Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Dengue

Dengue

Das Dengue-Virus wird in den Tropen und Subtropen von tag- und nachtaktiven Mücken (Aedes aegypti, Aedes albopictus) übertragen. Europa und Nordamerika sind nicht betroffen. Infektionsquellen sind in städtischen Regionen Menschen, in waldnahen Regionen Südostasiens auch Affen. Der Erreger kommt in vier verschiedenen Formen vor (Flavivirus Den-1 bis Den-4). Eine Infektion mit einem dieser Virustypen führt zu einer Immunität gegen genau diesen Typ, aber nicht gegen die anderen drei. Diese Zweitinfektionen mit einem anderen Typ können nach einer Erstinfektion schwerer verlaufen.

Geschichte der weltweiten Dengueverbreitung
Die ersten Dengueepidemien wurden Ende des 18. Jahrhunderts etwa zeitgleich aus Asien, Afrika und Nordamerika berichtet. Die Abstände der folgenden lokalen Epidemien mit überwiegend milden Verlaufsformen betrugen etwa 10-40 Jahre. Die ersten weltweiten Dengue-Epidemien (Pandemien) traten nach dem 2. Weltkrieg auf. Seit 1975 ist Dengue in den betroffenen Regionen eine wichtige Ursache stationärer Behandlungen, insbesondere bei Kindern. Heute ist Dengue die wichtigste virale Infektion, die durch Mücken übertragen wird. Die jährlichen Erkrankungszahlen von Dengue sind mit denen der Malaria vergleichbar. Etwa 2,5 Milliarden Menschen leben in Regionen, in denen es jährlich zu Dengueinfektionen kommt.

Nach Epidemien mit einem Denguetyp flaut die Übertragung ab, da sich in der Bevölkerung eine Immunität entwickelt, die die weitere Verbreitung behindert. Neue Erkrankungswellen entstehen dann durch die Einführung eines anderen Denguevirustyps. So hatte die Wiedereinführung von Den-3 (in einer neuen genetischen Variante) in Lateinamerika und der Karibik nach einer langen Abwesenheit ab etwa 1994 erhebliche Raten an Neuerkrankungen und auch an Komplikationen zur Folge.

Bildquelle: klab.agsci.colostate.edu


Übertragu
ng und Erkrankung
Die Überträgermücke vermehrt sich besonders gut nach heftigen Regenfällen, wenn Wasser nicht zügig abfließt. Sie ist in städtischen (und ländlichen) Regionen heimisch. Faktoren, die Ausbrüche an Dengue-Fieber in den betroffenen Ländern fördern, sind Verstädterung, Überbevölkerung, dichte Besiedlung, Mängel im Gesundheitswesen und bei der Abfallentsorgung.
Es sind z.Z. weder Impfungen noch Prophylaxe-Medikamente gegen Dengue-Fieber verfügbar.
Die Erkrankung ähnelt einer schweren Grippeerkrankung. Symptome sind:

  • Hautausschlag
  • Hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Die Krankheitserscheinungen treten 2-14 Tage nach einer Infektion auf.
Hämorrhagisches ("blutiges") Dengue Fieber ist eine bei Reisenden sehr seltene Komplikation der Dengue-Erkrankung (oft erst nach mehrfachen Infektionen) und zeigt die folgenden Symptome:

  • Zusammenbruch des Blutkreislaufs
  • Gesichtsrötung
  • Krampfanfälle
  • Hämorrhagischer Schock
  • Zahnfleischbluten
  • Anschwellen der Leber

Gefährdet sind vor allem vor Ort lebende Kinder und Personen, die sich sehr lange oder häufig in den Verbreitungsgebieten aufhalten.
 

Gründe für die Zunahme von Dengue-Infektionen

  • Verschlechterung ökologischer und sozialer Bedingungen und dadurch verstärkte Mückenverbreitung
  • Verschlechterung der Situation der Gesundheitssysteme in vielen Ländern und dadurch mangelhafte Mückenbekämpfung
  • Zunahme der Mobilität, insbesondere der Flugreisen


Risikoeinschätzung für Reisende

  • Die genaue Zahl der an Dengue-Fieber erkrankten europäischen Reisenden (im Vergleich zu allen europäischen Reisenden in betroffene Regionen) ist nicht bekannt. Gemeldet werden meist nur die Patienten, die nach Rückkehr in der Heimat erkrankten und auf Dengue untersucht wurden - nicht dagegen die Reisenden, die während eines längeren Aufenthaltes in den Tropen die Erkrankung vor Ort durchmachen. Zudem sind die Krankheitszeichen vielfältig und wenig eindeutig, so dass Dengue-Infektionen nicht immer erkannt werden.
  • Auch außerhalb von Epidemie-Phasen können Reisende in Regionen mit Dengue-Vorkommen infiziert werden und ggf. das Virus auch weitertragen. Länder aus denen vergleichsweise häufig Denguevirus-Infektionen mitgebracht werden, sind beispielsweise Thailand, Indonesien und Indien. Der gefährliche Verlauf mit Blutungsneigung ist bei Reisenden selten. Vorbeugen, damit der Urlaubsspaß nicht verdorben wird!
  • Betroffen von Dengue-Erkrankungen sind in erster Linie Kinder in sozial benachteiligten Wohngebieten. Bei Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen bleibt das Risiko für Reisende relativ gering.

Empfehlungen für Reisende

  • Ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar. Daher ist und bleibt es am wichtigsten, auf Mückenschutz (insb. in städtischen Regionen) bei Tag und Nacht zu achten!
  • Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich. Bei einer Erkrankung können lediglich die Symptome gelindert werden.
  • Die einzig wirksame Vorbeugung ist ein konsequenter Mückenschutz (Bekleidung, Repellentien, Moskitonetz etc.).
  • Kleine Kinder, Reisende mit blutverdünnenden Medikamenten und Personen, die bereits an Dengue-Infektionen erkrankt waren, haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Bei diesen Personen ist besondere Vorsicht geboten.
  • Im Zweifel: Individuelle Beratung vor der Reise zum persönlichen Gesundheitszustand oder Gesundheitsrisiko.
  • Bei Fieber sollte stets unverzüglich ärztlicher Rat gesucht werden. Selbst bei regionaler Häufung von Dengueerkrankungen ist jedes Fieber immer auch malariaverdächtig.


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MG, 23.03.2012




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