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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Erkrankt: Kopfschmerz

Kopfschmerz und Reisen

Kopfschmerz gehört zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden und kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Häufige direkte Ursachen der Schmerzen sind:

  • Stress- oder zu starke Dauerbelastung. In Bedrohungssituationen wird die Nackenmuskulatur festgestellt, freie Kopfdrehungen sind nur in entspannten, sicheren Situation wie bei der Kommunikation möglich. Längerer einwirkender Stress, fehlende Entspannung Fixierung des Blicks auf einen kleinen Bildschirm führen zuFehlhaltungen oder -stellungen der Halswirbelsäule, insbesondere der beiden oberen Wirbelkörper, die dann zur Quetschung von Schmerz leitenden Nervenbahnen führen.
  • Durch Daueranspannungen von Muskulatur, durch die Nervenleitbahnen führen und auf die stetiger Druck ausgeübt wird, der auch zur Stauung von Flüssigkeit in der Umgebung oder auch zu bindegewebigem Umbau führen kann
  • Sehr starke Anspannungen unterschiedlicher Art können die Funktionstüchtigkeit des unteren Hirnteils beeinträchtigen, der für automatisch ablaufende Körperfunktionen verantwortlich ist. Dort kann es u.a. zu  krampfartige Entladungen kommen, die auf das Sehzentrum ausstrahlen und sich als Migräneattacken äußern.


Kopfschmerz durch Fehlhaltung
Um zu verstehen, wie es zu diesen Problemen kommen kann, ist es hilfreich sich in Erinnerung zu rufen, dass der Mensch ein Zweibeiner ist. Der Kopf ist oben und die Füße unten, das scheint selbstverständlich zu sein, aber schauen Sie sich doch einmal die Haltung Ihrer Mitmenschen in der U-Bahn oder am Arbeitsplatz etwas genauer an. Unsere Nackenmuskulatur ist meist zu schwach, um wie bei einem nach vorne gebeugten Gorilla unseren Schädel mit etwa anderthalb Pfund Gehirn halten zu können. Deshalb ist der Nacken außerhalb des Bettes am entspanntesten, wenn die Halswirbelsäule sich aufrecht nach oben recken kann. Das gelingt aber nur, wenn die Schultern entspannt sind und man locker in den Füßen steht, wie eine Marionette, wenn man sich nicht demütig und trübsinnig nach vorne hängen lässt und auch nicht militärisch aufrecht und kämpferisch daherkommt. Als kleine Kinder konnten wir das und verlernen es, weil andere, die Nackenmuskulatur belastenderen Haltungen sich offenbar als angepasster erwiesen für unsere bevorzugte innere psychische Haltung, mit der wir den Widrigkeiten der Welt gegenübertreten.

Eine nackenentlastende Haltung muss man nicht erlernen, sondern es ist allein schon hilfreich, Fehlhaltungen bleiben zu lassen und Entspannung in sich zu entdecken. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Eine Methode, die sich auf die Lockerung und Aufrichtung der Wirbelsäule konzentriert, ist ein Übungssystem nach F.M. Alexander, einem Schauspieler, dem es gelang, durch Selbstbeobachtung wirksame Strategien zur Entlastung der oberen Wirbelsäule herauszufinden. Neben der Alexandertechnik können auch sanfte Massage und leichte Bewegungen wie bei Feldenkrais-, Yoga- und QiGong-Übungen für die Aufrichtung des Kopfes sehr hilfreich sein. Bei Sport, z.B. beim sonst gesunden Schwimmen oder Joggen muss ggf. durch Anleitung darauf geachtet werden, dass sich der Nacken nicht durch Fehlhaltungen noch mehr verkrampft.

Kopfschmerz durch Verspannung?
Ein zweiter Ursachenzusammenhang besteht darin, dass wir die Muskeln des Gesichtes und des Halses für die Kommunikation mit anderen Menschen brauchen. Diese Muskeln werden von den sogenannten Kiemenbogennerven gesteuert, die arbeitslos wurden, als unsere fischartigen Urahnen an Land krabbelten.
Wenn wir sprechen, auf Stimmen und Musik hören, jemanden anlächeln oder uns einem Bekannten zuwenden, sind es fein abgestimmte, und damit störungsanfällige Muskelbewegungen, die von komplexen Programmen des Gehirns gesteuert werden. Wenn das Gehirn mit Angst und Stress beschäftigt ist, ist die Koordination dieser Kommunikations-Muskeln unwichtig, da Kampf oder Fluchtprogramme angeschaltet werden, und damit erstarren diese Muskeln und werden fest. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es anschließend eine Lockerungsphase gäbe, in der wieder eine freundliche Zugewandtheit zu anderen Menschen Sicherheit und Ruhe vermittelt. Dauerstress quetscht dagegen die sehr feinen Nervenenden, die diese z.T. winzigen Muskeln durchziehen. Zu allem Unglück ist einer dieser Kiemenbogennerven u.a. auch noch für die Steuerung der Herz- und Immunfunktion verantwortlich und verläuft durch einen ggf. verspannten Hals. Es ist offensichtlich, dass dies auch andere Auswirkungen nach sich zieht, die sich zusätzlich zum Kopfschmerz nachteilig auswirken. Deshalb ist ein Kopfschmerz häufig ein noch harmloses und damit noch leicht beeinflussbares Frühsymptom, bevor sich anderes, z.B. ein Herzinfarkt oder eine Depression anbahnt.

Es ist also günstig, bei Kopfschmerzen nicht sofort nach Medikamenten zu greifen, sondern sie auch als eine Chance begreifen etwas über sich selbst und den Umgang mit Belastungen zu erfahren. Könnte der Kopfschmerz z.B. ausgelöst worden sein durch:

  • Aktives oder passives Rauchen?
  • Alkohol?
  • Arbeitsüberlastung?
  • Konflikte?
  • Schlafmangel?
  • Flüssigkeitsmangel (zu viel Kaffee oder zu viel Schwitzen)?
  • oder etwas ganz anderes?

Erst nach solchen Überlegungen macht es Sinn, nach einem Medikament zu greifen. Ein wirksames Mittel beseitigt den Schmerz, aber nicht seine Ursache, d.h. es verdeckt. Und auch wenn manch einer einen Schnaps zum Frühstück als wirksames “Medikament” gegen Katerkopfschmerz empfindet, taugt es wenig als langfristige Lösung des Problems. Zunächst kann versucht werden, ob sich der Schmerz nicht durch eine Eigenmassage löst. Dazu folgender Vorschlag:

  • Entspannt hinlegen
  • Die Stirn ausstreichen nach beiden Seiten von der Nasenwurzel zur Schläfe
  • Beide Hände aufs Gesicht neben die Nase, Augen bedecken, Schultern entspannen, locker atmen, auf den Atem achten ohne ihn zu beeinflussen
  • Handballen locker und sanft auf den Schläfenraum zwischen Augen und Ohren drücken, Schultern entspannen, locker atmen, auf den Atem achten ohne ihn zu beeinflussen
  • Hände von vorne locker um den Hals legen, Kopf leicht drehend gegen einen sanften Widerstand der Hände bewegen, Schultern entspannen, locker atmen, auf den Atem achten ohne ihn zu beeinflussen
  • Hände übereinander auf den Übergang zwischen Hals und Brustkorb legen, Schultern entspannen, locker atmen, auf den Atem achten ohne ihn zu beeinflussen
  • Hände übereinander auf den unteren Teil des Brustkorbes legen, Schultern entspannen, locker atmen, auf den Atem achten ohne ihn zu beeinflussen
  • Hände übereinander auf den Bauch legen und entspannen

Weitere wirksame Methoden, um den Schmerz vergehen zu lassen sind:

  • Sich Zeit für sich selbst nehmen
  • Sauna oder Spaziergang genießen
  • Sich durch einen anderen massieren lassen
  • Oder irgendetwas anderes, was dazu führt, dass Körper und Geist sich wieder lockern können

Wirksame Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen haben vor allem den Sinn, den Teufelskreis zwischen Verspannung und Schmerz zu lösen, wenn ihm nicht anders beizukommen ist. Sehr häufig ist in diesen Fällen auch eine Akupunktur hilfreich, wenn der Anwender über eine entsprechende Qualifizierung verfügt. Akupunktur hat den Vorteil, keinen Nebenwirkungen nach sich zu ziehen.

Migräne
Migräne ist eine krampfartige Entladung von Hirnnervenzentren, die mit  einer Störung des Sehzentrums beginnen und dann zu Schmerzattacken auf einer Seite des Kopfes führen. Migräne wird meist durch charakteristische Wahrnehmungen angekündigt (Aura), die den Betroffenen häufig bekannt sind, so dass es manchmal möglich ist, Alltagsaktivitäten abzubrechen und sich zurückzuziehen. Die wesentliche Notfallmaßnahme ist es für absolute Ruhe und Sicherheit zu sorgen.

Die Neigung zur Migräne wird vererbt. Der eigentliche Migräneanfall wird jedoch häufig durch bestimmte Faktoren ausgelöst:

  • Beruflicher Stress, Zeitdruck und die Entspannungsphase danach Änderungen im Lebensrhythmus; am Wochenende, zu Beginn des Urlaubs, auf Reisen
  • Ängste, depressive Verstimmung
  • Starke Emotionen, familiäre Probleme
  • Körperliche Belastungen
  • Unregelmäßiges Essen, unregelmäßiger Schlaf
  • Hormonelle Schwankungen, Menstruation
  • Klimaumstellung; intensive Sonnenstrahlung, Hitze, Föhn
  • Alkoholische Getränke, besonders Sekt und Rotwein
  • Bestimmte Medikamente, wie Potenzmittel

Ein wesentlicher Teil der Migräne-Vorbeugung besteht darin, die bekannten individuellen Auslöser zu vermeiden. Ergänzend stehen verschiedene Medikamente zur Prophylaxe (Betablocker, Fluranizin) zur Verfügung. Kommt es zu einem akuten Migräneanfall, so empfiehlt die Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) eine hochdosierte Gabe von Schmerzmitteln wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen bzw. die Einnahme von Triptanpräparaten.

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden?
Kopfschmerz kann auch eine frühes oder erstes Zeichen von anderen Infektionen durch Bakterien oder Viren sein oder mit einer anderen Erkrankung des Gehirns im Zusammenhang stehen, z.B. Epilepsie oder Schlaganfall.

Bei den folgenden Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden:

  • Kopfschmerz und Fieber
  • Schmerzen, die nicht nachlassen oder immer wieder neu auftreten
  • Nackenschmerz und deutliche Nackensteifigkeit verbunden mit Fieber
  • Sehr starke oder sich ständig verstärkende Schmerzen
  • Kopfschmerzen nach Einnahme neuer Medikamente
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzattacken mit unwillkürlichen, nicht kontrollierbaren Zuckungen der Muskulatur oder mit Bewusstseinstrübung oder teilweise Ausfall des Gedächtnisses
  • Schwindel, Sehstörungen
  • Kopfschmerzen nach einem stumpfen Trauma (Stoß oder Schlag), insbesondere verbunden mit Erbrechen
  • Wenn nach dem 40. Lebensjahr bisher unbekannte Kopfschmerzen auftreten
  • Kopfschmerzen in Verbindung mit starken psychischen Beschwerden oder Verstimmungen

Hinweise

  • Bei bekannter Neigung zu Kopfschmerzen sollten Reise, insbesondere aus beruflichen Gründen, sorgfältig geplant werden
  • Urlaube sollten möglichst ruhig und erholsam verlaufen.
  • Kopfschmerzpatienten tun gut daran, sich mit ihrem Krankheitsbild näher zu beschäftigen und Entspannungs- und Aktivierungsmethoden zu erlernen. Dafür kann ein Urlaub den geeigneten Rahmen bieten.

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HEF, 05.04.2012