Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

Meistgeklickte Inhalte:
Grippevirus Ratgeber: Impfen Pollenallergie Ratgeber: Allergien Unfälle Ratgeber: Sicherheit Krankenhaus Beijing - China Ratgeber: Auslandsärzte

Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut
MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH
Bernhard-Nocht-Str. 74
20359 Hamburg
www.gesundes-reisen.de
Hotline:
Mo. - Fr. 08:00 - 19:00 Uhr
Sa. 10:00 - 18:00 Uhr
Tel.: 0900 - 1234 999*
*EUR 1,98 pro Minute

Borreliose (Lyme-B.)

Zecken und Borreliose

Auf der nördlichen Halbkugel werden Zecken ab März aktiv und bleiben es bis November. Zecken fühlen sich bei Temperaturen zwischen 17-20°C am wohlsten und bleiben unter 7°C passiv. Über 1.000 m Höhe sind sie meist nicht mehr anzutreffen. Zecken lieben Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit. Ist der Sommer heiß und trocken, ziehen sich die Zecken zurück, verregnete Sommer mögen sie dagegen.

Die bei uns weit verbreiteten Schildzecken (Ixodes ricinus oder "Gemeiner Holzbock") lauern im Gras und niederem Gebüsch. Neu wandert nach Deutschland die Auwald- (oder Bunt-) Zecke ein, die im Gegensatz zum Holzbock auch aktiv auf Beutetiere zu krabbelt (Laufzecke) und die für Hunde gefährlichen Bakterien der Gruppe Babesia canis überträgt.

Sie können beim Blutsaugen unterschiedliche Krankheiten übertragen, wenn sie mit Erregern infiziert sind:
In Mitteleuropa und den USA die Übertragung des Bakteriums "Borrelia burgdorferi" am häufigsten. Das "Frühsommer-Meningo-Enzephalitis-Virus" (FSME-Virus, oder sein Verwandter das RSSE-Virus) kommt dagegen nur in bestimmten Regionen Europas und Asiens vor, in Deutschland überwiegend im Süden. Daneben scheinen sich bislang seltene Zecken-Arten zunehmend auszubreiten: die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) vor allem in Süd- und Ostdeutschland, die Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) in Brandenburg.



Schildzecke (von links: Weibchen, Männchen, Nymphe, Larve) Quelle: CDC

Um sich nicht stechen zu lassen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Insekten-Repellents für die Haut
    • Kommerzielle Repellents ("Abwehrmittel") für die Anwendung auf der Haut sind seit Jahrzehnten gegen Mücken und Zecken im Gebrauch.
    • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Repellents mit den Wirkstoffen DEET (Diethyltoluamid, u.a. Jaico®, NoBite®) oder Icaridin (u.a. Autan Active®, Autan Family®, NoBite Sensitive®). DEET wird seit vielen Jahrzehnten verwendet und ist der am besten getestete Wirkstoff. Es wird in Konzentrationen von 20-50% angeboten, wobei höhere Konzentrationen eine deutlich längere Schutzwirkung von bis zu fünf Stunden erzielen. Ähnlich aussagekräftige Studien liegen zur Wirksamkeit von Icaridin vor, wobei diesem Mittel eine bessere Hautverträglichkeit als DEET zugesprochen wird. DEET wird seit 1953 angewendet und ist nach wie vor am besten wirksam. Es kann jedoch neurologische Effekte haben und darf daher nicht bei Kindern, bei Schwangeren und auch nicht großflächig angewendet werden.
  • Unabhängige Tests (Tropeninstitut Basel) bescheinigen auch dem Produkt Zanzarin® Bio-Lotion, das Kokosnussbestandteile, Aloe Vera, Jojoba, Vitamin B Komplex und Vitamin E enthält, eine gute Wirksamkeit gegen Mücken und Zecken.
  • Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Repellents auf Basis pflanzlicher bzw. ätherischer Öle (Teebaumöl, Soja, Citronella etc.). Diese können durchaus effektiv sein, zeigen aber in der Regel eine deutlich kürzere Wirkungsdauer als die oben genannten Mittel.

Die Wirkungsdauer und Einschränkungen bei Kleinkindern oder Schwangeren sind bei den verschiedenen Produkten unterschiedlich - bitte Packungsbeilage beachten!

Kleidung und Imprägnierung
In Risikogebieten kann helle und möglichst lange Kleidung getragen werden. Zecken lauern in Gräsern, sie fallen nicht von Bäumen herab. Deshalb schützen festes und möglichst hohes Schuhwerk und (imprägnierte) Socken, die beim Wandern über die Hosenbeine gezogen werden.

Zusätzlich zu Repellents für die Haut sind auch solche Produkte zu empfehlen, mit denen die Kleidung oder Bettnetze imprägniert werden können. Dabei handelt es sich um spezielle Kontakt-Insektizide wie Permethrin (oder Pyrethrum). Permethrin gehört zu den Pyrethroiden, einer Gruppe von Insektenbekämpfungsmitteln, die vom natürlichen Gift der Chrysanthemen, dem Pyrethrum, abgeleitet worden sind. Unbedingt Warnhinweise beachten!

Zecken sind oft Stunden auf dem Körper "unterwegs", bis sie eine geeignete Stelle zum Stechen gefunden haben, meist in weichen Hautpartien, wie z.B. Kniekehlen. Oft besteht noch Zeit, sie abzusammeln, bevor sie gestochen hat. Bei der Borreliose werden die Erreger erst nach mehreren Stunden des Saugens mit dem Speichel der Zecke übertragen. Findet man also nach einem Waldspaziergang an seinem Körper eine Zecke, die sich noch nicht oder nur wenig vollgesogen hat, ist das Risiko einer Borreliose gering. Kinder können nach Wiesenaufenthalt unter der Dusche gut abgesucht werden, wodurch das Risiko für eine Erkrankung deutlich sinkt.


Nach der Mahlzeit (Bildquelle: www.bad-salzig-am-rhein.de)

Borreliose
Zecken in Europa, Ost-Europa, Sibirien und Nord-Amerika können Bakterien der Gattung Borrelien (Lyme-Borreliose, nach ihrem Entdeckungsort Lyme, USA, im Jahr 1976) übertragen.
In den USA werden etwa 20.000 Infektionen pro Jahr gemeldet (Connecticut, Delaware, Maryland, Massachusetts, Minnesota, New Jersey, New York, Pennsylvania, Rhode Island, Wisconsin). Hauptübertragungszeiten sind Mai-August.

Die Häufigkeit der Borreliose unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland zum Teil recht stark und liegt im Bereich von < 6 (Berlin) bis > 77 (Brandenburg) Fälle auf 100.000 Einwohner pro Jahr. Ob Zecken in Deutschland Borrelien in sich tragen und damit infektiös sind, ist erwartungsgemäß regional sehr unterschiedlich. In Übertragungsgebieten (z.B. Hamburg) sind etwa 12-18% aller Zecken infiziert. Etwa 5-25% der Bewohner ländlicher Regionen in Deutschland tragen Antikörper gegen Borrelien. Die Übertragungszeiten sind in Deutschland zwischen Mai-Oktober (Hauptübertragungszeit: Juli-August).

Die folgenden Faktoren können das Borreliose-Risiko erhöhen

  • Aufenthalt in waldnah gelegenen Gärten
  • Befall der Haustiere mit Zecken
  • direkter Hautkontakt mit Büschen und hochgewachsenem Gras
  • ausgedehntes Wand


Bei einer Infektion kommt es in etwa 90% der Fälle nach einigen Tagen bis Wochen zu einer "wandernden", sich unregelmäßig ausdehnenden Rötung (Erythema migrans) an der Zeckenstichstelle, eine scharf abgegrenztes, sich flächig ausbreitendes Hautrötung, die im Zentrum oft eine Aufhellung aufweist. Diese Erscheinung verschwindet auch ohne Behandlung nach etwa 28 Tagen. Andere Zeichen der Erkrankung (z.B. eine Lymphschwellung am Ohr, frühe Neuroborreliose) sind möglich aber selten (2-5%).


"Erythema migrans" (Quelle: Bengtsson/Holm)

Wird die Erkrankung nicht behandelt, sind Folgeerkrankungen möglich

  • Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können brennende Schmerzen in der Nähe der Stichstelle auftreten. Außerdem sind Ausfälle verschiedener Nerven möglich. Selten werden auch Entzündungen im Bereich des Herzmuskels beobachtet. Gelenkschmerzen sind hingegen eine typische Manifestation. Auch rötlich-blaue Hautveränderungen können auftreten (Lymphadenosis cutis benigna).
  • Chronischen Gelenkentzündungen, Hautveränderungen und Lähmungserscheinungen.

Menschen, die eine Infektion durchgemacht und Antikörper gegen Borrelien entwickelt haben, sind nicht vor einer Neuinfektion geschützt. Allerdings treten Neuinfektionen fast ausschließlich bei Personen auf, bei denen der Kontakt zum Erreger nur sehr kurz war, weil sie konsequent nach einem Erythema behandelt wurden, nicht dagegen bei Personen, bei denen sich der Erreger im Körper ausbreiten konnte.
Schwierig zu beurteilen ist ein so genanntes Post-Lyme-Syndrom, das sehr vielgestaltig ist, mit neurologischer, psychiatrischer oder rheumatischer Symptomatik, begleitet meist von intensivem Leidensdruck. Es entsteht als eine vermutlich nichtinfektiöse Folgeerscheinung einer vor mindestens einem Jahr durchgemachten Lyme-Borreliose.
Gegen die Borreliose gibt es keinen wirksamen Impfstoff. In Vorbereitung sind Impfstoffe, die gegen den Speichel der Zecke gerichtet sind. Damit werden zwei Ziele verfolgt: wegen Auslösung eines stärkeren Juckreizes wird nach der Impfung eine Zecke leichter bemerkt, zusätzlich wird die Übertragung durch Reaktion mit dem Zeckenspeichel behindert.
Nach einer Borrelieninfektion besteht die Möglichkeit einer antibiotischen Therapie. Bei konsequenter Therapie ist ein Weiterleben von Erregern im Körper extrem unwahrscheinlich.
Eine aktive Borreliose mit Hilfe von Blutuntersuchungen bei neurologischen Erkrankungen sicher auszuschließen, ist nicht einfach. Der Nachweis einer Infektion mit sinnvollen Labormethoden (Serologie, PCR, Kultur) liegt beim Erythema migrans nur bei 50-70% und bei einer Neuroborreliose nur bei 10-30%. Oft sind nur Hinweise darauf möglich, ob eine Infektion bestand, nicht aber, ob noch lebende Bakterien im Körper existieren, die einer Antibiotikatherapie zugänglich wären. Die Entscheidung, ob antibiotisch behandelt wird, richtet sich daher im Wesentlichen nach dem klinischen Befund, und im Zweifel wird meist eine Behandlung durchgeführt. Diagnostische Verfahren haben nur eine ergänzende Aussagekraft zum klinischen Befund.

Nationales Referenzzentrum für Borrelien

 



RMZ, 09.02.2012




G+J Glossar
Partner-Angebote