, Afghanistan, Sudan) oder haben einen großen Anteil islamischer Bevölkerung (Nigeria, Indien). Die Russische Föderation und Kasachstan sind Beispiele dafür, dass Poliofälle auch nach vielen Jahren nach einer scheinbaren Ausrottung wieder neu auftreten können.
  
Saisonale Grippe
Die echte Grippe (Influenza) ist eine "klassische" Tröpfcheninfektion. Die Impfung ist insbesondere für ältere Reisende (über 65 Jahre), Patienten mit Immunschwäche und Personen mit Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sinnvoll

Quelle


MG, 03.01.2012




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