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Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Blei

Blei

Blei ist ein kohlenstoff-ähnliches Schwermetall, das in Körperzellen eingebaut werden kann und dabei schadet.


Bildquelle: www.bbs-winsen.de


In den letzten 3.000 Jahren wurden etwa 300 Millionen Tonnen Blei gefördert. Fünf Millionen Tonnen oder mehr wurden über Autoabgase verteilt. Blei-Staub findet sich deshalb selbst auf Bergspitzen und im Gletschereis.

In Industrieländern wird der Bleiverbrauch eingedämmt. Der wesentliche Verwendungszweck hier sind weiterhin Akkus. In vielen Entwicklungsländern können dagegen Industrie- und Autoabgase, Farben in Geschirr oder Gläsern, Haarfärbemittel und Wasserrohre hohe Konzentrationen von Blei enthalten.

Eine weitere Quelle von Blei sind Medikamente, deren Herstellung nicht kontrolliert wird: dazu gehören Arzneimittelfälschungen, z.B. in Südost-Asien und viele im Ausland hergestellte Pflanzenmedizin- und Ayurveda-Produkte.

         

Beispiel eines tibetanisches Vitaminpräparates für Kinder
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Röntgenbild der Kugeln des Vitaminpräparates (Blei hält Röntgenstrahlen ab. Bleihaltige Materialien erscheinen deshalb weiß)
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Bildquelle: Moore C.: Pediatrics, Vol. 106 No. 3 September 2000, pp. 600-602

Eine chronische Bleivergiftung schädigt alle Organe des Körpers, besonders aber das Nerven- und blutbildende System und den Verdauungstrakt. Blässe (Anämie), Stimmungsschwankungen, metallischer Geschmack, Verdauungsstörungen, Krämpfe ("Bleikolik"), Schmerzen und Lähmungen können in der Folge auftreten.

Schwangere und Kinder sind besonders gefährdet. Beschrieben wurden bei Kindern Entwicklungsverzögerung, Verhaltensstörungen, Blind- und Taubheit, Erkrankungen des blutbildenden Systems und Störungen des Knochenwachstums.

Gefahrenquellen für Kinder sind abblätternde Farben, z.B. an Hauswänden, da Blei süß schmeckt, und belastete Böden (z.B. Sandkästen).

Blei in Industrie- und Entwicklungsländern
Der Grenzwert im Trinkwasser (40 µg/L) wird in vielen Ländern überschritten. Insbesondere in städtischen Bereichen sind die Böden (besonders in der Nähe von Straßen oder Industrieanlagen) bleibelastet. Studien mit exakten Messungen fehlen in vielen Entwicklungsländern, es ist jedoch realistisch, dass die Belastungswerte in vielen Megastädten um den Faktor 10 höher sind als in Deutschland.

Beispiel Indien:

  • Bei Bleikonzentrationen von etwa 5 µg/dL im Blut sind bleibende Schäden zu erwarten.
  • 1999 wurde in einer Studie errechnet, dass etwa die Hälfte aller indischen Kinder eine Konzentration von 5-10 µg/dL Blei aufweisen sollten. Diese Vermutung wurde 2006 in einer Studie in Mumbai und in New Delhi überprüft; es fanden sich dort bei 76% aller Kinder Werte zwischen 5-20 µg/dL Blei (Jain 2006).
  • Wichtige hier genannte Quellen der Schadstoffbelastung waren verbleites Benzin, Industrieabgase, unsachgemäße Müllbeseitigung, Kontakt zu Farben und anderen Produkten und auch die Nutzung traditioneller Medizin.

Auch in Industrieländern bleibt Blei ein, allerdings besser untersuchtes, Gesundheitsproblem. Die Gesundheitsbehörde der USA nannte Bleivergiftungen eine "stille Epidemie" und "eines der häufigsten Gesundheitsprobleme bei Kindern".

In Deutschland wurde 1965 die sogenannte "Gressenicher Krankheit" beschrieben: Vergiftung von Kühen durch bleibelastetes Weidefutter im Kreis Stolberg (Aachen), aufgrund von Emissionsniederschlägen der Bleihütte Binsfeldhammer. Kinder nahmen Blei in hohen Dosen durch direkten Kontakt mit Bleistaub und über die Nahrung auf. 1982 wurden noch 13 Todesfälle von Tieren gemeldet, die an Bleivergiftung verendet waren.

Geschichte von "Bauchgrimmen"
Seit der Antike bis ins 18. Jahrhundert wurde Blei zum Konservieren und Süßen von Wein verwendet, was häufig zu Epidemien von so genanntem "Bauchgrimmen" führte. Der Untergang Roms wird von einigen Historikern auch mit einer Bleivergiftung der Aristokratie, durch Trinkgefäße, Rohre und Wein, in Verbindung gebracht. Avicenna (um 1.000) und Paracelsus (um 1.500) beschäftigten sich intensiv mit Bauchgrimmen und schlugen zur Behandlung Quecksilber, Aderlass, Brechmittel (Antimon) und Klistiere vor. Erst ein Stadtmediziner von Ulm, Eberhard Gockel, entdeckte 1669 die Ursache von Bauchgrimmen. Ihm fiel auf, dass die Epidemien in Zeiten hoher Weinpreise auftraten, wenn es wenig guten Wein gab, und dass Mönche, die keinen Wein tranken, nicht erkrankten. Seine Schrift "Über das Süßen von saurem Wein mit Bleiweiß und den großen Schaden für die, die ihn trinken" führte zur ersten wirksamen Hygieneverordnung in Europa.

Vorbeugung vor Bleivergiftungen
Um Bleivergiftungen vorzubeugen, müssen Umweltstandards eingehalten werden. Benzin sollte bleifrei sein, Geschirr und Gläser kein Blei enthalten, Bleirohre sollten entfernt werden und die Böden nahe Hauptverkehrsstraßen und Industrieanlagen kontrolliert werden.

Hinweise für Reisende

  • Die Umweltstandards können im Reiseland niedriger sein, entsprechend ist mit höheren Schwermetallbelastungen zu rechnen
  • Vor der Einnahme von asiatischen Pflanzenmedizinprodukten und Ayurveda-Medikamenten prüfen, ob diese Medikamente schadstoffkontrolliert sind und ihr Gehalt an Schwermetallen (Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber) nachweislich unter den zulässigen Grenzwerten liegt
  • Wenn Rohre aus Blei bestehen könnten, aber Wasser daraus getrunken werden muss, sollte es einige Zeit kalt durch das Rohr ablaufen, bevor es entnommen wird
  • Kinder sollten möglichst nicht in Sandkästen oder Spielanlagen nahe von Verkehrsstraßen oder Industrieanlagen spielen
  • Erwachsene müssen darauf achten, dass Kinder Abstand zu Farben unklarer Herkunft einhalten und im Zweifel keine Erde in den Mund nehmen.

Länderspezifische Hinweise

Literatur

  • Jain N.B., Hu H.: Childhood Correlates of Blood Lead Levels in Mumbai and Delhi, Environmental Health Perspectives 2006, 114 (3): 466-470

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HEF, 11.04.2012




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