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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut
MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH
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20359 Hamburg
www.gesundes-reisen.de
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Gerontopsychiatrie und Reisen

Gerontopsychiatrie und Reisen
 
Einführung
Seit den 1970er Jahren stehen in Deutschland gerontopsychiatrische Tageskliniken zur Verfügung. Dies ermöglicht psychisch kranken älteren Menschen, ihre Isolation zu durchbrechen und sich innerhalb einer Gruppe zu entfalten. In den Patientengruppen findet sich ein breites Spektrum an Erkrankungen und Problemen: Depressionen, nachlassende Gedächtnisleistungen, Niedergeschlagenheit nach Partnerverlust, Angststörungen, psychische Störungen durch Organerkrankungen, Alkoholmissbrauch, grundlose Gereiztheit/Aufgeregtheit etc. Im Anschluss an eine umfassende Diagnostik werden für die Patienten individuelle Therapiepläne erstellt. Das umfasst die medikamentöse Therapie, aber auch Hilfestellungen im Alltag. Beteiligt sind Ärzte, Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Beschäftigungstherapeuten, Psychologen und Krankengymnasten. Eine interessante Ergänzung zur gerontopsychiatrischen Tagesklinik ist die therapeutische Gruppenreise.
 
Therapeutisches Reisen
Eine Gruppenreise kann durch die zeitlich begrenzte engere Gemeinschaft mit den Therapeuten und durch komprimierte therapeutische Angebote helfen, die in der Tagesklinik erzielten Erfolge zu verstärken. Aus dem Gefühl der Sicherheit heraus, das durch die Gruppe vermittelt wird, können neue Eindrücke und Kontakte zu unbekannten Menschen während der Reise zur Motivation und Stabilisierung beitragen. 
Bei der Planung einer therapeutischen Reise sind vielfältige Punkte zu beachten, beispielsweise:
 
  • Auswahl eines geeigneten Reiseziels, einschl. geeigneter Unterbringung
  • Mangelnde Reiseerfahrung der Patienten
  • Auswirkungen des oft unvermeidlichen Reisestresses auf die Gruppe; evtl. geringe Stresstoleranz einzelner Personen
  • Einschätzung eines bestehenden Selbstmordrisikos einzelner Patienten
  • Gefahren durch erhöhte Verfügbarkeit von Alkohol während der Reise
  • Vorliegen körperlicher Grundkrankheiten mit erhöhten Betreuungsanforderungen, z.B. Diabetes, Herzmuskelschwäche etc.
  • Einschränkungen der Sinneswahrnehmung, z.B. Sehschwäche oder Schwerhörigkeit
 
 Vorbereitungen
Einzelgespräche mit allen potenziellen Mitreisenden sind grundsätzlich ein guter Einstieg in die Reiseplanung und -vorbereitung. Hier kann über Erwartungen, Wünsche und Ängste jedes einzelnen gesprochen werden. In einem zweiten Schritt können regelmäßige Treffen der Gruppenmitglieder organisiert werden, zum Beispiel sechs Treffen im Abstand von 14 Tagen. Dies bietet den Patienten Gelegenheit, ein Gruppengefühl zu entwickeln. Auch organisatorische Fragen (z.B. Kofferpacken, Fahrt zum Busbahnhof etc.) können während dieser Treffen besprochen werden. In der letzten Phase der Gruppentreffen können die Patienten ihre Zimmerpartner wählen. Parallel zu den Treffen der Patienten finden Meetings der mitreisenden Therapeuten statt. Im Vordergrund dieser Gespräche stehen die Festlegung von Therapiezielen für die einzelnen Patienten und der Umgang mit möglichen Krisensituationen während der Reise.
 
Während des Aufenthaltes
Bei ausreichender Planung ist nicht immer ein festes Tagesprogramm erforderlich. Existieren Beschäftigungsmöglichkeiten, z.B. Tischtennis, sowie Räume für Gruppenaktivitäten, kann oft auf eine detaillierte Planung verzichtet werden. Trotzdem ist es oft sinnvoll, den Tag zu strukturieren. Hierbei sind feste Zeiten für die Mahlzeiten, Früh- und Abendbesprechungen sowie für Spaziergänge, Ausflüge und Gesellschaftsspiele hilfreich.
 
 
Die Aufgabe der Therapeuten kann zunächst darin bestehen, die Patienten zu eigenen Aktivitäten anzuregen. Aufbauend darauf finden - entsprechend der individuellen Therapieziele - Übungen und Gespräche statt. Die Gruppe kann entlastet werden, wenn die Klärung organisatorischer Fragen mit der Heimleitung oder die Abstimmung mit anderen Reisegruppen durch eine verantwortliche Person (z.B. mitreisenden Sozialarbeiter) übernommen wird. Während der Reise sollte das Augenmerk darauf gerichtet bleiben, ob Probleme durch Unselbständigkeit, zum Beispiel bei der Körperpflege, auftreten.
Anpassungsschwierigkeiten an die Gruppe oder das Vermissen der gewohnten Umgebung führen bei Patienten manchmal zu Stress. Auch hier können die mitreisenden Betreuer „Anfangssymptome“ erkennen und gezielt entgegenwirken. Nicht immer gelingt es, diese Probleme zu lösen. Auch eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Unterbringung oder mit den Bedingungen vor Ort kann zu Konflikten und zum Abbruch des Aufenthaltes führen. Auf dieses mögliche Szenario kann man sich einstellen und für den Fall der Fälle helfen, die Abreise zu organisieren. Gelegentlich führen schlechte Nachrichten von außen, zum Beispiel Erkrankungs- oder Todesfälle in der Familie, dazu, dass die Reise vorzeitig abgebrochen werden muss.
Treten während der Reise akute Erkrankungen auf, ist es sinnvoll, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
 
Nachbereitung der Reise
Gute Erfahrungen werden mit regelmäßigen anschließenden Gruppentreffen gemacht. Beispielsweise können vier Treffen im Abstand von zwei bis vier Wochen dazu dienen, die gemeinsame Zeit ausklingen zu lassen und Erlebnisse und therapeutische Fortschritte während der Reise zu vertiefen. Dies stellt auch eine gute Möglichkeit dar, die geknüpften Kontakte in das tägliche Leben zu übernehmen.
 
Fazit
Reisen in der Gruppe bieten für Ältere mit psychischen Störungen eine gute Möglichkeit, Erholung und Erlebnis miteinander zu verbinden. Vor allem positive Effekte auf das soziale Verhalten wurden häufig beobachtet. Teilnehmer von Gruppenreisen zeigen ein größeres Selbstbewusstsein im Hinblick auf zukünftige Reisen und die aktive Erweiterung ihres sozialen Umfeldes.
  
Quelle
  • Stephan R, Rönnecke B, Gutzmann H. Therapeutische Reise mit Patienten einer gerontopsychiatrischen Poliklinik. Z Gerontologie 1981; 14: 75-82.
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MG, HEF, 27.07.2012