Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Diabetes und Sport

Diabetes und Sport

Diabetiker können jeglicher Sportart nachgehen. Je intensiver sie sich aktiv bewegen und fit halten, desto günstiger wirkt es sich auf den Verlauf dieses Leidens aus. Wichtig ist dabei, dass sich Patienten mit ihrer Erkrankung auskennen, ihre Trainingsbelastungen langsam steigern und sich nicht durch Ehrgeiz überfordern.

Bergsteigen

Klettern, Bergwandern oder Trekking bringen Verletzungsrisiken mit sich. Diabetiker müssen zusätzlich Sorge tragen, das Gleichgewicht des Blutzuckerstoffwechsels durch die vermehrte Aktivität nicht zu sehr zu stören. Zahlreiche unvorsehbare Ereignisse können leicht zu einer Entgleisung des Blutzuckerspiegels führen, so dass für Diabetiker eine gute, vorausschauende Planung der Exkursion zwingend notwenig ist. Ein Herantasten an ungewohnte Exkursion macht mehr Sinn als aus dem Büroalltag sofort in die Urlaubshyperaktivität durchzustarten.

Die Vermeidung hypoglykämischer Krisen ist den Diabetiker durch Einnahme kleiner Snacks oder Getränke meist vertraut. Eine größere Gefahr geht beim Bergtrkking von einem zu hohen Blutzuckerspiegel aus. Insulinmangel steigert den Fett- und Muskelabbau, der in der Leber mit der Bildung von Ketonen abgeschlossen wird. Zusätzlich kann Stress über eine Kortisolausschüttung die Glukoseproduktion und die Bildung von Ketonen verstärken. Im Ergebnis entsteht eine hyperglykämische oder ketoazidotische Krise. Ob und wann diese eintritt, ist individuell sehr unterscheidlich, bei Typ-1-Diabetikern häufiger als bei Typ-2-Diabetikern und sehr oft mit unerwartetem Stress oder zu schnellem Aufstieg assoziiert. Erste Anzeichen für diese gefährliche Stoffwechselkrise sind Übelkeit, abdominelle Schmerzen, Schwäche, Sehstörungen u.a.. Die Haut fühlt sich abhebbar an, die Schleimhäute sind trocken, der Blutdruck steigt, die Atmenfrequenz nimmt immer stärker zu, die Ausatemluft riecht nach Azeton. Patienten in einer solchen Krise bedürfen intensivmedizinischer Versorgung. Diabetiker müssen deshalb in der Vorbereitung alles tun, um solche Krisen erst gar nicht aufkommen zu lassen, zum Beispiel durch langsamen, geruhsamen Aufstieg, oder sie müssen bei den ersten Anzeichen den Rückzug oder Heimweg antreten.  

Achttausender wurden mittlerweile auch von Diabetiker bestiegen. Solche Extrembelastungen erhöhen jedoch die Risken des Auftretens und des ungünstigen Verlaufs aller höhenassoziierten Erkrankungen.      

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Bei Aufenthalt in entlegenen Regionen ist eine korrekte Blutzuckerbestimmung essentiell.

Störgrößen:

  • der sinkende Sauerstoffpartialdruck
    • GOX (Glucose-Oxidase)-Meßgeräte können in großer Höhe fälschlich zu niedrige Werte anzeigen
    • GDH (Glukosedehydrogenase)-Meßgeräte liegen eher fälschlich zu hoch
  •  Temperaturschwankungen
    • Die meisten Meßgeräte sind nur für Temperaturen über acht Grad zugelassen
    • ein Einfrieren eines Meßgerätes kann es definitiv schädigen
  • Meßfehler sind bereits ab 1.500-2.000 Metern ü. NN möglich
    • Zum Eichen des Gerätes hat sich bei Trekkingtouren das Mitführungen standadisierter Testlösungen bewährt
    • Solche Lösungen dürfen nicht einfrieren

Auch ein Einfrieren von Insulin führt zu Abschwächung oder gar zu Wirkungsverlust nach dem Auftauen.

  • Wenn kein "sicheres" Insulin mehr verfügbar ist, muss die Tour abgebrochen werden.
  • Um Frost zu vermeiden sollten Insulin und Meßgeräte körpernah getragen werden
  • Reserven sollten sich beim begleitenden Partner oder in sicheren Deponien (Bergstationen) befinden

Gerätetauchen

Tauchen ist ohne erhebliches Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) möglich, wenn strikte Vorgaben eingehalten werden.

Die wichtigsten Empfehlungen sind:

  • Der Blutzuckerspiegel vor dem Tauchgang sollte im Bereich von 200 und 250 mg/dl (11-13.75 mmol/l) liegen
  • Verminderung der Insulindosis um rund 30%
  • Mitnahme von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln an Bord
  • Mitführen einer Notfallausrüstung

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, jeden Tauchgang besonders sorgfältig zu planen. Bei der Notfallausrüstung sollten vor allem die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  • Traubenzuckerhaltige Produkte sollten in wasserdichten Behältern, verteilt auf mehrere Tauchpartner mitgeführt werden. Evtl. Mitführen eines “SCUBA” - Tauchbeutels mit zuckerhaltigem Getränk, der auch ein Trinken während des Tauchganges erlaubt
  • An Bord sollten ausreichend Glukose-Teststreifen und ein Blutzuckermessgerät vorhanden sein
  • Jederzeit sollte Hilfe geholt werden können. Daher sollten Mobiltelefone mitgeführt werden. Im Hotel kann nach den lokalen Notrufnummern gefragt werden.

Die Sicherheit des Tauchganges lässt sich durch die Beachtung einiger zusätzlicher Hinweise noch steigern:

  • Um einem zu großen Wasserverlust, der durch die höheren Blutzuckerspiegel begünstigt wird, vorzubeugen, ist es oft nützlich, die Trinkmenge vor dem Tauchgang zu verdoppeln (Richtwert: 2-3l Flüssigkeit).
  • Es ist sinnvoll, so zu tauchen, dass keine Dekompressionszeiten eingehalten werden müssen.
  • Bei Wassertemperaturen unter 14 °C sollte auf Tauchgänge verzichtet werden.
  • Da Patienten mit Diabetes oft unter Wundheilungsstörungen leiden, sollten auch kleinere Verletzungen vermieden werden, zum Beispiel durch das Tragen von Strandschuhen beim Baden und durch sicheren Abstand zu Korallen beim Tauchen.


Quellen

  • Lormeau B, Sola A, Tabah A, et al. Blood glucose changes and adjustments of diet and insulin doses in type 1 diabetic patients during scuba diving. Diabetes Metab 2005; 31: 144-151.
  • Gutt B et.al.: Der Diabetiker in der Höhe, FTR 2008, 15 (4):178-183
  • Diabeticus



RMZ, SH, 10.04.2012




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