Gesundheit auf Reisen
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Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Chagas

Chagas

Chagas ist nach intensiven Bekämpfungsmaßnahmen der Überträgerinsekten eine inzwischen sehr seltene Erkrankung. Sie kommt in Lateinamerika bei Personen vor, die unter einfachsten Bedingungen leben. Schätzungsweise 8 Millionen Menschen sind betroffen. Die Erreger (bewegliche, einzellige Parasiten, so genannte Trypanosomen, T. cruzi) ähneln denen der afrikanischen Schlafkrankheit. Auf den Menschen werden Trypanosomen durch den Kot von Raubwanzen übertragen, den diese während oder nach einem Stich abgeben. Raubwanzen leben im Dschungel oder in den Ritzen von Lehmbehausungen, die deshalb im Rahmen von Ausrottungskampagnen mit Insektiziden besprüht werden. Auch eine Übertragung durch mit Wanzenkot kontaminierte Getränke oder Speisen ist möglich. Die Krankheit verläuft mit akuten Phasen, die sich spontan zurückbilden, aber bei fehlender Behandlung von langfristigen Organschädigungen gefolgt werden. Viele infizierte Personen bleiben lange beschwerdefrei, so dass die Erkrankung nicht oder erst sehr spät nachgewiesen wird. Das Risiko für Reisende in Regionen mit Chagasvorkommen ist extrem gering, da die Unterkünfte von Reisenden wanzenfrei sind und Trekkingtouristen oder Entwicklungshelfer meist Moskitonetze benutzen, wenn sie in Hütten schlafen müssen.


Raubwanze - Bildquelle: Bosten College

Aus Brasilien und den USA wurden 2006 über zwei wenig bekannte Übertragungsmöglichkeiten dieser Erkrankung berichtet: beim Trinken eines traditionell zubereiteten Palmweines können Erreger übertragen werden. Bei dem so genannten Bacabawein werden die Früchte der Palme Oenocarpus bacaba verarbeitet.


Früchte der Bacaba Palme - Bildquelle: Cybermango


Zwischen den traubenartigen Früchten können Wanzen stecken, die dann beim Herstellungsprozess mitverarbeitet werden. 

Nach Angaben des Tropeninstitutes Belem wurden noch vor zwei Jahrzehnten über 20.000 Infektionen mit Chagas in ganz Brasilien gezählt. Heute scheint in Brasilien die Übertragung von Chagas im häuslichen Umfeld der Vergangenheit anzugehören. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO, die Schwesterorganisation der WHO) stellte Brasilien eine entsprechende Zertifizierung aus. Allerdings sind die weiterhin im Urwald lebenden Wanzen jetzt offenbar wieder in die Nähe von Dörfern vorgedrungen. Daher erforderen diese Einzelfallmeldungen eine erneute Aufmerksamkeit für diese fast vergessene Erkrankung. Im Jahr 2009 waren Chagas-Ausbrüche im Zusammenhang mit kontaminierten Lebensmitteln aus Venezuela und Kolumbien gemeldet worden. Im Rahmen der Globalisierung ist eine Ausdehnung von ländlichen in städtische Regionen hinein sowie von Endemiegebieten in nichtendemische Regionen hinein zu erwarten und zum Teil auch schon zu beobachten.

In den USA wurde 2001 und 2006 die Übertragung des Erregers bei Organtransplantationen nachgewiesen. Die betroffenen Patienten verstarben. Auch durch Bluttransfusionen kann der Erreger übertragen werden.

Weitere Informationen zu Chagas:



MG, 02.01.2012




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