Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Erwachsene > 50

Besonderheiten bei älteren Reisenden

Altern ist ein natürlicher und gleitender Prozess. Manche Menschen bleiben sehr lange aktiv, kreativ und mobil. Der Alterungsprozess wird von persönlichen Belastungen beeinflusst, vom Lebensstil, der Lebensweise und den bestehenden Gesundheitsproblemen. Wer geistig und körperlich mobil bleibt altert langsamer. Altern ist deshalb kein schicksalhafter Abbauprozess, sondern ein Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt, der auch neue Chancen und Einsichten bieten kann, wenn die verfügbaren Fähigkeiten trainiert werden. Reisen können dabei eine positive Rolle spielen.


Bildquelle: www.maturetimes.co.uk

Körperliche Veränderungen mit zunehmendem Lebensalter
Im Laufe des Lebens findet sich - auch bei guter Gesundheit - eine Abnahme der Leistungsfähigkeit der Organsysteme. Damit kann die Fähigkeit des Körpers, auf bestimmte Belastungen oder neue Reize zu reagieren, beeinträchtigt sein. Dies kann sich bei ungewohnten Lebenssituationen, u.a. auch auf Reisen zeigen.

  • Die Sinnesorgane sind in höherem Alter nicht mehr so leistungsfähig. Besonders eine verminderte Sehkraft und ein verringertes Hörvermögen können während der Reise zu Problemen führen. Auch der Umgang mit komplexen oder stressbelasteten Situationen fällt schwerer. 
  • Die Lungenfunktion ist vermindert, bei einem gesunden 90-Jähriger gegenüber einem 30-Jährigen um 50%. Die Pumpkraft des Herzens nimmt deutlich ab, die Nierenfunktion verringert sich um etwa 60%. Das Risiko für einen Herz-Kreislauf-Kollaps steigt, zumal die Wahrnehmungsfähigkeit für Flüssigkeitsverluste sinkt.
  • Muskeln und Knochenstabilität bilden sich zurück (insbesondere bei Osteoporose) und damit steigt das Risiko für Unfälle
  • Die Hautelastizität nimmt ab und führt zu höherer Verletzlichkeit und Anfälligkeit für Infektionen
  • Die eingeschränkte Regulierung der Körpertemperatur im Alter (Schweißproduktion) kann bei unvorsichtigem Verhalten zu Hitzeschäden oder Unterkühlung führen
  • Eine verminderte Magensäureproduktion kann das Risiko für Magen-Darm-Infektionen erhöhen.
  • Bei älteren Personen findet sich oft ein geringer ausgeprägter Impfschutz, zum Beispiel gegen Tetanus, als bei Jüngeren. Zum Einen, weil die letzte Impfung manchmal schon Jahrzehnte zurückliegt, zum Anderen, weil auch das Immunsystem mit zunehmendem Alter schwächer auf Reize (Impfstoffe, Krankheitserreger) reagiert.

Reisevorbereitungen
Im Allgemeinen besteht auch in hohem Alter Reisefähigkeit. Eine reisemedizinische Beratung und zusätzlich eine Einschätzung der Reisefähigkeit durch den Hausarzt oder einen behandelnden Spezialisten ist stets sinnvoll. Im Rahmen einer allgemeinen reisemedizinischen Beratung können drei Kategorien von Impfungen angesprochen werden:

  • Standardimpfungen, zum Beispiel gegen Tetanus und Diphtherie, die regulär wieder einmal aufgefrischt werden müssten;
  • Impfungen, die generell in höherem Lebensalter empfohlen werden (z.B. gegen Influenza, m.E. gegen Pneumokokken);
  • Reiseimpfungen, je nach individuellem Reiseland und Reisestil.

Kommt es am Urlaubsort zu Gesundheitsproblemen, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen, so kann je nach Gesundheitsversorgung vor Ort ein erhöhtes Risiko für eine Hepatitis B, z.B. durch unsterile Spritzen und Kanülen, bestehen. Daher kann die Hepatitis B-Impfung auch für ältere Fernreisende großzügig empfohlen werden.
Der Impferfolg kann in bestimmten Fällen durch eine Antikörperuntersuchung überprüft werden (z.B. anti-HBs-Untersuchung nach Hepatitis B-Impfung bei Patienten mit eingeschränktem Immunsystem).

Während der Reise

Zahlreiche Gesundheitsprobleme rühren daher, dass täglich zu nehmende Medikamente am Tag der Reise nicht eingenommen werden. Beispielsweise wird besonders auf die Einnahme harntreibender Medikamente gerne verzichtet. Dies kann im ungünstigsten Fall zur Entstehung einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) führen. Auch sollten alle täglich zu nehmenden Arzneimittel sowie Medikamente für den Notfall (Asthma-Spray, Nitro-Spray etc.) im Handgepäck mitgeführt werden. Während Langstreckenflügen neigen ältere Personen dazu, sich während des gesamten Fluges nur wenig zu bewegen. Hierdurch steigt das Risiko für eine Reisethrombose. Dieses Risiko lässt sich jedoch durch Bewegungsübungen im Sitzen, gelegentliches Aufstehen und einen Gangplatz, der einem das Ausstrecken der Beine ermöglicht, verringern. Weitere wichtige Maßnahmen zur Verringerung der Reisethrombose sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Der Luftdruck innerhalb der Flugkabinen entspricht dem in einer Höhe von 8.000 Fuß (2438 Meter über dem Meeresspiegel). Nur bei Personen mit äußerst stark eingeschränkter Lungenfunktion kann diese vergleichsweise geringe Verminderung des Luftdrucks zu Problemen führen.

Am Urlaubsort
Nach dem Eintreffen am Urlaubsort ist es wichtig, erst einmal zur Ruhe zu kommen und allmählich, Schritt für Schritt die neue Umgebung zu erkunden. Auch ist es sinnvoll, die Möglichkeiten einer medizinischen Versorgung vor Ort in den ersten Tagen abzuschätzen. Gesundheitsprobleme während der Reise sind zwar nicht selten, aber meist geringfügig und eher lästig als gefährlich. Aus Sorge vor einer Behinderung der Reiseaktivität durch Durchfall findet sich mitunter eine übertrieben lange und hochdosierte Einnahme von Loperamid (z.B. Imodium®). Dies kann zu hartnäckigen Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss führen. Bei erhöhtem Risiko für Reisedurchfall ist es möglich, sich vor der Reise ein Antibiotikum verschreiben zu lassen. Kommt es dann während der Reise zu einem Durchfall, so ist das Problem oft durch die Einnahme von täglich 1 g Ciprofloxacin über einen Zeitraum von ein bis drei Tagen, und durch die Einnahme von täglich ein bis zwei Tabletten Loperamid an den ersten ein bis zwei Tagen nach Einsetzen der Symptomatik gut beherrschbar. Auch nehmen viele ältere Reisende zu wenig Flüssigkeit zu sich, um nicht so häufig auf die Toilette zu müssen. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme unter tropischen Bedingungen kann leicht den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt durcheinander bringen und zu Schwindel und Kreislaufstörungen führen, auch das Risiko für Harnwegsinfekte ist erhöht. Die besten Lösung ist daher, bereits während der Planung von Aktivitäten, zum Beispiel die Reiseleitung zu fragen, ob auf den entsprechenden Routen ausreichend Toiletten zur Verfügung stehen und ob in regelmäßigen Abständen Pausen eingelegt werden. Auch werden bei Exkursionen im Reiseland Muskeln und Gelenke oft stärker belastet als zu Hause. Die Verwendung eines Gehstocks kann helfen, Belastungen zu verringern. Eine vorbeugende Einnahme von Schmerzmitteln, zum Beispiel 400 mg Ibuprofen eine Stunde vor dem Ausflug, sollte die Ausnahme bIeiben, kann jedoch in Ausnahmefällen nachträgliche Muskel- und Gelenkschmerzen verringern. Vorrangiges Ziel sollte jedoch sein, Belastungen angemessen zu dosieren.

Fazit
Reisen können bis ins hohe Alter hinein Freude, Entspannung aber auch vielfältige Anregung für Körper und Geist bieten. Eine gründliche Vorbereitung ist wichtig. Hierdurch lassen sich Überforderungen und kritische Situationen bereits im Vorfeld vermeiden.

Quellen:

  • McIntosh IB. Health Hazards and the elderly traveler. J Travel Med 1998; 5: 27-29.
  • v. Schrader-Beielstein A. Was raten Sie reiselustigen Senioren? MMW-Fortschr. Med. 2007; 149. Jg., Nr. 20; 28-31.

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MG, 13.04.2012




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