Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung
Cholera: Evolution
Cholera: Evolution

Bildquelle: Wikipedia
Die letzte große Cholera-Epidemie des 20. Jahrhunderts fand in Peru statt. Anfang 1991 wurden zunächst einige Erkrankungsfälle im Küstenbereich registriert. Innerhalb weniger Wochen kam es zur Ausbreitung über das gesamte Land. Am 2. Februar rief die peruanische Regierung den nationalen Notstand aus. Schließlich waren in verschiedenen Gegenden Süd-, Mittel- und Nordamerikas Ausbrüche zu verzeichnen. In Südamerika erkrankten etwa 400.000 Menschen, schätzungsweise 12.000 verstarben.
Die Cholera-Erreger, die aus verschiedenen Regionen isoliert wurden, unterschieden sich oft in ihrer Virulenz, also ihrer "Aggressivität", bzw. hinsichtlich der Menge an Giftstoff (Choleratoxin), die sie freisetzten. Interessanterweise fanden sich Zusammenhänge zwischen der Wasserqualität einer betroffenen Region und der "Aggressivität" der Bakterien. In Gegenden mit guter Wasserqualität und Abwasserentsorgung fanden sich mildere Krankheitsverläufe, während Patienten unter schlechten hygienischen Bedingungen sich eher mit aggressiveren Keimen auseinandersetzen mussten. Je größer der "Pool" ist, in dem sich die Erreger ausbreiten können, desto weniger ist der Erreger auf seinen Wirt - den erkrankten Menschen - angewiesen, um zu überleben.
Faktoren wie die Temperatur, der Algenanteil oder chemische Verunreinigungen des Wassers können einen Effekt auf die Vermehrung, Übertragungsraten und die "Aggressivität" der Bakterien haben.

Quelle: http://www.besthealthsecret.com
Nehmen wir an, in einem verunreinigten Brunnen findet sich ein Erregergemisch aus relativ gutartigen und extrem bösartigen Choleraerregern. Nehmen wir weiter an, zwei Personen trinken ein Glas Brunnenwasser und erkranken an Cholera.
- Person A lebt in einem Slum. Der Durchfall und damit die Erreger gelangen in Wasserreservoire, die von den Slumbewohnern als Trinkwasser genutzt werden. Zwar führt eine Infektion mit dem bösartigen Erreger unbehandelt rasch zum Tode, der bösartige Erreger gelangt jedoch so schnell in das Trinkwasser der Slumbewohner, dass er trotz des frühen Todes des Patienten mühelos andere Menschen infizieren und sich so explosionsartig weiter ausbreiten kann.
- Person B lebt in einem Dorf, in dem die Häuser mit fließend Wasser und modernen WCs ausgestattet sind und in dem die Kanalisation gut funktioniert. Die engen Kontaktpersonen von Person B, die sich mit der bösartigen Erregervariante infiziert haben, würden krank im Bett liegen, bevor sie unter den guten hygienischen Bedingungen des Dorfes jemanden anstecken könnten. Damit wäre der bösartige Erreger zum Aussterben verurteilt. Diejenigen, die sich mit dem gutartigen Erreger bei Person B angesteckt hätten, wären nur mäßig krank, würden wahrscheinlich weiter zur Arbeit gehen und hätten mit zahlreichen Menschen Kontakt. Im Laufe der vielen Alltagskontakte der Leichterkrankten könnte ein verpasstes Händewaschen nach dem Gang zur Toilette und anschließendes Brötchenschmieren für Familie oder Kollegen schon genügen, damit der gutartige Erreger nicht ausstirbt.
Fazit
Je besser die hygienischen Bedingungen, die Abwasserentsorgung und der Zugang zu sauberem Trinkwasser während eines Choleraausbruches, umso gutartiger werden die Krankheitsverläufe mit der Zeit.
Links
Literatur
- Islam MS, Talukder KA, Khan NH, et al. Variation of toxigenic Vibrio cholerae O1 in the aquatic environment of Bangladesh and its correlation with the clinical strains. Microbiol Immunol 2004; 48: 773-777.
- Patel M, Isaäcson M. The effect of iron on the toxigenicity of Vibrio cholerae. Am J Trop Med Hyg. 1999; 60: 392-6.
- Rahman MH, Biswas K, Hossain MA, et. al. Distribution of genes for virulence and ecological fitness among diverse Vibrio cholerae population in a cholera endemic area: tracking the evolution of pathogenic strains. DNA and Cell Biology 2008; 27: 347-355.
- Reyburn R, Kim DR, Emch M, Khatib A, et al. Climate variability and the outbreaks of cholera in Zanzibar, East Afrika: a time series analysis.
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MG, SH, 21.02.2012