Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

Meistgeklickte Inhalte:
Grippevirus Ratgeber: Impfen Pollenallergie Ratgeber: Allergien Unfälle Ratgeber: Sicherheit Krankenhaus Beijing - China Ratgeber: Auslandsärzte

Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut
MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH
Bernhard-Nocht-Str. 74
20359 Hamburg
www.gesundes-reisen.de
Hotline:
Mo. - Fr. 08:00 - 19:00 Uhr
Sa. 10:00 - 18:00 Uhr
Tel.: 0900 - 1234 999*
*EUR 1,98 pro Minute

Erkrankt: Ohren

Ohren auf Reisen

Die Ohren liefern uns eine sehr genaue Informationen über die umgebende Realität.

Im Gegensatz zum Sehsinn, der die welt, die wir zu sehen glauben, konstruiert. Beim Sehen werden Gedächtnisbilder,  Erfahrungen und Wahrscheinlichkeiten mit den Sinnesinformationen zu einem Ganzen verwebt.

Der Hörsinn dagegen hat die Aufgabe, sehr genauen Regelmäßigkeiten in Frequenzmustern nachzuspüren. Ein reiner Ton, z.B. der einer Flöte führt zu einer klaren und eindeutigen Reizung einer bestimmten Nervenzellgruppe, die das Ergebnis ohne Umbau im Gehirn abbildet, bevor es interpretiert und verarbeitet wird. Auch wenn es uns ungewohnt erscheint neben dem übermächtigen Sehsinn den Informationen des Ohres zu vertrauen, führen sie uns möglicherweise dichter an die Welt „wie sie wirklich ist“. Für alle Säugetiere ist gutes Hören überlebenswichtig: Es signalisiert Gefahren, die in ihrer Richtung geortet werden können, und besänftigt in ruhigen Zeiten des sozialen Zusammenseins mit Artgenossen, wie bei der Aufzucht von Nachwuchs. Zur Beruhigung, ohne die sozialer Kontakt nicht möglich ist, kommt es bei allen Säugern durch zwei Muskeln im Mittelohr, die Hintergrundgeräusche so abdämpfen, dass die vertraute Laute von Kinder- oder Muttertieren stärker zur Geltung kommen.


Bildquelle: www.pethumor.com

Beim Menschen wurde die Kommunikationsfähigkeit über das Ohr wesentlich erweitert. Wenn wir genau hinhören, empfangen wir nicht nur Wörter, sondern einen sehr differenzierten Klang und Modulationen, die uns bei dem Gesagten „zwischen den Zeilen“ hören lassen (Prosodie). Im Prinzip sucht der Hörsinn nach Harmonie, das heißt Schwingungen, die in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen, wie dies bei fast allen natürlichen Vorgängen der Fall ist, solange sie ungestört fließen. Dissonanzen lösen dagegen Alarm aus. Beim Hören von Musik fließen Schwingungen über das Ohr zu den verarbeitenden Hirnzentren, die sich in Sekundenbruchteilen nicht nur Bilder der Vergangenheit suchen („Aha, diese Tonfolge kenne ich!“) sondern auch intensive Zukunftsbilder gestalten („nach dieser Tonfolge müsste jetzt dieser Ton kommen, damit es harmonisch klingt!“).

Das Hören auf Artgenossen ist direkt mit der Rhythmussteuerung von Herz- und Atmung verschaltet. Das macht Sinn:

  • Wenn Säugetiere in Ruhe fressen und mit anderen unserer Art kommunizieren, müssen sie nur das Wesentliche hören: den Frequenzbereich der anderen Stimme mit denen sie sich in einem sozialen Kuschelnetz austauschen
  • werden sie dagegen bedroht, von einem Raubtier oder einer Naturgewalt, dann müssen sie alles hören: alle Frequenzbereich können dann überlebenswichtige Informationen bergen. Sie hören dann eine "Stecknadel fallen". Über einen längeren Zeitraum "alles hören" ist für das Hirn ziemlich anstrengend.

Dieser Wechsel in der Art des Hörens wird durch zwei Muskeln im Innenohr  bewirkt, die von zwei unterschiedlichen Gesichtsnerven gesteuert werden,  die wiederum direkt mit der Bremse der Stressreaktion verschaltet sind.  Nutzen Tiere diese Gesichtsnerven zur Kommunkation, ziehen die Muskeln an,  der Stress löst sich und das Herz schlägt ruhiger.

Umgekehrt  wird das Ohr umgekehrt heftig in Mitleidenschaft gezogen, wenn ein Säugetier ständig unter Alarm steht, um zu kämpfen oder zu fliehen. Beim Menschen führt solcher Dauerstress neben vielen anderen Störungen oft zunächst zum Tinnitus (Störgeräusch oder besser einem Teil einer überflutenden Ohrinformation, die die Hörrinde nicht mehr sinnvoll verarbeiten kann) oder schlißlich zu einem mit einem Hörsturz (Taubheit für bestimmte Schwingungen): d.h. die Hörrinde ist nicht mehr in der Lage  den Informationsgau zu verarbeiten und schaltet das Sinnesorgan einfach ab. 

Direkt neben dem Innenohr, das die exakten Messwerte von Schallwellen „nach innen funkt“, liegt unser Gleichgewichtsorgan, das unserer Verbindung mit dem umgebenden Raum dokumentiert und für geschmeidige Bewegungsabläufe unerlässlich ist.
Bewegungskrankheit (Kinetose)

Die phantastischen Möglichkeiten beider Organe geraten im modernen Alltagsleben etwas in den Hintergrund:

  • Viele Menschen müssen erst „hinsehen“, um wahrzunehmen, ob und wie sie sich bewegen, was aber weniger exakt ist, als ihr Gleichgewicht zu fühlen. Wenn beide Sinne dann Unterschiedliches melden, z.B. in einer Schiffkabine entsteht Chaos im Gehirn, das sich als Übelkeit äußert.
  • Elektronische Dauerberieselung des Hörorgans stumpft dessen Differenziertheit ab, so dass es, weniger trainiert, auch nur noch weniger spannende Informationen liefert. Dies trifft vor allem dann zu, wenn überzogene Lautstärken die Empfindlichkeit der Sinneszellen stören oder langfristig herabsetzen. Hörschäden gehören in der Disco-Welt immer mehr zur Normalität.

Reisen mit dem Ohr
Wenn wir es dem Sehsinn erlauben schwächer zu werden, beginnen wir zu lauschen:

  • „Über dem weiten Reisfeld steigt langsam der Mond herauf und die Sonne neigt sich gen Westen… Wie herrlich ist es doch die Beine baumeln zu lassen über der Estrade“  Bashô

Plötzlich tauchen leise Geräusche auf, schwellen an, verebben, es knistert, eine Grille zirpt, ein Frosch platscht ins Wasser. Innere und äußere Harmonie breitet sich aus, und lässt unmerklich Gelassenheit in uns aufsteigen.

Dem Hören zu folgen ist also ein guter  Weg, um Erholung zu finden.

Merkwürdigerweise wird aber das Ohr durch das Reisen in Mitleidenschaft gezogen, und das nicht nur, weil am Beach die Lautsprecher noch lauter dröhnen als zu Hause. Zum Glück sind aber nahezu alle der im Folgenden genannten Probleme bei umsichtigem Verhalten vermeidbar.

Probleme mit den Ohren


Barotrauma

Beim Tauchen und seltener bei Flügen kann es zu erheblichen Druckschwankungen kommen. Die Folge sind Einblutungen im Mittelohr (wenn die Schleimhaut angeschwollen ist), Zerreißen des Trommelfells (wenn bei schnellem Abtauchen Ohrstöpsel verwendet wurden), oder Schädigungen des Innenohres (wenn ein Taucher durch Pressen den Luftdruck im Mittelohr drastisch erhöht).

Empfehlung zur Vorbeugung:

  • Bei bestehenden Problemen Flug- und/oder Tauchtauglichkeit testen lassen
  • Zur besseren Durchlüftung abschwellende Nasentropfen, -sprays verwenden
  • Taucher sollten solange nicht auftauchen bis der Druckausgleich, ohne Gewalt, im Mittelohr gelingt
  • Träger von Hörgeräten oder Ohrstöpseln sollten diese während eines Fluges nicht tragen, sofern diese keine Bohrung zur Belüftung aufweisen.

Nasenreizung bis Nebenhöhlenentzündung
Schnupfenviren lauern überall, warum sind wir nicht ständig krank? Es erwischt uns dann, wenn die Körperabwehr geschwächt ist (Stress), wenn Klimaanlagen oder hustende Personen im Gedränge besonders viele Viren durch die Gegend pusten, wenn die Befeuchtung der Schleimhäute erschwert ist (Lufttrockenheit beim Flug) oder wenn Temperaturschwanken besonders krass erfolgen (außen klirrende Kälte und innen Bruthitze oder umgekehrt). Allergische Reaktionen der Nasenschleimhaut werden durch Reisen zunächst eher günstig beeinflusst, da das ärgerliche Allergen zu Hause bleiben muss.
Werden immer größere Teile der Schleimhaut des Nasen-Rachenraums in Mitleidenschaft gezogen, entstehen Belüftungsstörungen der Nebenhöhlen, die weiteren Ärger verursachen (Kopfschmerzen) und Mikrobenwachstum begünstigen.

Empfehlung:

  • Bei akuter Nebenhöhlenentzündung möglichst nicht reisen. Besser ist es, die Reise zu verschieben
  • Keinesfalls tauchen oder sich großen, schnellen Höhenunterschieden aussetzen (Seilbahn)
  • Sich ausruhen, Temperaturschwankungen meiden und Zeit lassen, dass sich die körperlichen Funktionen erholen können.
  • Gehörgangs- und Mittelohrentzündungen:
  • Am Strand bleibt oft, insbesondere bei Kindern, feuchter Sand im Ohr, der dahinter etwas Badeflüssigkeit aufstaut auf der wiederum alles mögliche (Pilze, Bakterien) wachsen kann. Verschlimmert wird diese zunächst harmlose Erscheinung durch Selbstreinigungsversuche mit Ohrstäbchen, die zusätzlich zu Verletzungen führen können. Daraus entwickeln sich dann Geschwüre und Ekzeme.


Entzündungen des Mittelohres entstehen, wenn die Belüftung durch eine Verstopfung des Verbindungsganges zum Rachen eingeschränkt ist. Sie ist sehr schmerzhaft, geht mit Fieber einher und bedroht immer die Funktionsfähigkeit des ganzen Hörorgans.

Eine Mittelohrentzündung kann sehr schmerzhaft sein und z.B. auch die Freude am Urlaub erheblich trüben. Baden, schnorcheln oder Tauchen ist dann nicht mehr möglich. Verursacht wird die Erkrankung durch diverse Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), die besonders in warmem Wasser gedeihen, z.B. in tropischen Korallenriffen. Aber auch der hohe Salzgehalt des Meeres, feiner Sand oder starker Wind können die empfindliche Haut im Gehörgang sehr reizen.

Viele Menschen haben außerdem ein sog. chronisches Gehörgangsekzem, hervorgerufen durch zu häufigen Seifenkontakt (Haarewaschen) oder übertriebenen Einsatz von Wattestäbchen. Eine gewisse Menge an Ohrenschmalz stellt einen Schutz für den Gehörgang dar! Das Gehörgangsekzem macht sich durch häufigen Juckreiz im Ohr bemerkbar, die Haut im Gehörgang ist weißlich und rissig, so dass sich Bakterien und Salz besonders gut festsetzen können.

Empfehlung:

  • Nach dem Schwimmen Kopf schütteln bis alles Wasser aus den Ohren geflossen ist. Mit Süßwasser duschen. Die Ohren trocken lassen (Sonne oder fönen).
  • Ist es am Strand windig oder befindet man sich auf einem Boot mit kräftigem Fahrtwind (z.B. nach einem Tauchgang), der das Salz so richtig im Ohr festtrocknen lässt, empfiehlt es sich, die Ohren kurzzeitig mit einem Stirnband zu schützen. 
  • Bei Infekt keine Ohrentropfen verwenden und nicht mit Stäbchen reinigen, sondern im Zweifel einen HNO-Arzt aufsuchen
  • Bei Verdacht auf Mittel- oder gar Innenohrentzündung immer sofort einen Facharzt aufsuchen, der ggf. für einen Abfluss von Eiter sorgen muss und in der Regel antibiotisch behandelt.


Web-Seiten:


 



HEF, 07.07.2010




G+J Glossar
Partner-Angebote